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Sonntag, 12.02.2012
"Rindfleisch - nein danke!"
BSE und die Folgen

26. November 2000: Eine Nachricht hallt wie ein Weckruf durch das "Agrarwunderland" Deutschland - die Bundesrepublik ist nicht mehr BSE-frei! Zum ersten Mal wurde damals bei einer in Deutschland geborenen und gehaltenen Kuh die Rinderseuche festgestellt. Das Tier von einem Bauernhof in Hörsten bei Rendsburg (Schleswig-Holstein) war nach der Schlachtung bei einem freiwilligen BSE-Schnelltest aufgefallen.

Seitdem ist viel passiert. BSE gehört zum Alltag in der Landwirtschaft. Neun Monate nach Auftreten des ersten Falls von Rinderwahnsinn ist die Zahl der bestätigten BSE-Fälle auf über 100 angestiegen - 49 davon allein in Bayern - und Wissenschaftler rechnen in Deutschland mit mehreren Hundert Toten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten durch die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung.

Schweine 
Schweine
© ARS / USDA
"Rindfleisch - nein Danke!" so lautete die Reaktion der Verbraucher auf diesen Skandal aus der Landwirtschaft. Der Markt für Rindfleisch geriet ins Trudeln und brach schließlich völlig zusammen. Und wenn doch noch Rindfleisch gekauft wurde, dann aber bitte aus dem "Bio-Laden". Zwar schützte auch das Label "Bio" nicht vor BSE, aber der Verbraucher hatte zumindest die Hoffnung, Lebensmittel zu kaufen, die artgerecht und gesund erzeugt worden waren. Die Hof- und Bioläden boomten und konnten den Bedarf an Fleisch lange Zeit gar nicht mehr decken. Für die, die sich die gesalzenen Preise nicht leisten konnten oder wollten, war aber Schweinefleisch kurzfristig das Maß aller Dinge.

Doch die "Rettung" für diese Verbraucher sollte nicht lange währen. Ein gigantischer Schweinemast-Skandal erschütterte die Republik. Forscher fanden in vielen Ställen unerlaubte Antibiotika im Tierfutter - verabreicht von hemmungslosen Landwirten, besorgt von Schiebern über den internationalen Schwarzmarkt. Bei regelmäßigem Genuss des Fleisches - so warnten Wissenschaftler sofort - drohten Antibiotika-Resistenzen und als Folge womöglich zahllose Todesfälle. Guten Appetit!

Ihr "tägliches Stück Fleisch" gewohnt, suchten viele Verbraucher nach Alternativen zu Rind- und Schweinefleisch. An den Markständen und an den Fleischtheken bildeten sich lange Schlangen bei Putenfleisch oder Fisch. Eine trügerische Alternative. Auch die Großmästereien für Truthähne sind häufig wahrlich kein El Dorado für Fleischdelikatessen.

So hat Greenpeace in letzter Zeit immer mehr überfüllte Putenmastanlagen entdeckt, in denen unter massivem Einsatz von Antibiotika Puten für Produkte von Nahrungsmittel-Konzernen wie Unilever unter skandalösen Umständen gemästet werden. Zuletzt fanden die Umwelt- und Naturschützer noch Mitte August 2001 einen Putenstall mit besonders vielen verwahrlosten Tieren in Wieglitz in Sachsen-Anhalt...

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