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Samstag, 04.02.2012
Auch Vögel können schlau sein
Selbsterkennen und vorausschauendes Handeln

Sind Hühner dumm? 
Sind Hühner dumm?
© IMSI MasterClips
Dummes Huhn, blöde Gans oder diebische Elster – die Attribute mit denen man Vögel seit Jahrhunderten im Volksmund belegt, sind meist wenig schmeichelhaft. Auch Wissenschaftler zweifelten lange an den Fähigkeiten von Vögeln, weil sie entdeckten, dass dem Vogelhirn die Großhirnrinde, der cerebrale Cortex, nahezu komplett fehlt.

Geht es nach dem Willen der modernen Kognitionsforscher, könnte sich das schon bald ändern. Bei Krähen, Kranichen, Blaumeisen, aber gerade auch bei Elstern haben die Wissenschaftler Merkmale von Intelligenz gefunden, die man früher allenfalls Säugetieren wie Affen oder Delfinen zugetraut hatte.

Lebenskünstler Elster
 Elster
Elster
© U.S. Fish and Wildlife Service
Während viele Vogelarten in Deutschland immer seltener werden oder sogar auszusterben drohen, ist die Situation bei Elstern ganz anders. Egal ob auf dem Land oder in der Stadt – die Tiere mit dem auffälligen schwarzweißen Gefieder haben fast überall Nischen gefunden, um zu überleben und sich rege zu vermehren.

Wissenschaftler der Ruhruni Bochum um Onur Güntürkün und Helmut Prior wollten nun wissen, ob Elstern nicht nur anpassungsfähig und neugierig sind, sondern auch intelligent. Um diesem Rätsel auf die Spur zu kommen, haben die Biopsychologen im Jahr 2000 an acht selbst aufgezogenen Elstern Experimente mit Spiegeln durchgeführt.

Zunächst konfrontierten sie die Tiere ganz einfach nur mit dem Spiegel und beobachteten dann ihr Verhalten beim Betrachten des Ebenbildes. Anders als viele andere Vögel sahen die Elstern darin offenbar keinen Feind oder Artgenossen, denn sie griffen ihr „Gegenüber“ nicht an und versuchten auch nicht beispielsweise durch Zwitschern Kontakt aufzunehmen. Stattdessen untersuchten sie ihr Spiegelbild emsig, gingen vor dem geschliffenen Glas hin und her und präsentierten dabei die unterschiedlichsten Gegenständen im Schnabel.

Elster erkennen sich im Spiegel
Um herauszufinden, ob sich die Vögel im Spiegel tatsächlich selbst erkennen – die Indizien sprachen eindeutig dafür – markierten die Wissenschaftler die Elstern in den folgenden Versuchen mal mit einem roten, mal mit einem schwarzen und daher unsichtbaren Fleck an der Kehle. Anschließend setzten sie die Tiere dann wieder in den Käfig vor dem Spiegel und beobachteten das Verhalten der Elstern.

Das Ergebnis der Markierungstests überraschte die Forscher nicht unbedingt: Immer dann, wenn eine Elster in ihrem Spiegelbild ein rotes Mal an „ihrem“ Körper entdeckte, suchte sie danach umgehend am eigenen Körper nach diesem gefärbten Punkt.

Die Wissenschaftler kamen daher im Wissenschaftsmagazin Rubin der Ruhruni Bochum zu dem Schluss: „Es bleibt aber festzustellen, dass Elstern vor dem Spiegel ähnlich reagierten wie Schimpansen und Orang Utans in vergleichbaren Tests, die bei diesen Menschenafffen als Hinweis auf Selbsterkennen interpretiert wurden. Bisher ging man davon aus, dass solches Verhalten Arten, die mit dem Menschen eng verwandt sind, vorbehalten ist. Wie die Elstern zeigen, hat es sich offenbar auch außerhalb der Primaten entwickelt.“

Autos als Nussknacker
 Krähe
Krähe
© U.S. Fish and Wildlife Service
Vögel zeigen nicht nur beim Selbsterkennen vor dem Spiegel eindeutige Zeichen von Intelligenz, manche der späten Nachkommen des Urvogels Archaeopteryx haben auch bei der Nahrungssuche erstaunlich kluge Strategien entwickelt.

So beobachteten beispielsweise Verhaltensforscher in Japan wie clever die dortigen Krähen harte Nüsse knacken. Die Vorgehensweise war zunächst eigentlich relativ simpel: Die Krähen flogen mit den Leckerbissen hoch in die Luft und warfen sie dann einfach auf den Boden. Doch nicht immer war dies von Erfolg gekrönt. Manche der begehrten Nüsse waren auf diese Weise einfach nicht zu knacken. Daraufhin modifizieren die Krähen ihre Taktik geringfügig. Statt auf den normalen Boden, ließen sie die Nüsse gezielt auf Straßen fallen in der Hoffnung, dass die Autos die harte Schale schon klein kriegen würden.

Experiment gelungen, doch dafür hatten die Krähen jetzt ein anderes Problem: Wie sollten sie im dichten Autoverkehr ohne selbst Überfahren zu werden an die begehrten Kerne kommen? Doch auch für dieses Dilemma fanden einige der klugen Tiere schon bald eine Lösung. Sie warfen ihre Nüsse nur noch über Zebrastreifen ab und machten sich dann über den begehrten Inhalt her, wenn die Autofahrer wegen anderen Verkehrsteilnehmern anhalten mussten. Für die Wissenschaftler ist diese einfache aber äußerst effektive und pfiffige Vorgehensweise ein eindeutiges Indiz für vorausschauendes und planendes Verhalten und damit für Umweltintelligenz.

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