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Sonntag, 12.02.2012
Rätsel der Tiefe
Der Meeresboden als Terra cognita

Bohrkern an Deck 
Bohrkern an Deck
© ODP
"Bohrkern an Deck" - die Ansage des Bordlautsprechers hallt durch das Schiff. Doch für die knapp 30 Wissenschaftler an Bord des ODP-Bohrschiffs JOIDES Resolution bedarf es keiner Extra-Aufforderung. Sie haben sich ohnehin längst an Deck eingefunden, um mitzuerleben, wie der erste Bohrkern aus den Tiefen des Meeres an Bord der JOIDES gehievt wird. Auch für die mehr als 20 Techniker und die 60-köpfige Besatzung ist dies noch immer ein spannender Augenblick - selbst nach mehr als 15 Jahren Bohrfahrten über alle Meere der Welt.

Auch wenn jede der rund zwei Monate dauernden Fahrten - oder "Legs" der JOIDES genau geplant ist - die tatsächlichen Bohrungen sind immer wieder für eine Überraschung gut. Ob Spuren des Meteoriteneinschlags, der die Dinosaurier vernichtete oder die Entdeckung der Gashydrate, einer möglichen Energiequelle der Zukunft - was die Schichten des hunderte oder sogar tausende Meter unter dem Schiff erbohrten Kerns den Geowissenschaftlern enthüllen werden, ist trotz aller Planung nicht vorherzusehen. Jeder der erbohrten Kerne kann neue unerwartete Entdeckungen in sich bergen, jedes Bohrloch hat das Potential, bisherige Erkenntnisse zu bestätigen oder aber über den Haufen zu werfen.

Die Tiefen der Ozeane bergen noch immer eine ganze Reihe von Geheimnissen. Obwohl der Mensch inzwischen Millionen von Lichtjahre weit ins All hinein blicken kann, sind weite Teile des Meeresbodens unseres eigenen Planeten noch eine "Terra incognita". Geschützt durch die kilometerdicke Wasserschicht sind im Boden des Ozeans wertvolle Spuren der bewegten Vergangenheit der Erde erhalten geblieben.

 Sedimentschichten
Sedimentschichten
© ODP
Wie ein Archiv konservieren die Sedimente über Jahrmillionen hinweg Indizien für Klimaschwankungen, dramatische Vulkanausbrüche und Meteoriteneinschläge oder Veränderungen des Meeresspiegels. Jeder Bohrkern aus diesem "Archiv" birgt neue "Botschaften der Vergangenheit" in sich, ermöglicht den Geowissenschaftlern, wie in einer Zeitkapsel in die Vergangenheit zu reisen. Er enthüllt, wie die Erde aussah, als die Dinosaurier auf ihr wandelten oder gibt Zeugnis von den gewaltigen Kräften, unter denen sich die riesigen Gebirge der Erde auftürmten. Doch die Schichten des Meeresbodens sind nicht nur wertvolle Zeugen der Vergangenheit unseres Planeten, sondern geben auch Hinweise wichtige auf die möglichen zukünftigen Entwicklungen.

Die JOIDES und ihre wechselnde Besatzung von Wissenschaftlern haben seit 1985 rund 2.000 Löcher in den Meeresgrund gebohrt. Das Schiff hat dabei von der Arktis bis ins Südpolarmeer, von der Karibik bis ins südchinesische Meer nahezu alle Winkel der Erde bereist. Die bisher entnommenen und untersuchten Bohrkerne haben immerhin eine Länge von insgesamt 190 Kilometern, aneinandergelegt würden sie von Berlin bis zur Ostsee reichen. Doch gemessen an der Weite des noch verbleibenden Meeresbodens sind dies nicht viel mehr als einige winzige Nadelstiche in die "Haut" unseres Planeten.

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