Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 12.02.2012
Von Kaventsmännern, Drei Schwestern und Weißen Wänden
Steckbriefe für Riesenwellen

Wie häufig Riesenwellen sind, ist mittlerweile relativ gut bekannt. Wann jedoch verdient eine Welle aus wissenschaftlicher Sicht das Prädikat Freak Wave? Als Maßeinheit dient für die Forscher die sogenannte "signifikante Wellenhöhe". Dies ist ein Durchschnittswert, der aus dem arithmetischen Mittel der 33 höchsten von 100 aufeinanderfolgenden Wellen gebildet wird. Die Meereskundler sprechen immer dann von einer Freak Wave, wenn dieser Wert von einer Welle um das Doppelte übertroffen wird.

Seenot durch Riesenwelle 
Seenot durch Riesenwelle
© NOAA
Doch Riesenwelle ist nicht gleich Riesenwelle. Auch wenn die Auswirkungen von Freak Waves auf die betroffenen Schiffe oder Offshore-Anlagen fast immer verheerend sind, haben Wissenschaftler vom GKSS Forschungszentrum Geesthacht anhand von Augenzeugenberichten mittlerweile drei verschiedene "Steckbriefe" für solche Riesenwellen erstellt.

Die sogenannten Kaventsmänner beispielsweise sind gewaltige, Einzelwellen mit unterschiedlicher Form, die die normale Wellenhöhe bis zum Vielfachen übertreffen. Ein solcher Kaventsmann mit der Höhe eines zehnstöckigen Hauses wäre nicht nur der MS "Bremen" im Südatlantik beinahe zum Verhängnis geworden, auch in der Ostsee können solche Riesenwellen vorkommen.

Die Drei Schwestern oder Three Sisters dagegen bestehen gleich aus drei kurz aufeinander folgenden Wellen, die die normalen Wogenhöhen deutlich übertreffen. So eine Gruppe von Riesenwellen überrollte vermutlich am 11 September 1995 die "Queen Elizabeth II" auf ihrem Weg von Europa nach New York und spülte dabei große Teile der Decksaufbauten über Bord.

 White Wall
White Wall
© NOAA
White Wall oder "Weiße Wände" schließlich sind extrem steile, fast senkrechte Einzelwellen, die eine Breite von bis zu zehn Kilometern oder mehr haben. Diesem Riesenwellentyp sah sich beispielsweise vor einiger Zeit dieser Frachter im Golf von Biskaya gegenüber, wo häufiger solche tödlichen Wasserwände auftreten können.

Die einzelnen Riesenwellen haben dennoch laut mathematischen Kalkulationen von Marius Gerber von der Stellenbosch University meist eine ungewöhnliche, charakteristische Form. Der steile, außerordentliche hohe Wellenkamm mit einer "scharfen" Kante an der Spitze folgt dabei einem tiefen runden Wellental. Diese theoretischen Berechnungen stimmen gut mit Augenzeugenberichten von Freak Waves überein. Kapitäne, Matrosen oder Passagiere die schon einmal eine Riesenwelle miterlebt haben zeigten sich seit jeher vor allem von dem ungewöhnlich tiefen Wellental beeindruckt und beschrieben es als "Hole in the sea" - Loch im Meer.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Riesenwellen
Aufruhr in Poseidons Reich
Giganten der Meere
Rätselhafte Riesenwellen
Tsunamis, Gezeitenwellen und Freak Waves
Wände aus Wasser
Vom Jahrhundertereignis zur Routine auf See
Wie häufig sind Riesenwellen?
Von Kaventsmännern, Drei Schwestern und Weißen Wänden
Steckbriefe für Riesenwellen
Im Huckepack-Verfahren zum Monster?
Ursachen für Riesenwellen
Wehe, wenn die Welle zuschlägt...
Welche Folgen haben Freak Waves?
Den Rätseln der Riesenwellen auf der Spur...
Forschungsprojekt "MaxWave"
Monsterwellen aus der Retorte
Die Zentren der Riesenwellen-Forschung
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links und Literatur
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Lake Wostok
Quallen
Aktuelle Dossiers
Wie eine lebende Haut
Neue Korrosionsschutzschichten sollen Defekte selbstständig heilen
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts