Als im Jahr 1860 der „Urvogel“ Archaeopteryx im Kalkstein von Solnhofen entdeckt wurde, hatte Charles Darwin gerade seine Theorie über die Entstehung der Arten veröffentlicht. Prompt geriet das so seltsam zwittrige Fossil zwischen alle Fronten. Für die einen ein klarer Beweis einer direkten Abstammungslinie der Vögel von den Dinosauriern, war es für andere nur eine exotische Sonderform, keinesfalls aber ein „Missing Link“.
Der Streit um die Position des Archaeopteryx im Stammbaum der Tiere und den Ursprung der Vögel ging auch nach Darwins Zeit weiter – teilweise mit erbitterter Heftigkeit. Diskutiert wurde und wird bis heute immer wieder vor allem eine Frage: War der Urahn der modernen Vögel ein Dinosaurier? Lange Zeit gab es weder dafür noch dagegen sonderlich viele Indizien, es fehlte an entsprechenden Fossilien.
Doch das änderte sich abrupt in den 1990er Jahren: In China entdeckten Paläontologen den ersten gefiederten Dinosaurier und damit einen ersten eindeutigen Hinweis auf Vogelmerkmale bei den „Schreckensechsen“. Seither fördern die reichhaltigen Formationen von Liaoning und Xinjiang immer mehr gefiederte Dinosaurier verschiedenster Art, aber auch urtümliche Vögel zu Tage. Ihnen verdanken wir einige überraschende Erkenntnisse über die Entwicklung und Lebensweise von Velociraptor und Co. Aber was verraten sie über den letzten gemeinsamen Vorfahren von Dinos und Vögeln? Darüber wird zum Teil noch immer gestritten… |