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Mittwoch, 16.05.2012
Der Modellfall
HPV und Gebärmutterhalskrebs

Er ist klein, kugelförmig und kann jeden treffen: Das Humane Papillomavirus (HPV). Mehr als 20 Millionen Menschen weltweit sind heute mit diesem DNA-Virus infiziert. Über die Hälfte aller Männer und Frauen fangen sich irgendwann im Laufe ihres Lebens den sexuell übertragbaren Erreger ein.

Humanes Papillomavirus (HPV) 
Humanes Papillomavirus (HPV)
© NCI
Wer befallen ist, merkt in der Regel kaum etwas davon. Das Virus überdauert in der Haut und den Schleimhäuten ohne Symptome zu erzeugen, nur in einigen Fällen entstehen gutartige Warzen. Doch HPV ist nicht nur weit verbreitet, es ist auch vielgestaltig: Mehr als 130 Varianten des Virus sind inzwischen identifiziert. Und 18 davon haben es in sich: Denn sie gelten als Hochrisikotypen und potenziell krebserzeugend. 1983 entdeckt, ist dieser Zusammenhang zwischen einem Virus und Krebs heute einer der best untersuchten und nachgewiesenen überhaupt. Die Virologin Maura Gillison von der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore schätzt, dass mindestens 600.000 Krebsfälle weltweit durch HPV verursacht werden, andere gehen sogar von zwölf bis 15 Prozent aller Tumorerkrankungen aus.

Zwei Proteine als Zellpiraten
Dafür verantwortlich sind insbesondere zwei Virustypen: HPV 16 und 18. Sie finden sich in mehr als 90 Prozent aller Tumoren an Schleimhäuten des Hals- und Kopfbereichs und in 99 Prozent aller Gebärmutterhalskrebse. Normalerweise gelingt es dem menschlichen Immunsystem, eine HPV-Infektion innerhalb von acht bis zehn Monaten zu besiegen. Doch kommen Risikofaktoren wie beispielsweise Rauchen, eine Immunschwäche oder eben ein besonders aggressiver Virusstamm dazu, nimmt die Entwicklung einen anderen Verlauf:

Die befallenen Zellen beginnen damit, zwei virale Proteine zu produzieren, E6 und E7. E6 bindet sich an ein bestimmtes Zellprotein und bringt es dazu, das Tumorsuppressor-Gen P53 zu markieren und so dessen Zerstörung einzuleiten. Damit fehlt der Zelle eine der wichtigsten Kontrollinstanzen gegen Mutationen und bösartige Veränderungen. Das zweite Virenprotein, E7, „entert“ ein weiteres zelleigenes Protein, das an wichtigen Steuerungsprozessen beteiligt ist und verurteilt es dadurch ebenfalls zum Tode. Die Folge: Es werden Transkriptionsfaktoren freigesetzt, die die Zellteilung vorantreiben. Mithilfe von nur zwei Proteinen greift das Virus so in fundamentale Stoffwechsel- und Entwicklungsprozesse der Zelle ein und nimmt ihr wichtige Abwehrmöglichkeiten gegen Mutationen.

Dieser Mechanismus ist aber bei weitem nicht der einzige, der bei der Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs durch HPV eine Rolle spielt. Im Gegenteil: „Fast jede Woche werden neue Mechanismen beschrieben“, erklärt Gillison. „Aber diese beiden sind die einschneidensten und wichtigsten.“

Das dreckige Dutzend
Doch gerade die Vielzahl und Komplexität der beteiligten Prozesse und Regulationsmechanismen stellt die Forscher bei der Suche nach weiteren tumorinduzierenden Viren vor große Probleme. Unter anderem deshalb sind bis heute nur wenig mehr als ein Dutzend Virus-Krebs-Verbindungen beim Menschen eindeutig belegt.

Neben HTLV-1 und HPV etabliert sind unter anderem das Humane Herpesvirus-8 (HHV-8) als Auslöser für das Karposi-Sarkom, der Epstein-Barr-Virus (EBV) bei Nasenrachenkrebs und Hodgkins-Lymphom und die Hepatitisviren B und C für Leberkrebs. Auf der Verdachtsliste stehen zurzeit noch das Polyomavirus, Hepatitis C bei Non-Hodgkins-Lymphom und ein noch unidentifizierter Erreger für eine Form der kindlichen Leukämie. Die Zahl der „überführten“ Krebsviren wächst…

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