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| Superorganismus Bienenstock |
| Bauarbeiter, Wachen und Klimaanlagen |
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 | | Gleich wird die Futterquelle den Artgenossen mitgeteilt © IMSI Masterclips | Ein unruhiges Gewimmel herrscht im Bienenstock, als eine der Sammelbienen von ihrem Ausflug zurückkehrt. Mithilfe des Schwänzeltanzes teilt sie ihren Artgenossen mit, dass sie eine weiter entfernte aber ergiebige Nahrungsquelle gefunden hat. Durch den Geruch und die im Pelz der tanzenden Biene haftenden Pollen lassen sich die anderen überzeugen und suchen den beschriebenen Fundort auf - bis auf wenige Meter genau treffen sie das Ziel.
Der perfekt organisierte Bienenstock funktioniert wie ein einziger Superorganismus. Neben der guten Kommunikation ist eine strikte Arbeitsteilung erforderlich. Im Laufe ihres im Sommer nur 35 Tage währenden Lebens führt jede Arbeiterin verschiedene Jobs aus: Vom Säubern der Brutzellen, über das Betreuen von bis zu 40.000 Maden, Wabenbauerin oder Klimabeauftragte, Wachbiene am Eingang des Stocks bis hin zur nektarsuchenden Sammelbiene.
Fremde müssen draußen bleiben
In diesem geschlossenen anonymen Verband kennen sich nicht die einzelnen Individuen, aber jede Biene erkennt, wer zum Stock gehört und wer nicht. Die Wachbienen am Stockeingang überprüfen jeden Ankömmling. Ein Insekt, das nicht den stockspezifischen Duftstoff trägt, wird nicht hereingelassen. Selbst Bienen der selben Art werden vertrieben, sofern sie nicht die richtigen Duftmoleküle mit sich führen.
Bienen als Klimaanlagen
Natürlich ist es viel Arbeit, den Stock zu verteidigen, die zahlreichen Waben zu bauen und Nektar für die Stockbienen mitzusammeln. Aber die Kooperation lohnt sich: In punkto Klimaregulation etwa kann es keine Einzelbiene mit dem Stock aufnehmen. Sobald die Temperatur über 35°C steigt, fängt das Wachs an zu schmelzen, ab 40°C droht den Bienen der Hitzeschlag. Die Temperatur wird künstlich niedrig gehalten, indem die Waben mit einem Wasserfilm überzogen werden und die Stockbienen mit den Flügeln schlagen, um einen kühlenden Luftstrom zu erzeugen. An kühlen Tagen wird der Stock verschlossen und die Temperatur durch Muskelzittern erhöht.
Das kann auch morgens praktisch sein. Bienen sind auf eine Mindesttemperatur angewiesen, um nach Nektar suchen zu können - unterhalb von 10°C können sie nicht mehr fliegen. Mit einer konstant gehaltenen Stocktemperatur von 35-36°C sind sozial lebende Bienen auch bei geringen Außentemperaturen in der Lage, Blüten aufzusuchen - ein klarer Vorteil gegenüber einzeln lebenden Bienen, die auf die Wärme der Sonne warten müssen. Auch für die Überwinterung ist die Gemeinschaft wichtig: die Winterbienen sammeln sich eng zu der sogenannte Wintertraube zusammen (das spart Wärme) und leben von den in Honig angelegten Vorräten.
Die soziale Strategie ist anscheinend extrem erfolgreich. Allein die Anzahl der Arten aller sozial lebender Insekten übersteigt bei weitem die Artenzahl aller Vögel und Säugetiere zusammen. Insgesamt zwölf mal sind diese hochentwickelten Staaten im Laufe der Evolution unabhängig voneinander entstanden. Ein einziges mal bei den Termiten und elf mal bei den Hymentopteren, den Hautflüglern. Der Grund dafür ist eine ganz spezielle Verwandtschaftsbeziehung...
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Stand 26.06.2002 |
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