Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Mittwoch, 16.05.2012
Wenn der Wind weht...
Der Windchill-Faktor

Aus den USA und Kanada importiert, hat sich der so genannte Windchill-Faktor in den letzten Jahren auch bei uns immer mehr zum festen Bestandteil des winterlichen Wetterberichts entwickelt. Er gibt an, wie stark der Wärmeverlust unseres Körpers durch den Wind erhöht ist und gleichzeitig, wie stark wir die Kälte subjektiv empfinden.

Wind verstärkt das Kältegefühl 
Wind verstärkt das Kältegefühl
© IMSI MasterClips
Normalerweise umgibt eine Grenzschicht aus angewärmter Luft den Körper als isolierende Hülle und schützt ihn so zusätzlich vor Auskühlung. Wird sie durch Wind weggeblasen, muss der Körper mehr Energie aufwenden, um die Solltemperatur zu halten. Gleichzeitig verstärkt der Wind auch die kühlende Wirkung der Verdunstung. Als Folge erscheint uns die gleiche Lufttemperatur bei Wind kälter als bei Windstille oder an einem windgeschützten Ort.

Dass dieser Effekt auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten beruht und damit sogar berechenbar ist, fanden die beiden Polarforscher Paul Siple und Charles Passel auf einer Antarktisexpedition im Jahr 1939 heraus. Sie entwickelten eine erste „Windchill-Formel“, indem sie einen kleinen, mit Wasser gefüllten Plastikzylinder bei verschiedenen Temperaturen und Windgeschwindigkeiten vor ihr Zelt stellten und maßen, wie lange das Wasser zum Gefrieren brauchte.

Dummerweise hat ein dick in Wintersachen eingepackter Mensch nur sehr bedingt Ähnlichkeit mit einem kleinen Plastikzylinder. Da die alte Formel im Laufe der Jahre nur sehr wenig modifiziert wurde, war der mit ihr errechnete Windchill immer tendenziell zu stark.

Im Jahr 2001 haben deshalb kanadische und amerikanische Experten einen neuen Index entwickelt, bei dem nicht ein Plastikzylinder, sondern Winterkleidung tragende Freiwillige in einem Windkanal das Maß der Dinge waren. Mithilfe von Sensoren wurde ihr Wärmeverlust bei unterschiedlichen Temperaturen, Feuchtigkeiten und Windgeschwindigkeiten gemessen und als Basis für eine neue Formel genutzt. Im Prinzip ist diesesModell damit nichts anderes als einer Art „amerikanischer Vetter“ des deutschen „Klima-Michel“.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Wetterfühligkeit
Was ist dran am Biowetter?
Wetterleidende Deutsche?
Auftreten von Wetterfühligkeit in Deutschland
Wie wirkt das Wetter?
Die Wetterreaktion unseres Körpers
Die Suche nach Faktor X
Sind Schwerewellen schuld an der Wetterfühligkeit?
Lichtschnell und alles durchdringend...
Spherics als „Faktor X“?
Einer schwitzt und friert für alle
Die gefühlte Temperatur und der „Klima-Michel“
Wenn der Wind weht...
Der Windchill-Faktor
„...und nun zum Biowetter“
Wie entsteht die Medizin-Wettervorhersage?
„Die Jahreszeiten in ihrer Wirkung...“
Die Anfänge der Biometeorologie
Top-Diaschauen
Tiefseegräben
Das Geheimnis der Elemente
Sturmflut in Hamburg
Steinzeit-Astronomie
Roter Orbit
Aktuelle Dossiers
Der unsichtbare Baumeister
Wind als Urheber von Staubstürmen, Singdünen und Felskulpturen
Der virtuelle Patient
"Gesundheit 2050" - Preisgekrönter Beitrag zum Essay-Wettbewerb
Informationsspeicher Gehirn
Den Mechanismen des Lernens auf der Spur
Titanic: Untergang eines Mythos
Spurensuche hundert Jahre nach der Katastrophe
Kräfte zwischen Kern und Kruste
Der Entstehung des Süddatlantik auf der Spur
Lego mit Lebensbausteinen
Was ist synthetische Biologie?
Bestens eingefügt
Anpassung an einen Lebensraum – die Schleiereule als Modelltier
Die zivilen Verwandten der Seekrieger
Ein echter Knochenjob
CeBIT 2012
Neues aus der Welt des digitalen Arbeitens und Lebens
Einzeller auf Hochtouren
Forscher gewinnen Biogas aus Algen