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Dienstag, 09.02.2010
Die Telomere
Längere Enden - Längeres Leben

Das Schicksal eines Menschen steht nicht in den Sternen, sondern liegt in den Genen. So scheint es jedenfalls, betrachtet man die Chromosomen. Genauer gesagt bestimmt die Länge der "Kappen" der Chromosomen das genetische und damit auch das biologische Alter einer jeden Körperzelle.

 Alterung
Alterung
© IMSI MasterClips
Diese so genannten Telomere sitzen als scheinbar "sinnlose" Erbinformation an den Enden der Chromosomen. Die hundert bis tausendfache Aneinanderreihung einer kurzen Sequenz (TTAGGG) liegt jedoch schützend vor der eigentlichen Erbinformation. Die Telomere bilden eine Art Pufferzone, welche die Verklebung der Chromosomenenden verhindert und dessen teilweiser Verlust die Funktionsfähigkeit der Gene nicht beeinflusst. Denn bei jeder Zellteilung geht aufgrund eines Replikationsproblems immer ein kurzer Teil an den Enden des Chromosoms verloren.

Ist mit zunehmendem Alter schließlich eine kritische Länge oder vielmehr Kürze der Telomere erreicht, würde bei jeder erneuten Zellteilung möglicherweise auch die genetische Information der Chromosomen geschädigt. Um dies zu verhindern, fällt die Zelle in einen inaktiven Zustand (Seneszenz) und kann ihre Aufgabe nicht mehr korrekt erledigen. Der gesamte Organismus wird störanfälliger für Krankheiten. Schließlich sterben die Zellen. Der Körper geginnt zu altern.

Junge Schale - Alter Kern
Am 11. März 2003 starb das Klonschaf Dolly. In den für ein Schaf noch recht jungen Jahren litt Dolly schon stark an Arthritis im linken Hinterbein. Als neben der eigentlich typischen Alterserkrankung eine Lungeninfektion hinzukam, mußte das Klonschaf eingeschläfert werden.

Welche Gründe gab es für diesen vorzeitigen Alterungsprozess? Bereits 1999 hatten Forscher festgestellt, dass Dollys Telomere viel kürzer waren als bei gleichaltrigen, nicht geklonten Schafen. Dollys Erbgut war viel älter als ihr eigentliches, biologisches Alter. Die Erklärung: Das Schaf wurde aus einer vollständig ausdifferenzierten Körperzelle eines erwachsenen Schafs geklont. Schon bei der Geburt war Dolly mit einer "Altlast", der kürzeren Telomeren seiner Mutter, ausgestattet.

Manche Forscher vermuten, dass Klonen auch beim Menschen zu vorzeitiger Alterung führen kann. Inwiefern aus Klon-Tieren stammende, transplantierte Organe, den menschlichen Körper frühzeitig altern lassen könnten, bleibt zur Zeit jedoch noch wissenschaftliche Spekulation.

Altern ohne Grenzen?
Doch auch die Frage wie man den natürlichen Alterungsprozess aufhalten kann, beschäftigt heute die Forscher weltweit. Mittlerweile haben sie einige Indizien gefunden, wie man dem Traum vom ewigen Leben in Zukunft auf die Spur kommen könnte.
So ist bekannt, dass ein Abbau der Telomer-Enden durch die wiederaufbauende Aktivität der Telomerase ausgeglichen werden kann, wie es bei Stammzellen und Zellen der Keimbahn der Fall ist. Körperzellen wären folglich unsterblich und können sich unendlich lange teilen. Doch in ausdifferenzierten Körperzellen eines Erwachsenen ist dieses Enzym nicht mehr aktiv. Der Mensch beginnt zu altern. Unaufhaltsam? Könnten Telomerase-Injektionen die Lebenserwartung verlängern? Und kann in Zukunft die potenzielle Lebensdauer eines Menschen an der Länge der Telomere vorhergesagt werden? Dies sind Fragen, die zukünftige Generationen von Forschern und Ethikern beschäftigen werden.

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