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Sonntag, 12.02.2012
Minikompasse im Sediment
Was die magnetische Untersuchung des Bohrkerns verrät

Ist die erste optische Untersuchung abgeschlossen, beginnt die Verteilung der Bohrkernproben: Winzige Mengen Materials von interessanten und vielversprechenden Schichtungen der Arbeitshälfte werden vorsichtig abgeschabt und von den Chemikern, Paläontologen und anderen Forschern in ihre Labors gebracht zu weiteren Untersuchungen.

 Magnetometer für Bohrkerne
Magnetometer für Bohrkerne
© ODP
Währenddessen ist die Archivhälfte bereits im Labor der Paläomagnetismusforscher gelandet. Sie schieben "ihre" Kernhälfte in die Analyseröhre eines so genannten cryogenischen Magnetometers - ein Gerät ähnlich den Magnetresonanztomografen der Mediziner. Mithilfe von Supraleittechnik misst es das natürliche Magnetfeld der Probe. Ähnlich wie auch das Krustengestein entlang der mittelozeanischen Rücken speichern auch die Sedimentschichten des Meeresbodens die Ausrichtung des Magnetfelds zum Zeitpunkt ihrer Entstehung.

Die magnetischen Pole der Erde haben im Laufe der Erdgeschichte ihre Lage verändert und sich sogar mehrmals komplett umgepolt. Da jede dieser plötzlichen Wechsel innerhalb der letzten hunderte von Millionen Jahren relativ akkurat datiert ist, können die Paläomagnetismusforscher anhand dieser Wechsel auch die Schichten des Bohrkerns eindeutig datieren. Aber die im Sediment gespeicherten "Minikompasse" verraten den Wissenschaftlern nicht nur ihr Alter, sondern auch den Ort, an dem sie entstanden sind. Die Information, wie weit ein Probenstandort zum Zeitpunkt der Sedimentation beispielsweise vom Äquator entfernt war, kann vor allem für die Rekonstruktion der Plattenbewegungen entscheidend sein. Aus ihr schließen Geologen auf die Geschwindigkeit und Richtung, in die vor hunderttausenden oder Millionen von Jahren die Erdteile gewandert sind.

Nachdem die magnetischen Untersuchungen abgeschlossen sind, hat die Archivhälfte zunächst ihre Aufgabe erfüllt und wandert in die großen Kühlräume der JOIDES. Später, nach Beendigung der Fahrt wird sie gemeinsam mit der Arbeitshälfte in eines der vier weltweit existierenden Bohrkernlager gebracht. Je nach dem, woher die Bohrkernen stammen, landen sie entweder in Lagern in Kalifornien, Texas, New York oder Bremen. Das Bremer Bohrkernlager enthält Kerne aus dem Atlantik und dem Mittelmeer. In einer riesigen Kühlhalle lagern dort inzwischen mehr als 100.000 Bohrkernhälften.

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