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Sonntag, 12.02.2012
Die Hauptarbeit beginnt erst hinterher...
Verteilung und weitere Auswertung der Proben

Die von der Arbeitshälfte entnommenen Proben haben unterdessen ihren Weg von den Sichtungstischen durch die Labors der JOIDES fortgesetzt. Am "nächsten dran" sitzen die Paläontologen, die die Sedimentproben mithilfe von Binokularen und Mikroskopen nach Spuren von Fossilien durchsuchen. In ultradünne Scheiben geschliffen und unter Spezialmikroskopen betrachtet, entwickeln die scheinbar so eintönig grauen Sedimente ungeahnte Formen und Farbenpracht.

Chemische Analyse von Bohrkernen 
Chemische Analyse von Bohrkernen
© ODP
Während die Paläontologen noch Stunden über ihren Mikroskopen sitzen werden und die Dünnschliffe der Sedimente betrachten und auswerten, wird bei den Chemikern im wahrsten Sinne des Wortes unter Hochdruck gearbeitet. Eine hydraulische Presse quetscht aus der nur wenige Gramm schweren Probe jedes Quentchen an Wasser heraus, das sich zwischen den Sedimentteilchen befindet. Automatisierte Analysegeräte testen anschließend die Menge und Zusammensetzung dieses Porenwassers und tragen mit ihren Ergebnissen ein weiteres Datenpuzzleteilchen zur Entschlüsselung des Bohrkerns und seiner Geschichte bei.

Nachdem die Arbeitshälfte auch eine gründliche Durchleuchtung im Röntgenlabor der JOIDES hinter sich hat, ist sie nahezu am Ende ihres Weges angelangt. Nachdem die wichtigsten Eigenschaften des Bohrkerns vor Ort untersucht und protokolliert worden sind, geht es nun um den für viele Forscher wichtigsten Teil der Prozedur: die Verteilung der Proben für die weitere Forschung. Denn die bisherigen Analysen haben bestenfalls die Oberfläche der gewaltigen Datenmenge angekratzt, die der Bohrkern noch in sich birgt. Die eigentliche Forschung beginnt oft erst nach dem Ende der Bohrfahrt, wenn die Wissenschaftler in ihren Labors weitere, endlose Datenkolonnen auswerten, testen, Diagramme interpretieren und Modelle erstellen.

 Verteilung der Proben
Verteilung der Proben
© ODP
Zu Beginn der Verteilung markiert jeder Forscher mit einem Fähnchen die Schicht des Bohrkerns, von der er eine Probe zur zukünftigen Untersuchung haben möchte. Die letztendliche Entscheidung über das "wer kriegt was" fällen allerdings die wissenschaftlichen Leiter der Fahrt, denn nicht immer herrscht dabei Einigkeit über eventuelle Prioritäten. Ein Journalist des australischen Senders ABC verglich die Probenverteilung - nicht sehr schmeichelhaft - sogar mit dem Kampf von Hyänen um ein Stück Fleisch.

In den 70er Jahren soll sogar einmal das gesamte Schiff nach einem entscheidenden aber fehlenden Stück eines Bohrkerns abgesucht worden sein. Es fand sich schließlich im Schließfach eines der Forscher, der offenbar seinen Kollegen keinen Teil dieses wichtigen Gesteinsbrockens gönnen wollte. Als Konsequenz verlor er dafür allerdings nicht nur das Recht, an dieser Probe zu forschen sondern wurde auf Lebenszeit von allen ozeanischen Bohrprogrammen ausgeschlossen.

Doch bis zu einem gewissen Grad ist der Eifer der Wissenschaftler verständlich. Diese Proben bedeuten für sie eine wertvolle Quelle von Material und Daten, nicht nur für die nächsten Wochen, sondern teilweise über Monate und Jahre hinweg. Ist die Erlaubnis endlich erteilt, schaben die Forscher vorsichtig kleine Mengen des kostbaren Materials in sterile Plastiksäckchen und verpacken sie sicher für den langen Weg nach Hause in ihre jeweiligen Heimatlabors. Dort werden sie weiter dazu beitragen, aus vielen kleinen Puzzleteilen nach und nach ein immer klareres Bild des Meeresbodens und seiner wechselvollen Geschichte zu erstellen...

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