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Montag, 13.02.2012
Eine Nacktschnecke aus Amöben
Auch Einzeller können sozial sein

Sicher, Primaten leben in sozialen Verbänden, hochentwickelte Insekten auch, aber Einzeller? Es klingt seltsam, aber der zelluläre Schleimpilz Dictyostelium discoideum ist mit seinem ungewöhnlichen Lebenszyklus das beste Beispiel für die Fähigkeiten einzelliger Lebewesen.

Die einzelligen Dictyostelium-Amöben bewegen sich langsam durch den Boden. Auf der Suche nach Bakterien strecken sie ihre Pseudopodien aus und kommen dabei in einer Geschwindigkeit von etwa zehn Mikrometer pro Minute voran. Für einen Millimeter brauchen sie auf diese Weise also mehr als anderthalb Stunden.

Wenn dann die Nahrung knapp wird, ist guter Rat teuer. Selbst wenn es wenige Zentimeter weiter Bakterien en masse gibt, ist diese Entfernung für die Amöben beinahe unüberwindlich. Zumindest für eine Amöbe allein...

In dieser Situation wird ein bestimmter Signalstoff, das zyklische Adenosin-Monophosphat (cAMP) abgegeben. Die Amöben erkennen das Konzentrationsgefälle dieses Signalstoffes im Boden und bewegen sich chemotaktisch in die Richtung, aus der das Signal kommt. So sammeln sich etwa 100.000 Einzeller und bilden ein zwei Millimeter langes Aggregat, das Ähnlichkeit mit einer Nacktschnecke oder einer Wurst hat. Die äußeren Zellen bilden dabei eine feste Hülle, die inneren werden passiv bewegt. Am hinteren Ende verliert die Gemeinschaft einzelne Zellen und hinterlässt eine Schleimspur.

Wenn sich auch auf diese Weise keine neue Nahrungsquelle finden lässt, findet eine weitere Zelldifferenzierung statt. Die vorderen Zellen sterben ab und bilden einen festen Stiel. Die hinteren Zellen klettern an diesem Stiel empor und bilden resistente Dauerstadien, die Sporen. Auf diese Weise wächst ein Schleimpilz, der aus einem Stiel und dem mit Sporen gefüllten Fruchtkörper besteht.

Auf diese Weise können die Sporen leicht so lange überdauern, bis sich die Nahrungsbedingungen verbessert haben. Oder sie benutzen ein vorbeikommendes Tier - etwa einen Regenwurm - als Transportmittel in nahrungsreichere Regionen. Aus den Sporen wird dann jeweils eine Amöbe entlassen, die wieder völlig auf sich allein gestellt im Boden weiterlebt - bis zur nächsten Hungersnot...

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