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Sonntag, 12.02.2012
Die Agrarwende
Ökolandbau als Retter in der Not

Aber die Katastrophenserie für die Landwirtschaft war noch immer nicht zu Ende. Anfang des Jahres 2001 brach in Großbritannien wieder einmal die Maul- und Klauenseuche aus. Wie ein verheerender Flächenbrand breitete sich die Erkrankung auf der Insel aus und schwappte schließlich wegen des grenzenlosen Tierhandels auch auf das europäische Festland über.

In Holland und Frankreich waren zahllose Betriebe von der Seuche betroffen und es mussten - wie in Großbritannien - Zehntausende von Tieren getötet und verbrannt werden, um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Doch dieses Mal blieb Deutschland von der Katastrophe verschont. Zwar gab es auch hier einige Verdachtsfälle, die sich aber bei fieberhaften genaueren Untersuchungen nicht bestätigten. Wie durch ein Wunder schaffte die Maul- und Klauenseuche den Sprung über die Grenze in das Bundesgebiet nicht.

Agrarbetrieb 
Agrarbetrieb
© ARS / USDA
Das Vertrauen des Verbrauchers in die Lebensmittelsicherheit in Deutschland war aber endgültig nachhaltig erschüttert. Noch stärkerer Kaufverzicht, sinkende Preise für Fleisch und Fleischprodukte und ein starkes Mißtrauen gegenüber landwirtschaftlichen Erzeugnissen allgemein waren die Folge. Viele der zum Teil ohnehin schon am Existenzminimum wirtschaftenden Agrarbetriebe in Deutschland standen plötzlich vor dem Ruin oder gingen Pleite. Betroffen davon sind leider auch viele der kleineren Landwirte, die mit solchen Methoden häufig nur wenig oder nichts zu tun haben - Mitgefangen, mitgehangen...

Nachdem Politiker aller Parteien und Landwirtschaftsfunktionäre die Krise der modernen, industriell-anmutenden Landwirtschaft jahrelang verharmlost oder verschlafen hatten, begann nun die fierberhafte Suche nach Lösungen. "Ökolandbau" war schließlich das Zauberwort, mit dem die Landwirtschaft in Deutschland wieder in eine goldene Zukunft geführt werden soll. Jahrelang eher belächelt und mit dem Prädikat "Freaks, freilaufende Hühner und Soja-Frikadellen" versehen, war diese alternative Form der Landwirtschaft in der Politik plötzlich in aller Munde.

Verbraucherschutzministerin Künast verkündete im Rahmen der so genannten Agrarwende vollmundig, in Deutschland gebe es einen sich dynamisch entwickelnden Markt für Ökoprodukte, der nach ihrer Einschätzung in zehn Jahren einen Anteil von bis zu zwanzig Prozent erobern könne. Deshalb - so die Ministerin weiter - solle in der Zukunft eine neue Landwirtschaft entstehen, die "auf Schutz von Natur und Umwelt, auf Klasse statt Masse, auf artgerechte Tierhaltung statt Tierquälerei" Wert legt.

Beim Verbraucher hingegen weckte der Begriff "ökologischer Anbau" die Sehnsucht nach den längst vergessenen traditionellen Bauernhöfen mit dem Hahn auf dem Mist, bei denen das Vieh noch täglich auf die Weide getrieben wird und nicht auf Gitterböden oder in Käfigen zusammengepfercht dahin vegetiert. Wo Getreide und andere Feldfrüchte wachsen ohne großen Kunstdüngereinsatz oder Pestizide.

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