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Selbst wenn die Wissenschaftler tatsächlich noch eine umwelt- und klimaschonende Patentlösung für die marine CO2-Speicherung finden sollten, im Vergleich zur Lagerung des Treibhausgases in geologischen Formationen sind die Meere nur eine Zwischenlösung. „Die Sequestrierung des Kohlendioxids in der Tiefsee ist bestenfalls eine Technik um sich Zeit zu erkaufen“, erklärt Atul Kain, Professor für atmosphärische Wissenschaften an der Universität von Illinois. „Das ins Meer gekippte CO2 bleibt dort nicht für immer. Mit der Zeit wird es zur Oberfläche zurücksickern und in die Atmosphäre abgegeben werden.“
Zwar schätzt das IPCC das globale Speicherpotenzial der Ozeane auf mindestens 400 bis 1.200 Gigatonnen Kohlenstoff, aber wenn dann schon nach 300 Jahren rund ein Fünftel des eingespeisten Kohlendioxids wieder an der Oberfläche erscheint - und das möglicherweise auch noch geballt - könnte sich die Sequestrierung sogar als klimatisches „Eigentor“ erweisen.
 | | Wo bleibt das CO2 im Meer? © IMSI MasterClips | CO2 vermisst...
Wie lange es dauert, bis das ins Meer gepumpte CO2 wieder auftaucht, hängt vor allem vom Ort der Injektion und den Meeresströmungen ab. Wissenschaftler der NASA haben anhand von Ozean-Klimamodellen berechnet, dass besonders der kalte Südpazifik atmosphärisches Kohlendioxid aufsaugen müsste „wie ein Schwamm“. Doch als ein Forscherteam im Jahr 2001 in das Südpolarmeer reiste und dort Wasserproben nahm, fanden sich keinerlei Anzeichen für einen sonderlich hohen CO2-Gehalt des Meeres. Wo also war das Treibhausgas geblieben? Die Lösung brachte auch hier wieder das Computermodell, diesmal ergänzt um die Meeresströmungen.
Huckepack mit der Strömung
Tatsächlich tauchte hier das vermisste CO2 wieder auf: Es war über kalte Tiefenströmungen aus dem äußersten Süden bis in subtropische Ozeangebiete transportiert worden. Gleichzeitig hatte die nach Norden hin absinkende Grenzschicht zwischen warmem und kaltem Wasser das CO2 mit nach unten bis in die tiefsten Meeresschichten gesogen. In den Subtropen bildete es so einen kalten, CO2-reichen Bodensatz, in dem es nach Meinung einiger Klimaexperten bis zu tausend Jahre gefangen bleiben könnte. Andere jedoch, darunter auch die in der Union of concerned Scientists zusammengeschlossenen Wissenschaftler, gehen von weitaus kürzeren Speicherdauern von nur Jahrzehnten bis Jahrhunderten aus.
Auswirkungen noch unbekannt
Sie warnen auch davor solche Aktionen zu starten, ohne zuvor nicht bedeutend mehr Erkenntnisse über das Strömungsverhalten der Tiefsee und die Mechanismen der marinen Kreisläufe zu haben. Tatsächlich ist bislang weder sonderlich viel über das Verhalten des Kohlendioxids in der Tiefsee, noch über die Auswirkungen einer CO2-Injektion auf die Bewohner dieser Meeresgebiete bekannt. Erste Versuche haben jedoch bereits gezeigt, dass die Versauerung des Meerwassers auf bis zu pH 4 für viele marine Organismen tödlich sein kann.
Auch Puffer sind endlich
Und noch ein Problem gibt es: Zwar erscheinen die Ozeane heute vielfach als ein Fass ohne Boden: Scheinbar folgenlos schlucken sie Schadstoffe, Treibhausgase und andere menschliche Absonderungen. Aber auch sie haben ihre Grenzen, wie Klimaforscher Kenneth Caldeira vom Lawrence Livermore Laboratorium der USA erklärt: „Wenn der Ozean mehr und mehr Kohlendioxid absorbiert, verliert er gleichzeitig die Fähigkeit, zusätzliches CO2 aufnehmen zu können, weil sein Wasser saurer wird. Damit werden die Meere als CO2-Senken mit der Zeit immer weniger effizient.“ Fallen jedoch die Weltmeere als CO2-Puffer aus, könnte dies das irdische Klimasystem erst recht aus dem Gleichgewicht bringen.
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