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Sonntag, 12.02.2012
Vertreibung, Hunger und Krankheit
Staudamm versus Mensch

Wasser und Land einer Region bilden ökologisch gesehen eine untrennbare Einheit. Wenn diese engen Verbindungen durch einen Großstaudamm verändert werden, zeigen sich die Auswirkungen meist im ganzen Einzugsgebiet des Flusses und damit auch bei allen seinen Bewohnern, seien es nun Tiere, Pflanzen oder Menschen.

Ablauf eines Staudamms 
Ablauf eines Staudamms
© California Department of Water Ressources
Die Mehrzahl der heute 45.000 Dämme weltweit, so hat eine Untersuchung der World Commission on Dams (WCD) ergeben, entstand ohne Rücksicht auf mögliche Auswirkungen im Unterlauf des Flusses. Selbst wenn Experten vorab Folgen wie massive Küstenerosion oder Umweltverschmutzung prophezeit hatten, ließen sich die Staudammbauer nicht von ihrem Ziel abbringen. Dabei waren dies nur einige wenige der Probleme, die im Zusammenhang mit dem Bau von Staudämmen auftreten können.

Mindestens 60 bis 80 Millionen Menschen, so hat die WCD in einem gerade veröffentlichten Bericht ermittelt, sind weltweit durch Staudammprojekte von ihrem Land vertrieben worden, um Platz für die teilweise gigantischen Speicherreservoire zu schaffen. Jährlich, so vermuten die Kritiker der Großstaudämme, kommen bis zu zwei Millionen Menschen hinzu.

Ein Großteil dieser umgesiedelten einfachen Farmer und Arbeiter verarmt nach ihrer Vertreibung sowohl ökonomisch als auch sozial, da sie häufig keinen oder nur minderwertigen Ersatz für ihre erlittenen Verluste erhalten. So ist das angebotene Land meist von schlechterer Qualität und oft auch deutlich kleiner als die abgegebenen Flächen. Oft reicht es für die Versorgung der Familien dann nicht mehr aus und Hunger sowie zahllose Erkrankungen sind die Folge.

Nicht eingerechnet in die Statistik sind zudem die vielen Menschen, die durch Folgebauwerke im Unterlauf der gestauten Flüsse, wie Kanäle oder Hilfsdeiche, ihren Wohnsitz oder die Lebensgrundlage verloren haben.

Zusätzlich geschädigt werden die Menschen in den Dammregionen der Tropen und Subtropen durch die Zunahme an Malaria-, Leishmaniose- oder Schistosomiase-Infektionen. Da die Überträger oder Erreger dieser Erkrankungen mit Vorliebe in stehenden Gewässern leben, bieten die gewaltigen Stauseen optimale Bedingungen für ihre Entwicklung und Fortpflanzung.

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