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Montag, 13.02.2012
Für andere aufopfern
Gruppenbildung und Altruismus als Evolutionsvorteil

Schon zum zehnten mal an diesem Tag kehrt die Arbeiterin in den Bienenstock zurück. Sie hat bereits 120 Blüten besucht und bei jedem Flug fünfhundertstel Gramm Nektar transportiert. Und den Ertrag dieser mühseligen Arbeit behält sie nun nicht einmal für sich allein, sondern teilt ihn mit bis zu 70.000 weiteren Mitgliedern des Stocks. Selber schuld?

Ein Warnruf schützt des Rest des Rudels
Noch wilder geht es beim Belding-Ziesel zu, einem kleinen Nager in den westlichen USA. Sobald sich ein Falke nähert, stößt eines der Tiere einen Warnruf aus. Während sich der Rest des Rudels nun in Sicherheit bringen kann, schwebt das Ziesel, das die anderen gewarnt hat, nun in größerer Gefahr, denn es hat den Falken durch den Ruf auf sich aufmerksam gemacht.

Ist das wirklich sinnvoll? Ist das noch Evolution nach Darwin, bei der nur die bestangepassten Individuen überleben? In einer Gemeinschaft hilft man sich. Aber wenn eine Antilope einer anderen das Fell pflegt, verschwendet sie dann nicht in diesem Moment Zeit und Energie, die sie besser für das eigene Überleben aufgewendet hätte? Anders sieht es aus, wenn die zweite Antilope sich nach der Behandlung nun ebenfalls mit einer Säuberung des Fells revanchiert.

Wie du mir so ich dir
Dies ist die einfachste und einleuchtendste Form von Kooperation. Eine hilfreiche Handlung eine erbrachte Leistung wird sofort ausgetauscht - beide Partner haben einen Vorteil. Zwei Antilopen, die sich gegenseitig das Fell pflegen, sind jedoch noch keine Gruppe.

In vielen Rudeln oder Gruppen herrscht Arbeitsteilung. So ging etwa bei den frühen Menschen nur ein Teil des Clans auf die Jagd. Das Erlegen von Großwild war damals durchaus nicht ungefährlich, so war es für die Gruppe von Vorteil, wenn nur einige sich dem Risiko der Jagd aussetzten. Der Nutzen für die Gruppe war also größer, als die Kosten für die Jäger, denn diese hätten sich ja auch ohne die Gruppe in Gefahr begeben müssen. Zudem war die Jagd zu mehreren ungefährlicher und erfolgreicher, als es alleine mit dem Mammut aufzunehmen.

Doch vordergründig geht es in der Evolution um den Fortbestand der eigenen Gene, nicht um die der Artgenossen. Erklärungsansätze, warum die Bildung von Gruppen dennoch Vorteile bringt, liefern der genetisch-verwandtschaftliche und der reziproke Altruismus.

Doch nicht so selbstlos?
Der genetisch-verwandtschaftliche Altruismus liegt dann vor, wenn ein kinderloses Schimpansenweibchen scheinbar selbstlos für den Nachwuchs eines verwandten Weibchens sorgt. Die umhegte "lieben Kleinen" sind zwar nicht die Eigenen, gehören aber immerhin zur Verwandtschaft und tragen somit auch einen gewissen Anteil der Gene. Das Schimpansenweibchen sorgt also durch die Hilfe bei der Aufzucht auch für die Verbreitung der eigenen Gene.

Und das aufopferungsvolle Ziesel? Auch das rettet mit großer Wahrscheinlichkeit die Verwandtschaft. Weibliche Belding-Ziesel siedeln häufig in der Nähe der Familie, die männlichen dagegen ziehen weiter fort. Fast immer sind es auch Weibchen, die den Warnruf ausstoßen.

Beim reziproken Altruismus muss keine Verwandtschaft vorliegen. Nach der Theorie erhält ein Individuum, das einem anderen hilft, zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls Hilfe. Das setzt allerdings voraus, dass die beiden sich wiedertreffen (die Gruppe darf also nicht zu groß sein), wiedererkennen (etwa am individuellen Aussehen oder Geruch) und sich an die erbrachte Hilfe erinnern (eine gewisse Intelligenz wird also vorausgesetzt). Diese Form des Altruismus findet sich vor allem bei Menschen.

Leiht Frau Müller ihrer Nachbarin eine Tasse Zucker, sind alle Voraussetzungen erfüllt. Da die Nachbarin direkt nebenan wohnt, ist die Wahrscheinlichkeit auf ein Wiedersehen groß. Vermutlich wird ihre Nachbarin sie auch wiedererkennen und sich - wenn Frau Müller selber einmal keinen Zucker mehr im Haus hat - entsprechend revanchieren. Was aber, wenn ihre Nachbarin Frau Müller einfach die Tür vor der Nase zuschlägt und keinen Zucker rausrückt? Dann ist Frau Müller getäuscht worden, hat eigene Ressourcen abgegeben und erhält nun keine Gegenleistung.

Diesem Dilemma konnten Wissenschaftler mittlerweile mithilfe von Computersimulationen auf den Grund gehen...

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