Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 02.09.2010
Erectus, der Aufrechte
Die frühen Hominiden II

Homo erectus 
Homo erectus
© Jim Foley
Bis vor etwa zwei Millionen Jahren spielte sich die gesamte Entwicklung der Menschheit in Afrika ab, wenn man von den Fossilfunden ausgeht. Bis zum Homo habilis gibt es keinen einzigen Hominiden, der außerhalb des südlichen Kontinents gefunden wurde. Dann aber, vor etwa zwei bis 1,5 Millionen Jahren, zu Beginn des Pleistozäns, macht sich der "Mensch" zum ersten Mal auf, die Welt zu "erobern". Der Homo erectus, der "aufrechte Mensch" erscheint auf der Bildfläche. Den ersten dieser "Wanderer" hatte Eugène Dubois 1891/92 auf Java entdeckt. Vermutlich drang H. erectus während der Eiszeit bis nach Südostasien vor als die Inselwelt zum großen Teil mit dem Festland verbunden war.

Rein rechnerisch könnte diese "Invasion" relativ schnell vonstatten gegangen sein: Legte eine kleine Erectus - Gruppe jährlich eine Strecke von 50 Kilometern zurück, so konnte sie, besser gesagt ihre Ururururenkel bereits innerhalb von 15.000 Jahren an jedem Punkt Eurasiens angekommen sein.

Während sich der Homo erectus auf dem Eurasischen Kontinent noch unter Seinesgleichen befand, herrschte auf der afrikanischen Landmasse zeitweise ein wahres Gedränge an Hominidenarten. Mit etwas Glück hätten sich Vertreter der robusten Australopithecinenarten "robustus" und "boisei" mit den frühen Homoarten "habilis" und "erectus" zum Kaffeeklatsch oder Stammtisch treffen können.

Homo erectus war größer als der Homo habilis und wies ein größeres Gehirnvolumen auf, das sich während seiner Anwesenheit auf der Erde nahezu verdoppelte. Mit maximalen 1200 Kubikzentimetern liegt es schon im Bereich der normalen Variabilität des Homo sapiens. Er war geschickter in der Werkzeugherstellung als der "habilis".

Allerdings kam auch er mehrere hunderttausend Jahre nicht über den Faustkeil hinaus, der mit der Zeit immer mehr verbessert wurde. Die Entdeckung des Feuers vor etwa 500.000 Jahren verdanken wir dem Homo erectus. Und mit der Macht über dieses Element konnte er sich auch den Widrigkeiten der kälteren Klimazonen widersetzen.

Vor etwa 700.000 bis 400.000 Jahren tauchen dann erstmals Vertreter einer Art auf, die aufgrund der größeren Schädelkapazität und anderer fortschrittlicher Merkmale nicht mehr zu H. erectus gestellt werden. Die ersten archaischen Homo sapiens Populationen breiten sich aus. Zu ihnen gehört auch der Neandertaler, der bis ungefähr 35.000 Jahre vor heute überlebte. Den Fossilfunden nach entstanden die ersten archaischen Formen zuerst in Afrika, dann in Europa und vor etwa 300.000 Jahren schließlich in Ostasien.

Als ältester fossiler Beleg in Europa galt bis vor etwa eineinhalb Jahren noch ein Unterkiefer aus dem Ort Mauer bei Heidelberg. Einige Wissenschaftler benennen ihn deshalb Homo heidelbergensis, andere zählen ihn weiterhin zum Homo erectus. Im Oktober 1998 gab die Universität Michigan dann die Entdeckung eines möglichen neuen Vorfahren des Menschen bekannt. Der Fund wurde auf 780.000 Jahre datiert.

Aber wann entstand der moderne Mensch, und wo? Wer waren seine Vorfahren? Zwei Theorien konkurrieren darum, unsere Herkunft zu erklären.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Übersicht
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Der Streit um den Neandertaler
Anmerkungen zur Evolution des Menschen
Der Mensch stammt vom Affen ab!
"... laßt uns beten, daß es nicht allgemein bekannt wird!"
Der Mensch stammt nicht vom Affen ab!
Haeckel, Huxley und das "Missing link"
Ein Düsseldorfer mit flacher Stirn
Pathologischer Fall oder Vorfahre des Menschen?
Wer findet den "Affenmenschen"?
Auf der Suche nach dem "Missing Link"
Fossilsucher und ihre Methoden
Wie die Paläontologen das Alter der Fossilien bestimmen
Wir arbeiten uns ran
Schicht für Schicht: die relative Datierung
Auf den Punkt
Die Halbwertszeit hilft weiter: die absolute Datierung
Im Spiegel der Zeit
Der Zerfall der Bausteine des Lebens
"Splitter" und "Lumper"
Vom Durcheinander zum Radikalschnitt
Der Stammbaum
Ein Weg voller Sackgassen
Nicht mehr Affe , noch nicht Mensch
Die Australopithecinen
Habilis, der Geschickte
Die frühen Hominiden I
Erectus, der Aufrechte
Die frühen Hominiden II
Die zwei großen Hypothesen
"OAA" oder "MRM"
Wo sind wir "entstanden"
Einmal in Afrika oder mehrmals in der Welt?
Die DNA und der Neandertaler
Was uns Gensequenzen über unseren Ursprung erzählen
Ein alter Bekannter kehrt zurück
Die mtDNA und der Neandertaler
8 : 27
Der Sequenzvergleich
"Der Neandertaler ist raus!"
"Das haben wir so nie gesagt"
Was die "Leader" sagen
Interview mit den Wissenschaftlern Chris Stringer und Milford H. Wolpoff
Top-Diaschauen
Masdar City
Quallen
2012 und die Maya
Archäologische Funde
Das Innere der Erde
Aktuelle Dossiers
Wasser mit nebulöser Wirkung
Neues aus der Wolkenforschung
Streit um Archaeopteryx und Co.
Auf der Suche nach dem „Missing Link“ zwischen Dinosauriern und Vögeln
Reise zum Mittelpunkt der Erde
Neues aus dem Inneren unseres Planeten
Der Hund denkt mit
Tiere knacken ein vermeintlich menschliches Privileg
Sieht Deutschland bald alt aus?
Dem demografischen Wandel auf der Spur
Der große Blow-Out
Ölflut im Golf von Mexiko
Leichtbau: Schlankheitskur für Auto und Co.
Neue Verbundstoffe machen Konstruktionen leichter und energiesparender
Überlebenskampf am Kap
Südafrikas Artenvielfalt in Gefahr?
Blutiger Beweis
Wie arbeiten Rechtsmediziner wirklich?
Chimären
Künstliche Mensch-Tier-Mischwesen: Hybris oder Chance?