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Montag, 13.02.2012
Von Lidschatten und Herdplatten
Hightech-Glas erobert den Alltag

Glas im Körper und Glas auf der Haut, so sehen Mediziner und Kosmetikkonzerne die Zukunft des Materials. Und Glas eignet sich erstaunlich gut, um die hohen Erwartungen zu erfüllen. Bioaktives Glas besteht aus Silizium, Kalzium, Natrium und Phosphor und enthält damit ausschließlich Elemente, die auch zu den körpereigenen Stoffen im Organismus des Menschen zählen. Dies ist vermutlich auch der Grund, weshalb es vom Körper nicht abgestoßen wird. Denn sowohl mit Knochen als auch mit weichem Gewebe geht es eine bessere Verbindung als Titan oder Kunststoff.

Glas als Knochenersatzstoff
 Glaspulver
Glaspulver
© Schott AG
Zu Pulver zermahlenes bioaktives Glas wird bereits seit einigen Jahren vor allem in der Kieferorthopädie als Knochenersatzstoff verwendet. Es hilft dabei, geschwächte Kieferknochen wieder aufzubauen und für Zahnimplantate vorzubereiten. Weil das Glaspulver in seiner Zusammensetzung auch antimikrobiell und entzündungshemmend wirkt, ist es sogar für die Wundpflege geeignet.

Lidschatten aus Glas
Interesse bekundet seit neuestem auch die Kosmetikindustrie. Sie sieht in dem Glaspulver eine hautverträgliche Basis für Kosmetika aller Art. Lidschatten, Lippenstift, Puder, Rouge, Nagellack, Haarbalsam – all diese Produkte könnten in Zukunft noch „sicherer“ für Schönheit sorgen und das Altern verhindern, als bisher. Die Körnchen im Glaspulver sind fünfmal kleiner als Zuckerkristalle und deshalb für die Haut völlig ungefährlich. Da das Glas in dieser Form auch auf der Haut lebende Bakterien abtötet, könnten daraus sogar schonende Deodorants entstehen.

Sandwich macht Glas bruchsicher
Wer sich schon immer gefragt hat, wie bruchsicheres Glas funktioniert – hier kommt der Trick: Sicherheitsgläser, die gegen Bruch, Schüsse oder Splittern schützen sollen, bestehen meist aus wenigstens zwei separaten Glasscheiben, die durch dazwischen gelegte reißfeste Folie miteinander verklebt sind. Zwei Glasplatten brechen schließlich nicht so leicht wie eine. Diese Sandwich-Technik ist mittlerweile so effektiv, dass man dadurch oft auf teure Spezialgläser, bei denen schon die Grundmasse aus vielen verschiedenen Komponenten besteht, verzichten kann.

Jenaer Glas
 Teekanne aus Jenaer Glas
Teekanne aus Jenaer Glas
© Schott AG
Bestimmte Zutaten, die der Schmelze aus Quarzsand beigemischt werden, machen Glas temperaturbeständig. Jenaer Glas zum Beispiel, fachlich korrekt Borosilikatglas genannt, bleibt durch eine Bor-Tonerde-Mischung thermisch stabil und hält selbst abrupte Temperaturwechsel zwischen kaltem Spülwasser und heißem Tee aus, ohne zu zerbersten. Außer im Haushalt kommt das Jenaer Glas deshalb auch in der Photovoltaik oder in Teleskopen zum Einsatz.

Glaskeramik
Viel höhere Temperaturdifferenzen tolerieren Glaskeramiken. In diesem Fall werden der Glasschmelze bei einer bestimmten Temperatur Zusatzstoffe untergemengt, die für eine Kristallisation im noch heißen Glas sorgen. Die winzigen Partikel des zugesetzten Pulvers dienen als Kristallkeime, so dass sich in der amorphen Glasmatrix ein Kristallgitter ausbildet. Der Kristallanteil kann dabei bei bis zu 90 Prozent liegen.

Ceran: Kochfeld aus Glaskeramik 
Ceran: Kochfeld aus Glaskeramik
© Schott AG
Der Clou dieses Verfahrens. Einige der winzigen Kristallite dehnen sich bei Wärme nicht aus, sondern sie schrumpfen und gleichen so die Volumenzunahme des Glasanteils aus. Bestimmte Stoffzugaben und ein geschicktes Mischungsverhältnis führen deshalb dazu, dass die ausgehärtete Glaskeramik plötzliche Temperatursprünge von bis zu 800 Grad Celsius absolut unbeschadet übersteht. Ceran-Kochfelder sind ein Beispiel dafür.

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