Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Samstag, 04.02.2012
Krakatau, Deep Impact und Co
Ereignisse, die zu Riesenwellen führen können

Im Prinzip können Tsunamis bei jeder "Störung" im Meer entstehen, die große Wassermassen aus ihrem Gleichgewicht bringt - natürlich auch bei Vulkanausbrüchen. Eine heftige unterseeische Explosion beispielsweise setzt genügend Energie frei, um die Wassersäule nach oben zu drücken. Aber auch bei Eruptionen über dem Meeresspiegel kann der Impuls stark genug sein, damit sich Tsunamiwellen mindestens im TGV-Tempo vom Ursprungsort ausbreiten...

Explosion des Krakatau 1883 
Explosion des Krakatau 1883
© NGDC
Auch eine der größten Tsunamikatastrophen in der Geschichte der Menschheit ereignete sich nach einer solchen Eruption. Der Feuerberg Krakatau explodierte im Jahre 1883 in der Sundastraße zwischen Java und Sumatra. Dabei wurde nicht nur ein großer Teil des Gipfels abgesprengt, auch die unterseeische Caldera stürzte in die leere Magmakammer.

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometer raste der dabei entstandene Tsunami auf die Küstenregionen der benachbarten Inseln zu. Auf dem offenen Meer waren die flachen Wellen zunächst kaum zu bemerken. Erst bei der Annäherung an die Küste verlangsamte der Tsunami sein Tempo und die Wellen türmten sich zu gewaltigen Höhen auf. Innerhalb von zwei Stunden nach dem Vulkanausbruch auf Krakatau wurden große Gebiete in den Küstenregionen der Inseln Sumatra und Java vom Tsunami überrascht.

Fast 36.000 Menschen starben im Umkreis von 80 Kilometern rund um den Krakatau in den bis zu 40 Meter hohen Meereswellen, 295 Orte wurden im Verlauf der Katastrophe vollständig zerstört.

Erdrutsche
Gewaltige unterseeische Rutschungen, die häufig in Verbindung mit Erdbeben oder Vulkanausbrüchen auftreten, können ebenfalls in gefürchteten Tsunamis enden. Dabei wird von oben ein Druck auf die Wassersäule ausgeübt, der zu einer gefährlichen Wellenbildung führen kann.

Die durch Vulkanausbrüche oder Erdrutsche erzeugten Tsunamis tragen aber in der Regel viel weniger Energie mit sich als Tsunamis, die durch submarine Erdstöße entstehen. Sie lösen sich deshalb meist auch viel schneller auf und wirken sich nur selten auf weit vom Ursprungsort gelegene Küstenregionen aus.

Gefahr aus dem All
 Meteoriteneinschlag
Meteoriteneinschlag
© USGS/NASA  Meteoriteneinschlag
Deep Impact und Armageddon lassen grüßen - eine weitere, eher seltene Variante der Tsunamientstehung kommt aus dem Weltraum.

Wenn beispielsweise ein Meteorit mit hoher Geschwindigkeit ins Meer stürzt, könnte nach den Berechnungen von US-Wissenschaftlern ein gewaltiger Tsunami geboren werden, der mit Wellenhöhen von 50 bis 100 Metern auf die Küsten zurast und Tod und Verwüstung mit sich bringt.

Vor zwei Millionen Jahren gab es bereits eine solche Katastrophe. Die damals lebenden weit entfernten Vorfahren des Menschen, die Australopithecinen, allen voran die weltbekannte "Lucy", werden vermutlich einen gehörigen Schrecken bekommen haben, als Eltanin vor der Küste Chiles in den Stillen Ozean krachte.

Wie der Wissenschaftler Dr. C. Mader feststellte, verursachte der riesige Himmelskörper - Durchmesser zwischen einem und vier Kilometern - zwar keinen Krater im Meeresboden, dafür aber eine überdimensionale Tsunami, die unter anderem die Küste Südamerikas heimsuchte. Allerdings sind Meteoriteneinschläge in dieser Größenordnung auf der Erde doch sehr selten.

Nukleare Explosionen
Realistischer ist da wohl - leider - noch die Möglichkeit, dass eine nukleare Explosion einen Tsunami auslösen könnte. Ob die von dem Tsunami möglicherweise betroffenen Menschen dann allerdings noch Zeit haben, sich vor der Welle zu fürchten, bleibt dahingestellt...

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Tsunami
Das Geheimnis der Riesenwellen
Eine "Welle im Hafen"
Was ist ein Tsunami?
Wenn Wassermassen aus dem Gleichgewicht geraten...
Seebeben als Tsunamiauslöser
Krakatau, Deep Impact und Co
Ereignisse, die zu Riesenwellen führen können
Der Pazifische Raum zittert...
Wo gibt es Tsunamis besonders häufig?
... und der Rest der Welt?
Riesenwellen in den anderen Weltmeeren
Mit Airbus-Geschwindigkeiten über das Meer
Wie unterscheiden sich Tsunamiwellen von "normalen" Meereswellen?
Wenn aus Wellen Monster werden
Ein Tsunami auf "Landgang"
50.000 Tote und Schäden in Milliardenhöhe
Eine Bilanz der Riesenwellen
Aus Katastrophen lernen
Das Pacific Tsunami Warning Center
Tsunami watch und Tsunami warning
Wie funktioniert das Warnsystem?
Fünf Treffer bei 20 Vorhersagen
Wie gut ist das PTWS?
Wächter auf dem Meeresgrund
Das DART-Projekt
Wellen, die den Tod brachten...
Ein Who is Who bedeutender Tsunamikatastrophen
Zerstörerische Wellen
Daten und Fakten zu Tsunamis
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Riesenschlangen
Aktuelle Dossiers
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts
Mikrobielle Mitbewohner auf Weltreise
Bakterien in Magen und Speichel helfen beim Erforschen menschlicher Wanderungen