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Sonntag, 12.02.2012
Westlichster Zipfel der EU
Azoren - Autonom aber doch portugiesisch

New York, Lissabon, Madrid, Ankara, Peking oder Baku - dies sind nicht etwa die Kandidaten für die Olympischen Spiele 2012 oder die überübernächste Fußballweltmeisterschaft, sondern die "Nachbarn" der Azoren-Inseln auf oder nahe dem 40. Breitengrad der Nordhalbkugel.

Pico 
Pico
© Gunter Gerhardt
Neun bewohnte Inseln liegen hier weit verstreut im Atlantik zwischen 25 und 31° westlicher Länge. Santa Maria und Sao Miguel, die größte Insel des Archipels, bilden im Osten die "grupo oriental", Terceira, Sao Jorge, Graciosa, Pico und Faial in der Mitte die "grupo central" und Flores und Corvo im Westen die "grupo occidental".

Die Distanzen innerhalb des Archipels sind riesig. Weit über 500 Kilometer Luftlinie befinden sich zwischen den Außenposten Flores und Santa Maria. Alle Inseln zusammen verfügen über 233.000 Quadratkilometer Landfläche und sind damit in etwa so groß wie Luxemburg. Trotz der 1976 verliehenen weitgehenden Autonomie, gehören die knapp 250.000 Einwohner zählenden Azoren noch heute zum portugiesischen Staatsgebiet und bilden so den westlichsten Zipfel der Europäischen Union.

Bizarre Vulkanlanschaften, rauschende Wasserfälle, saftiggrüne Weiden, einladende Strände und blaue Kraterseen prägen das Landschaftsbild und machen die Inseln damit zu einem Traum für jeden Reiseveranstalter. Sollte man jedenfalls meinen. Doch trotz aller Attraktionen sind die Azoren heute in Sachen Tourismus nicht mehr als ein schlafender Riese. Knapp 50 Hotels gibt es bisher lediglich auf allen Inseln zusammen. Gerade mal 85.000 Besucher- die meisten davon ehemalige Azoreaner - verlaufen sich jährlich in der weitgehend unberührten Natur. Die meisten "echten" Urlauber stammen dabei aus Deutschland und den USA.

 Blick über Flores
Blick über Flores
© Gunter Gerhardt
Bisher sind es eher Individualreisende - Abenteuerlustige und Naturliebhaber - die auf die Azoren kommen. Doch allmählich scheint auch die Tourismusindustrie die Azoren als Eldorado für sich zu entdecken. Seit dem ersten Januar 2003 bietet ein deutscher Anbieter jedenfalls erstmals Charterflüge auf die Inseln an. Auf mehreren Inseln sind zudem 300-Betten-Hotels geplant. Ein erster Schritt in Richtung Massentourismus?

Bis es vielleicht irgendwann einmal so soweit ist, wird vermutlich die Landwirtschaft eine der wichtigste Einnahmequellen für die Azoreaner bleiben. Fast die Hälfte der Einwohner haben direkt oder indirekt mit dem Agrarsektor zu tun und rund 40 Prozent der Gesamtfläche werden als Acker- oder Weideland genutzt.

Dementsprechend ruht auch der Außenhandel der Azoren auf Säulen wie Milch und Rindfleisch. 50.000 lebende Tiere werden hier Jahr für Jahr für den Export gehalten und bei Schlachtreife nach Europa verschifft. Fast ein Viertel des Milchbedarfs der Portugiesen decken die Kühe auf den Azoren.

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