|
Wir merken, wenn wir schläfrig werden, wenn unser Denken langsam immer wirrer wird und der Schlaf uns einholt. Doch was dann geschieht, entzieht sich unserem Bewusstsein: Während des Schlafens wissen wir nicht, dass wir schlafen. Erst im Nachhinein merken wir es, beispielsweise an der inzwischen verflossenen Zeit oder an der diffusen Erinnerung an den letzten Traum. Um herauszufinden, wie wir schlafen und wann wir träumen, begeben wir uns auf eine Reise durch die Nacht...
Vor dem Eintauchen
| |  | EEG im entspannten Wachsein © Podbregar/IMSI MaserClips | Es ist kurz nach halb elf abends. Langsam werden wir müde, die Glieder werden schwer. Wir entschließen uns, dem Schlafbedürfnis nachzugeben und gehen ins Bett. Gemütlich unter die Decke gekuschelt, schließen wir die Augen und beginnen, uns zu entspannen. Wir atmen tiefer und langsamer, die Gedanken beginnen zu schweifen. Noch nehmen wir gedämpft das Knarren einer Tür oder ein Knacken in der Heizung wahr, es scheint aber weit weg.
Im Gehirn wechselt die Aktivität von konzentrierter Wachheit in den entspannten "Alpha-Zustand". Das EEG zeigt nun ein regelmäßiges Muster von etwa acht bis zehn Wellen in der Sekunde, die so genannten Alpha-Wellen.
Das Einschlafen
| |  | EEG in der Einschlafphase © Podbregar/IMSI MasterCLips | Einige Minuten später beginnt sich dieses Muster zu verändern: Noch langsamere, flachere Wellen erscheinen und lösen allmählich die Alphawellen ab. Wir treten in den Halbschlaf, die erste Schlafphase ein. Unsere Muskeln erschlaffen, die Atmung wird flacher und der Puls sinkt. Manchmal zucken die Muskeln noch einmal und wir schrecken kurz auf, doch schon wenige Sekunden später sinken wir wieder in den Schlaf. Leise Geräusche in unserer Umgebung hören wir jetzt nicht mehr, der Vorhang, der unsere Sinne von unserem Bewusstsein abgrenzt, fällt.
Langsam verschwimmt unser geordnetes Denken, nur noch bruchstückhaft und oft in wirrer Folge tauchen Bilder des Tages wieder auf. Diese Einschlafträume oder "hypnagogischen Halluzinationen" greifen oft Eindrücke auf, die uns unmittelbar vor dem Einschlafen beschäftigt haben - sei es die bevorstehende Klausur oder das Wohlgefühl eines heißen Bades. In dieser Phase sind wir relativ leicht zu wecken - und wären dann der festen Überzeugung, noch gar nicht geschlafen zu haben.
In leichtem Schlaf
| |  | EEG im leichten Schlaf © Podbregar/IMSI MasterClips | Nach etwa fünf Minuten ändert sich das Hirnstrommuster erneut: Die kleinen Thetawellen des ersten Schlafstadiums werden jetzt ab und zu von charakteristischen, nur knapp eine Sekunde andauernden Wellenstrukturen unterbrochen: Den K-Komplexen, einzelnen Pulsen mit einer viermal höheren Amplitude als die Thetawellen, und den Schlafspindeln, einer kurzzeitigen Beschleunigung der Thetawellen auf fast die doppelte Frequenz. Beide sind eindeutige Anzeichen dafür, dass wir Schlafstadium 2 erreicht haben.
Von den Vorgängen der Umgebung abgeschottet, treiben wir in einem leichten Schlaf. Auch in dieser Phase können wir träumen. Allerdings sind dies nicht die typischen lebendigen und komplexen Träume des eigentlichen Traumschlafs, sondern meistens kurze, eher rationale und Gedanken-ähnlichere Episoden. Würde man uns jetzt wecken, wüssten wir wahrscheinlich, dass wir geschlafen - und vielleicht auch geträumt haben.
|
| zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | weiter |