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Zuerst die gute Nachricht: Das Humangenomprojekt (HPG) ist abgeschlossen. Seit April 2003 gilt das menschliche Genom als entschlüsselt. Die schlechte Nachricht: Das Ergebnis ist auf den ersten Blick schlichter Informationsmüll von 3,2 Milliarden aneinandergereihten Buchstaben A, T, C und G. Was fehlt ist die sinngebende Übersetzungsarbeit. Diese wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten durch die Vorantreibung der Proteomforschung, so wird es jedenfalls erhofft, erfolgen.
| |  | Chromosom © IMSI MasterClips | Das Genom - Eine große Herausforderung
Bereits Ende der achtziger Jahre schlossen sich internationale Wissenschaftler zur Humangenomorganisation (HUGO) zusammen. Ihr Projekt: den Gesamttext des menschlichen Erbguts zu entziffern. Ein Gewaltakt. Drei Milliarden Buchstaben, drei Milliarden Dollar, 15 Jahre Arbeit - so lautete die damalige Kalkulation.
Seit 1995 ist auch Deutschland an dem weltweiten Humangenomprojekt beteiligt. Das deutsche Humangenomprojekt (DHPG) wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Dabei ist die Genomforschung nicht nur von herausragendem wissenschaftlichen und medizinischen Interesse, sonder birgt auch ein enormes wirtschaftliches Potenzial für Forschung und Pharmaindustrie.
Konkurrenz belebt das Geschäft
Vor allem durch den seit 1998 ausgeführten Wettstreit mit der privaten Biotech-Firma Celera Genomics des US-Genetikers Craig Venter wurden die Forschungsarbeiten in den letzten Jahren verstärkt vorangetrieben. Die beiden Genomprojekte einigten sich 2001 auf ein Unentschieden und veröffentlichten parallel eine erste "Arbeitsversion" ihrer noch lücken- und fehlerhaften Ergebnisse der Erbinformation in den Zeitschriften Nature und Science.
Schließlich gaben die Forscher des internationalen Humangenomprojekts im April 2003, zwei Jahre früher als geplant, die korrekte Entschlüsselung des menschlichen Genoms in Washington bekannt. Die Forschungsergebnisse stehen jedem im Internet kostenlos zur Verfügung.
| |  | Genbuchstaben © DHGP/Hoch 3 | Trotz aller Erfolge: Einiges bleibt noch immer im Verborgenen. Bei einer Genauigkeit von über 99 Prozent konnten einige Bereiche des Genoms, besonders in der Mitte (Centromer) und an den Enden (Telomer) der Chromosome mit der herkömmlichen Sequenzierungstechnik noch nicht zuverlässig entziffert werden. Die Wissenschaftler sind zudem enttäuscht: Das menschliche Genom besteht "nur" aus rund 30.000 Gene und besitzt damit nur dreimal soviel Erbgut wie die 10.000 Gene der Taufliege Drosophila melanogaster.
Eine Ethikfrage: Gendatenbanken
Durch die Entschlüsselung des Genoms ein Stück näher auf dem Weg zum "gläsernen Menschen", rückt erneut die Diskussion über Gendatenbanken in den Mittelpunkt. Per Gesetz sicherte sich in Island bereits 1998 die private Biotech-Firma deCode genetics für rund 25 Millionen Dollar die Rechte zum Aufbau und Betrieb einer nationalen Gendatenbank. Damit besitzt die Firma medizinische Informationen und die Rechte einer kommerziellen Verwertung zentral gesammelter Krankendaten über jeden einzelnen der knapp 275.000 lebenden, sowie verstorbenen Isländer. Beim molekularem Vergleich des Genpools wurden bereits Gene entdeckt, die mit Alzheimer, Schlaganfall, Osteoarthritis, Schüttellähmung oder Bluthochdruck in Verbindung gebracht werden. Ihre Forschungsergebnissse verkauft die Firma deCode vorwiegend an Arzneimittelhersteller. Nach zwölf Jahren soll die Datenbank in den Besitz des Staates übergehen.
Auch das südpazifische Inselreich Tonga und die Regierung Estlands streben eine nationale Gendatenbank an. Die derzeit größte Datenbank hat Großbritannien, wo bereits mehr als eine Millionen DNA-Profile von Verdächtigen und verurteilten Kriminellen gespeichert sind.
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