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Montag, 13.02.2012
Kollektive Intelligenz
Manager lernen von Ameisen

Die Ameisen-Roboter bei den Experimenten an der Universität Lausanne handelten in der Gruppe sehr komplex - und das obwohl jedes der Individuen nur sehr einfach Befehle ausführte. Auch im wirklichen Ameisenstaat ist das Ganze weit mehr als die Summe seiner Teile. Nicht die einzelne Ameise ist intelligent, aber alle Ameisen eines Staates zusammen ergeben intelligentes Verhalten, sie weisen kollektive Intelligenz auf. Und das alles in Selbstorganisation, ohne dass jedes Tier konkrete Anweisungen erhält.

Roboter-Schwarm auf der EXPO 
Roboter-Schwarm auf der EXPO
© Andreas Fels
Dasselbe Phänomen konnten Besucher auf der EXPO in Hannover besichtigen: Einen Schwarm von 72 Halbkugeln, der scheinbar ein eigenes Leben führte. Die Software für die Roboter wurde vom Fraunhofer Institut entwickelt und beinhaltete lediglich vier einfache Befehle: In Bewegung bleiben, Hindernissen ausweichen, beständig aber langsam bewegen und dem Schwarm folgen.

Aber gibt es diese Schwarm-Intelligenz auch bei uns Menschen? Betrachtet man die Massenmedien, wirkt es eher so, als seien Menschen in der Masse dümmer. Hohe Einschaltquoten und Auflagen lassen sich im allgemeinen nicht mit Niveau sondern mit Trivialität erzielen. Ist hier die Kette also nur so stark wie ihr schwächstes Glied?

Einige Experimente sprechen allerdings dagegen. So präsentierte Loren Carpenter, ein Pionier der Computergrafik, auf einer großen Messe in Las Vegas ein einfaches Spiel, bei dem ein Ball auf dem bildschirm hin- und her geschlagen werden sollte. 5.000 Besucher wurden in zwei Gruppen unterteilt und traten gegeneinander an. Als die Geschwindigkeit des Balls vergrößert wurde, geschah etwas Erstaunliches: die Teilnehmer folgten mühelos dem neuen Tempo, viel besser, als dies ein Einzelspieler vollbracht hätte.

Als die mexikanische Fertigbetonfirma Cemex vermehrt mit Terminproblemen zu kämpfen hatte, brachte ein neuer Ansatz den Erfolg: Die einzelnen Fahrer bekamen mehr Freiheit. Sie bekamen nun keine genauen Anweisungen mehr, sondern lediglich die Aufgabe, die Ware pünktlich zum Kunden zu transportieren. Zusätzlich wurde eine Kommunikation zwischen den Fahrern ermöglicht, so dass diese sich untereinander verständigen konnten, sobald Verzögerungen auftraten. Der Fahrer, der dem Zielort am nächsten war, übernahm daraufhin die Anlieferung. Durch den Wegfall einer übergeordneten Organisation konnten die Verzögerungen bald minimiert werden.

Längst gibt es daher Überlegungen, Firmen von tierischen Schwärmen lernen zu lassen. Da wird ein Unternehmen mit einem Vogelschwarm verglichen, der auch auf längeren Flugstrecken zusammenhält, die Dichte des Schwarms wird so zum Gleichgewicht zwischen zusammenhaltenden und zerstreuenden sozialen Kräften. Und Fischschwärme halten als Vorbild für den Straßenverkehr her: Über einen Sensor soll auf der Autobahn der Abstand zum vorausfahrenden Wagen gemessen werden - und das eigene Fahrzeug wird bei Unterschreitung eines Mindestabstands abgebremst. Ob es dadurch so wenige Verkehrsunfälle geben wird, wie Zusammenstöße im Fischschwarm?

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