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Donnerstag, 09.02.2012
Signale aus der Innenwelt
Wie träumt das Gehirn?

Was "tut" das Gehirn, wenn unser Geist in der Nachtwelt wandelt? Wie funktioniert das Träumen? Diese Frage ist bis heute nicht beantwortet und heiß umstritten. Zwar sind sich alle Schlafforscher einig darüber, dass das Gehirn bei Träumen aktiv ist und keineswegs "schläft", aber wie diese Aktivität mit den Inhalten und der Form unserer Träume zusammenhängt, weiß im Grunde keiner so genau.

Sinnlose Signale aus dem Hirnstamm?
Unter den ersten, die versuchten, dem physiologischen Hintergrund der Träume auf den Grund zu gehen, waren die amerikanischen Schlafforscher und Neurophysiologen J. Allan Hobson und Robert McCarley.

Bei Schlafversuchen an Katzen stellten sie fest, dass eine kleine Region im Hirnstamm, das REM-Zentrum, während des Traumschlafs regelmäßige starke Bündel von Nervenimpulsen aussandte, die sich anschließend über die Großhirnrinde verteilten und dort ihrerseits Nervenzellen aktivierten. Aus dieser Beobachtung entwickelten die Wissenschaftler ihr "Aktivierungs-Synthesis-Modell" für das Träumen: Demnach entstehen Träume, weil das Großhirn die zufälligen Nervensignale aus dem REM-Zentrum genauso auswertet und behandelt, wie es das tagsüber mit den von außen eintreffenden Reizen tut.

Es verknüpft die nach Ansicht der Forscher "sinnlosen" Hirnstammsignale mit bereits gespeicherten Gefühlen, Sinnesempfindungen oder Fakten und komponiert daraus den Trauminhalt - indem es die zum Reiz passende Geschichte "erfindet". Weil dabei besonders die Hirnzentren aktiviert werden, die Emotionen und unser Langzeitgedächtnis bergen, sind auch unsere Traumgeschichten entsprechend reich an Gefühlen und Erinnerungen.

Eine biologische Funktion oder gar einen Sinn haben nach Ansicht vieler Traum- und Schlafforscher diese Träume nicht. Sie sehen sie als bloßes Nebenprodukt der physiologischen Vorgänge, ähnlich dem statischen Rauschen eines Radios oder dem Brummen eines Motors. Eine Beschäftigung mit unseren Träumen oder gar Deutungsversuche sind daher ihrer Ansicht nach komplett sinnlos.

...oder hat das Vorderhirn das Sagen?
Dieser für Psychologen und Psychanalytiker geradezu "ketzerischen" Auffassung widersprechen andere, wie der britische Gehirnforscher Mark Solms, vehement. Seiner Ansicht nach wird zwar der REM-Schlaf von den Zentren im Hirnstamm ausgelöst und gesteuert, doch der Traum geht auf eine eigene Steuerung zurück.

 Frontalhirn
Frontalhirn
© Podbregar
Das Vorderhirn, für die Vertreter der "sinnlos"-Theorie nur ein passiver Empfänger von Hirnstammsignalen, spielt dabei für die Trauminhalte und die Fähigkeit zu träumen, eine entscheidende Rolle. Hier, wo unser Geist mentale Bilder erzeugt und verarbeitet, liegt nach Solms Auffassung auch der Ursprung unserer Träume. Solms Argumentation beruht vor allem auf seiner Beobachtung, dass Patienten mit beschädigtem Hirnstamm meist keinen REM-Schlaf mehr haben, wohl aber noch träumen können.

Ist dagegen eine bestimmte Region im Vorderhirn zerstört, findet zwar noch REM-Schlaf statt, aber die Betroffenen träumen nicht mehr. REM-Schlaf und Traum müssen daher, so Solms, zwei voneinander unabhängige Prozesse sein.

Doch auch damit wäre noch nicht geklärt, welchen Sinn das Träumen haben könnte....

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