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Montag, 13.02.2012
Farbentricks mit Abgucken
Technische Anwendungen von Interferenzfarben

Die schillernden Farben der Schmetterlingsflügel faszinieren nicht nur Insektenkundler, Sammler und Künstler aller Art, auch die Technik wirft inzwischen begehrliche und neugierige Blicke in die Trickkiste der Natur.

10 Dollar-Note 
10 Dollar-Note
© IMSI MasterClips
Längst nutzt man das Reflexionsprinzip vieler Schillerfarben für Lacke, denen Nanopartikel beigemischt werden, um entsprechende Streuungseffekte zu erzielen. Australiens Zehn-Dollar-Scheine tragen als Fälschungsschutz ein changierendes Feld, das auf die Struktur der Schmetterlingsschuppen zurückgeht. Und zukünftig könnte vielleicht auch der Polarisationeffekt der Papilioschuppen in ähnlicher Weise eingesetzt werden. Ein kurzer Check unter einer Polarisationslampe würde dann ausreichen, um Blüten eindeutig zu entlarven.

Eine entscheidende Rolle in der Informationstechnologie könnten in Zukunft vielleicht optische Gitter spielen, wie sie die blauen Morpho-Falter nutzen. So genannte "photonische Kristalle" aus regelmäßig angeordneten Grundelementen sollen dabei durch ihre Interferenzeffekte Licht gezielt entweder weiterleiten oder aber schlucken. Damit folgen sie dem digitalen "Null oder Eins"-Schema der Datencodierung - brauchen dabei im Gegensatz zu herkömmlichen Datenleitern aber erheblich weniger Platz.

 Modell eines optischen Gitters
Modell eines optischen Gitters
© DOE
Entsprechend intensiv arbeiten Wissenschaftler weltweit zur Zeit daran, photonische Kristalle nach dem "Morphoprinzip" zu bauen. Darunter auch Forscher der Universität Jena mit ihrem Projekt "Photonic Crystal Optical Circuits". Ihr Ziel ist es, durch Veränderungen an der Gitterstruktur der photonischen Kristalle deren optische Eigenschaften je nach gewünschtem Verwendungszweck maßzuschneidern. So könnten sie zukünftig Licht nicht nur reflektieren, einfangen und speichern, sondern sogar um die Ecke leiten.

"Mit rechtwinkliger Lichtführung werden Bauelemente in der Telekommunikation möglich, die gegenüber den herkömmlichen nur noch ein Tausendstel des Platzes beanspruchen. Damit werden sie leistungsfähiger, aber auch viel weniger störungsanfällig sein", erklärt der Leiter des Projekts, Prof. Andreas Tünnermann. Noch tüfteln die Forscher allerdings an der Herstellung der ersten lichtleitenden Bauelemente.

Zwar gibt es bereits photonische Kristalle, die Licht im Infrarotbereich leiten, ihre undurchsichtigen Materialien eignen sich jedoch nicht für die Manipulation von sichtbarem Licht. Die Jenaer Wissenschaftler setzen daher - aus naheliegenden Gründen - auf Glas als Grundsubstanz und suchen nach Wegen, daraus industrielle Bauteile zu fertigen. Immerhin hat ein früheres Projekt der gleichen Universität bereits gezeigt, dass sich photonische Kristalle aus Glas prinzipiell herstellen lassen. Die ersten Schritte zu neuen optischen Datenspeichern und -leitern könnten daher bald erfolgen...

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