Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 12.02.2012
Mehr, als nur Holzhäuser bauen
Maßnahmen für eine nachhaltige Stadtentwicklung

Ökologischer Städtebau ist nicht auf den Bau einzelner Holzhäuser beschränkt, sondern bezieht die gesamte Siedlungsstruktur mit ein und muss soziale und schließlich auch ökonomische Faktoren berücksichtigen. Die Handlungsfelder für die Entwicklung einer ökologischen Stadt sind somit vielfältig.

Holzhaus 
Holzhaus
© Andreas Deleske Vauban.de
Das größte Umweltproblem der Stadt stellt der ständig zunehmende Verkehr dar. Mit ihm verbunden ist ein immenser Flächenbedarf und eine hohe Luftverschmutzung. Maßnahmen im Hinblick auf eine nachhaltige Stadtentwicklung wären, nach Ansicht von Experten der Verzicht auf das Auto und die gleichzeitige Attraktivitätssteigerung des Öffentlichen Verkehrs. Die bei einer Verringerung des Verkehrsaufkommens freiwerdenden Flächen können von ihrer Betondecke befreit - entsiegelt - und wieder bepflanzt werden und erhöhen so den Grünflächenanteil in der Stadt. Weitere Umfeldverbesserungen sind durch Dach-, Fassaden- und Hofbegrünung möglich. Die Anlage von Biotopen und Pflanzung standorttypischer Arten schafft ökologisch wertvolle Nischen. Viele neue Stadtentwicklungskonzepte gehen zudem davon aus, dass durch das Aufbrechen der oft deutlichen Trennung zwischen Geschäftsvierteln und den nahezu ausschließlich als Wohngegenden genutzten "Schlafstädten" der Verkehr zusätzlich reduziert werden könnte. Geringe Wege zwischen Wohnen, Arbeiten und Einkaufen ermöglichen es, die Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen.

Ein wichtiger Aspekt einer nachhaltigen Lebensweise ist die Einsparung von Ressourcen wie Fläche, Energie und Wasser. Insbesondere im Energiebereich gibt es sehr weitreichende Entwicklungen. Mit Solar-, Wind- und Abfallenergieanlagen können Häuser schon heute ihren eigenen Energiebedarf decken, teilweise produzieren sie sogar einen Überschuss. Begrünte Fassaden, Wintergärten, Speicherböden und -wände, sowie die Ausnutzung der Sonnenwärme durch große Fensterfronten an der Südseite ermöglichen das Einsparen von Heizwärme. Nicht zu letzt sind hierbei die benutzten Baumaterialien sehr entscheidend. In den letzten Jahren zeigt sich zunehmend, dass traditionelle Baustoffen wie Lehm und Holz teilweise sogar eine bessere Wärmedämmung als viele der modernen Baumaterialien und -techniken ermöglichen. Mit Hilfe von Regenwassernutzung, der erneuten Verwendung von kaum verschmutztem Wasser sowie entsprechend wasserschonender Sanitärtechnik kann auch der Wasserverbrauch reduziert werden.

Ökologischer Städtebau muss bei all diesen Maßnahmen keineswegs teurer sein als konventioneller. Dies hat ein Projekt in Berlin gezeigt. In der Heinrich-Böll-Siedlung in Berlin-Pankow wurden die Kosten für ein Haus mit ökologisch hohen Qualitätsstandards mit einem Berliner Standardhaus verglichen. Auch wenn der Bau zunächst kostenintensiver war, so schlägt der Unterhalt eines Ökohauses deutlich geringer zu Buche und auch ein Abriss in einigen Jahrzehnten fällt billiger aus, da die Baustoffe zu großen Teilen recyclebar sind.

Die ökologisch nachhaltige Stadt ist letztlich ein Gesamtwerk aus vielen einzelnen Maßnahmen, die ineinander greifen. Im Idealfall würden dabei nicht mehr Ressourcen verbraucht, als wieder neu gebildet werden können und nicht mehr Schadstoffe abgegeben als durch Luft, Wasser und Boden gebunden werden können. Von einer solchen Idealstadt ist man jedoch weit entfernt.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Die Stadt der Zukunft
Zwischen Ökologie und technischer Vision
Wird die Stadt zur Region?
Der Abschied von der "traditionellen" Stadt
"Wir treten in ein Jahrtausend der Städte"
Sichern Technologie und Nachhaltigkeit die Zukunft der Stadt?
Kann Stadtentwicklung ökologisch sein?
Städtebau und das Ziel, nachhaltig zu leben
Mehr, als nur Holzhäuser bauen
Maßnahmen für eine nachhaltige Stadtentwicklung
Die autofreie Stadt
Einschränkung der Mobilität oder Wiederbelebung der Stadt?
Die Ökosiedlung Vauban
Sieht so die ökologische Stadt der Zukunft aus?
Autos gehen in die Luft
Wie mit neuer Technik der zunehmende Verkehr bewältigt wird
Die vernetzte Stadt
Über die Allgegenwärtigkeit des Internets und die Folgen für die Stadt
Die überwachte Stadt
Auf dem Weg in eine gläserne Zukunft
Unser Leben im Jahr 2085
Wohnen auf dem Mond und virtuelle Welten
Leben in der Tiefe
Mit "Lightpipes" kommt das Tageslicht in den Untergrund
Dreihunderttausend auf drei Quadratmeilen
Orville Simpson plant die Stadt im Hochhaus
Es geht noch höher
Was Japan für die Zukunft plant
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Lake Wostok
Quallen
Aktuelle Dossiers
Wie eine lebende Haut
Neue Korrosionsschutzschichten sollen Defekte selbstständig heilen
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts