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Sonntag, 12.02.2012
Rette sich wer kann...
Flucht vor dem Wirbelsturm und das große Aufräumen danach

Gegen die Naturgewalten eines Hurrikans gibt es so gut wie keine Maßnahmen. Der Schutz und die Evakuierung der Menschen ist deshalb meist die einzige Chance, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Entscheidend dafür ist vor allem eine präzise Vorhersage.
Dank Satellitendaten und Computermodellen haben die Regionen, die in der wahrscheinlichen "Einflugschneise" des Hurrikans liegen, heute etwa drei Tage Vorwarnzeit vor seinem Eintreffen. Sobald die Meteorologen mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent vorhersagen können, dass ein Hurrikan in den nächsten 36 Stunden eine bestimmte Region erreicht, erfolgt die Warnung der Bevölkerung.

Evakuierung vor einem Hurrikan 
Evakuierung vor einem Hurrikan
© FEMA/ Dave Gatley
Ab jetzt läuft die Zeit. Eine funktionierende Katastrophenplanung ist jetzt entscheidend dafür, ob die Bevölkerung geordnet und schnell die gefährdeten Regionen verlassen kann oder ob die Evakuierung in ein Chaos ausartet. Da bei einem Hurrikan vor allem Küstenregionen von Überflutungen bedroht sind, existieren für die meisten gefährdeten Gebiete entsprechende Evakuierungspläne. Sie geben die besten Routen landeinwärts an, beinhalten meist aber auch detaillierte Anweisungen darüber, wann welche Gebiete evakuiert werden sollen. Die Schutz- und Evakuierungsmaßnahmen laufen in vollem Umfang an, sobald die offizielle Hurrikanwarnung herausgegeben wird.

Gehen oder bleiben
Es kostet eine Million US-Dollar, einen Küstenstreifen von anderthalb Kilometern vorsorglich zu evakuieren. Die Kosten einer missachteten Warnung können dahingegen ins Unermessliche steigen und sogar Menschenleben kosten. Im Kontrollzentrum herrscht deshalb ständige Anspannung: Hat man die Computermodelle korrekt interpretiert und richtige Entscheidungen getroffen? Sollte man noch weitere Landstriche evakuieren? Miles Lawrence vom Kontrollzentrum sagt dazu: "Mein Alptraum sieht so aus: Wir evakuieren die Menschen. Sie stecken im Stau, und der Hurrikan überrollt sie dort. Ich stelle mir das mit Entsetzen vor. Dann sterben mehr Menschen in ihren Autos auf den verstopften Straßen. Und wir haben sie dorthin geschickt."

Im Fall von Hurrikan Andrew (1992) wurden in Florida, Texas und Louisiana insgesamt rund 2,7 Millionen Menschen evakuiert. Doch nicht die ganze betroffene Bevölkerung kam den Aufrufen nach. Viele zogen es vor, ihr Hab und Gut zu verteidigen, indem sie Fenster und Türen vernagelten oder zuklebten und in ihren Häusern ausharrten. Sie hatten offensichtlich mehr Angst vor Plünderungen als vor dem Sturm...

Nach dem Hurrikan...
 Evakuierungsrouten
Evakuierungsrouten
© MMCD
Ist der Hurrikan über das Land hinweg gezogen, ist die Katastrophe noch längst nicht vorbei, im Gegenteil: Für die Angehörigen des Katastrophenmanagements beginnt jetzt einer der schwierigsten Teile ihrer Arbeit: Sie müssen möglichst schnell dafür sorgen, dass einerseits die Schäden erfasst und behoben und Verletzte versorgt werden, aber auch verhindern, dass die leer und unbewacht daliegenden Geschäfte und Häuser geplündert werden.

Unmittelbar nach dem Durchzug von Hurrikan Andrew (24. August 1992), der katastrophale Schäden hinterließ, beorderte der damalige Gouverneur von Florida, die Nationalgarde nach Coconut Grove und Homestead. Hier war es bereits zu ersten Plünderungen gekommen. Mitglieder der Nationalgarde und des Militärs halfen der Bevölkerung außerdem beim Aufsammeln der herumliegenden Trümmer. Mobile Küchen, 400.000 fertige Mahlzeiten, Unmengen von Wasserflaschen und -tanks trafen in der betroffenen Region ein. Kranke und Verletzte wurden von den staatlichen Truppen versorgt und in großen Zeltstädten und Feldspitalen untergebracht. 7.000 Personen der Nationalgarde und 22.000 Angehörige des US-Militärs waren insgesamt an den ungefähr drei Monate dauernden Aufräumarbeiten beteiligt.

Aus Schaden wird man klug
Man hat Einiges gelernt aus Hurrikan Andrew, denn nicht alles verlief so, wie es sein sollte. Die Hilfsmaßnahmen waren zum Teil chaotisch, da es immer wieder zu unklaren Zuständigkeiten und bürokratischen Hürden kam. Eine Neuerung nach Andrew war ein staatliches Programm, das bei der Verbesserung der Bauweise in gefährdeten Gebieten helfen soll. Denn es hatte sich herausgestellt, dass 80 Prozent der Schäden durch solidere Bauweise der Häuser hätte verhindert werden können. In Florida wurden deshalb unter anderem einige Änderungen an den Bauvorschriften vorgenommen.

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