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Freitag, 10.09.2010
Leben im Harem
Straußenvögel gehen fremd

Fauchende, zischende Laute klingen über die Steppe Afrikas. Dabei handelt es sich jedoch nicht etwa um ein Raubtier auf Beutezug, nein, es sind vielmehr die Rufe eines männlichen Straußenvogels, der damit um einen Harem kämpft. Hat er eine Schar von drei bis fünf Weibchen um sich vereint, nimmt er sich das dominante Tier zur Partnerin. Doch das hindert ihn nicht, auch die anderen unerfahreneren Hennen zu befruchten. Auf diese Weise sorgt er dafür, dass sich seine Gene in so vielen Nachkommen wie möglich weitervererben.

 Straußenhennen
Straußenhennen
© U.S. Fish and Wildlife Service
Nachdem ein Tier eine Kuhle gegraben hat, legen alle Hennen ihre Eier dazu, so dass gut 20 bis 60 Eier zusammenkommen. Beim Bebrüten der Eier wechseln sich alle Tiere ab – auch das Männchen trägt seinen Teil dazu bei. Geschickt richten sie die Schichten jeweils so ein, dass ihr Gefieder immer eine optimale Tarnung ermöglicht. Den Weibchen kommt tagsüber ihr grau-braunes Gefieder zu gute, mit dem sie sich hervorragend an den Boden anpassen. Die Nachtschicht übernimmt das Männchen allein, da sein schwarz-weißes Gefieder im Dunkeln unauffälliger ist.

Nach sechs Wochen schlüpfen die Küken und folgen den Eltern sofort überall hin. Doch es ist in erster Linie das Männchen, das sich um die Küken kümmert.

Emus – die Variante aus dem Outback
Während bei den Straußen das Männchen für genetische Vielfalt sorgt, ist es bei den australischen Emus das Weibchen, das während der Beziehung „fremd geht“. Zunächst läuft alles noch ganz monogam ab. Nachdem die Paare sich im Hochsommer zusammengefunden haben, paaren sie sich im April alle zwei Tage. Dazwischen legt das Weibchen jeweils ein Ei in ein Nest, das das Männchen in der Zwischenzeit gebaut hat. Etwa nach dem siebenten Ei stellt das Männchen seinen Paarungstrieb ein und fängt an zu brüten. Das Weibchen ist jedoch weiterhin „unersättlich“ und nach dem Motto „wenn Du nicht willst, such ich mir eben jemand anders“, zieht es los und paart sich mit anderen Männchen. Zur Eiablage kehrt es aber immer zum ersten Hahn zurück und legt bis zu 18 weitere Eier zu den anderen dazu.

Emu 
Emu
© PixelQuelle/ Henning Hraban Ramm
Dem Männchen macht es offenbar nichts aus, dass die Hälfte der Eier gar nicht seine Gene trägt. Es kümmert sich trotzdem liebevoll um das gesamte Gelege, nimmt während der Brutzeit nichts zu sich und steht nur auf, um die Eier zu wenden. In der Phase nach dem Schlüpfen ist das Männchen äußerst angriffslustig und verteidigungsbereit. Als „alleinerziehender Vater“ begleitet es die Jungen etwa ein halbes Jahr lang und sorgt für sie. Erst dann sucht es sich eine neue Partnerin.

Das „Fremdgehen“ der Hennen ist für australische Vogelarten nichts Ungewöhnliches. Forscher haben beobachtet, dass sich jüngere Männchen häufig in der Nähe von erfolgreicheren Artgenossen aufhalten, um so die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, selbst ein Weibchen abzubekommen. Wissenschaftler vom österreichischen Konrad-Lorenz-Institut für vergleichende Verhaltensforschung haben auch schon eine Erklärung für das „treulose Verhalten“ parat: es handelt sich um eine Strategie, beim Nachwuchs Schäden durch eventuelle Inzucht zu vermeiden. Auf diese Weise erhöhen die Tiere die Überlebenswahrscheinlichkeit der gesamten Art.

Nandus – die amerikanischen Verwandten
 Nandu
Nandu
© Wikipedia
Bei den in Südamerika beheimateten Nandus ist es wiederum das Männchen, das ein ausgeprägtes Paarungsverhalten an den Tag legt. Es befruchtet bis zu zwölf Weibchen, die ihre Eier alle in sein Nest legen. Von da an kümmert sich der Hahn allein um Brut und Aufzucht der Jungen, während die Hennen weiterziehen, um sich mit anderen Männchen zu paaren. Während dieser Zeit sind die Männchen hochaggressiv und greifen alles an, was sich dem Nest nähert, auch die eigenen Weibchen.

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