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Montag, 13.02.2012
Sklavinnen für die Königin?
Vorteile der Bienen-Strategie

Mühsam befreit sich die Jungkönigin aus der verdeckelten Wabe. Als Made wurde sie im Gegensatz zu den künftigen Arbeiterinnen ausschließlich mit Gelee Royal gefüttert. Durch dieses königliche Spezialfutter, das reich an Vitaminen, hormonähnlichen Verbindungen und Mineralstoffen ist, wird die Königin zehnmal größer als die normalen Arbeitsbienen und etwa 50 mal länger leben. Beim Hochzeitsflug wird sie sich begatten lassen und dann mit diesem Spermienvorrat ein Leben lang Eier legen. Im Sommer durchschnittlich 2.000 Eier in nur 24 Stunden.

Bienenstaat - ein geschlossener anonymer Verband 
Bienenstaat - ein geschlossener anonymer Verband
© IMSI Masterclips
Kein Wunder, dass bei einer solchen Fließbandproduktion keine Zeit für Brutpflege und eigene Nahrungsaufnahme bleibt. Daher ist die Königin ständig von Arbeiterinnen umgeben, die sie mit Gelee Royal füttern. Ein Pheromon, das die Königin produziert, verhindert die Entwicklung der Eierstöcke bei den Arbeiterinnen - sie werden somit nicht geschlechtsreif und können ihre ganze Energie in die Aufzucht der Nachkommen ihrer Königin legen.

Wie konnte sich dieses System in der Evolution durchsetzen? Wäre es nicht viel sinnvoller, wenn die Arbeiterinnen ebenfalls ihre eigenen Kinder aufziehen würden? Schließlich geht es darum, möglichst viele der eigenen Gene zu erhalten. Wieso haben sich soziale Insektenstaaten bei den Hautflüglern elf mal unabhängig voneinander entwickelt, wenn die Arbeiterinnen zurückstecken müssen und ihre Zeit mit der Aufzucht ihrer Geschwister zubringen?

Der Grund dafür ist der haplo-diploide Erbgang. Die männlichen Tiere besitzen nur einen einfachen Chromosomensatz, sie sind also haploid. Die Weibchen dagegen besitzen wie wir Menschen auch einen doppelten Chromosomensatz, sie sind diploid. Alle Nachkommen erhalten also die selben Chromosomen vom Vater, den einfachen Chromosomensatz. Von der Mutter dagegen erhalten nicht alle die selben Chromosomen, denn diese hat ja jedes Chromosom doppelt und kann ihren Kindern entweder Chromosom A oder B vererben.

Alle weiblichen Nachkommen (ebenfalls diploid) haben also mindestens die Hälfte ihrer Chromosomen gemeinsam, nämlich die des Vaters. Die andere Hälfte ihrer Chromosomen, die der Mutter, ist nur zum Teil identisch. Insgesamt haben demnach die Arbeiterinnen 100% der väterlichen Gene gemeinsam und 50% der mütterlichen Gene. Insgesamt also 75% aller Gene.

Durch diese Besonderheit sind die weiblichen Bienen als Schwestern untereinander näher verwandt, als sie es mit ihren eigenen Kindern wären. Die Königin hat jeweils nur 50% aller Gene mit ihren Töchtern gemeinsam. Daher tragen die Arbeiterinnen mit ihrem altruistischen Verhalten gegenüber den Geschwistern dazu bei, dass möglichst viele der eigenen Gene weitergegeben werden.

Normalerweise lässt sich die Königin bei ihrem Hochzeitsflug nicht nur von einer einzigen Drohne begatten, aber bei 2.000 Eiern pro Tag können die Arbeiterinnen sicher sein, dass unter den zu versorgenden Maden genügend Geschwister mit dem selben Vater dabei sind.

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