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Sonntag, 12.02.2012
Spieglein, Spieglein an der Wand...
Symmetrie und Kindchenschema

Zu der Zeit, in der Pythagoras seinen berühmten Satz zu rechtwinkligen Dreiecken formulierte, war der Begriff der Symmetrie im alten Griechenland bereits allgemein geläufig. Symmetrie wurde allerdings nicht allein als geometrische Eigenschaft verstanden, sondern sie kennzeichnete etwas besonders Harmonisches und Vollkommenes.

Mona Lisa - zeitlos schön durch Symmetrie? 
Mona Lisa - zeitlos schön durch Symmetrie?
© IMSI MasterClips
Auch heute gilt ein Zusammenhang zwischen Symmetrie und Schönheit als selbstverständlich. Sowohl im Tierreich als auch bei uns Menschen ist Symmetrie bei der Partnerwahl gefragt. Warum? Ganz einfach: Symmetrie gilt als äußerer Anzeiger genetischer Fitness, denn asymmetrische Proportionen entstehen vor allem durch Krankheit, Mutation oder andere Störungen während der Embryonalentwicklung. Kurz: Ist die äußere Gestalt symmetrisch, ist auch mit den Genen alles in Ordnung und der Zeugung von überlebensfähigen Nachkommen steht nichts im Wege.

Doch ganz so einfach ist die Gleichung symmetrisches Gesicht = schönes Gesicht dann doch nicht. Einer Studie der Universität Regensburg zufolge ist Symmetrie zwar ein Faktor, der die Attraktivität beeinflusst - aber nur in relativ geringer Weise. Ein sehr unsymmetrisches Gesicht wird zwar selten als schön empfunden, schöne Gesichter sind aber nicht immer symmetrisch - man denke nur an Cindy Crawfords berühmtes Muttermal am Mund. Ebenso muss ein als unattraktiv eingeordnetes Gesicht nicht unbedingt asymmetrisch sein.

 Welches Gesicht ist schöner? Das obere wurde an kindliche Proportionen angepasst.
Welches Gesicht ist schöner? Das obere wurde an kindliche Proportionen angepasst.
© A. Fels/MMCD
Wo also liegt nun das Geheimnis der Schönheit? Die Beschaffenheit der Haut spielt zwar eine nicht zu unterschätzende Rolle, aber nun gelten schließlich nicht alle Gesichter mit glatter Haut automatisch auch als schön.

Eine weitere Rolle - zumindest für die weibliche Schönheit - spielt sicher eine Annäherung an das Kindchenschema. Große Augen, eine hohe, runde Stirn, ein kleines Kinn und ein kleines Stupsnäschen werden bei Frauen als attraktiv bewertet. Viele Frauen nehmen auf Fotos automatisch eine Kopfhaltung ein, die diese Merkmale herausstreicht: Kinn nach unten, weit geöffnete Augen nach oben gerichtet - so erscheinen Stirn und Augen größer, die untere Gesichtshälfte dagegen kleiner.

Der Grund dafür: mal wieder die Fortpflanzung. Vermutlich stellte es für Männer im Laufe der Menscheitsgeschichte einen evolutionären Vorteil dar, ihre Gene mit denen möglichst junger Frauen zu teilen. Denn diese waren meist gesünder als ältere Frauen und noch länger fruchtbar. Experimente bestätigen dies: Wird ein Gesicht per Computer an typische Proportionen des Kindchenschemas angepasst, so weist es in der Regel eine höhere Attraktivität auf als das Originalgesicht - egal ob es sich dabei um ein besonders schönes Gesicht handelt oder nicht.

Merkmale attraktiiver Frauen und Männer 
Merkmale attraktiiver Frauen und Männer
© www.beautycheck.de/MMCD  Merkmale attraktiiver Frauen und Männer
Andererseits sind die Models Kate Moss und Nadja Auermann unter anderem für ihre ausgeprägten Wangenknochen bekannt und auch Cindy Crawford hat nicht gerade große Kulleraugen. Trotzdem zählen diese Frauen zu den schönsten der Welt. Und auch das macht biologisch Sinn: Schließlich bedeutete es für Männer im Laufe der Evolution mit Sicherheit keinen Vorteil, Nachkommen mit Frauen zeugen zu wollen, die die Geschlechtsreife noch nicht erreicht haben. Gewisse Merkmale reiferer Frauen - etwa ausgeprägte Wangenknochen statt kindlicher Pausbäckchen oder aber ein gut gepolstertes Dekolletee - zeigen das Erreichen eines erforderlichen Mindestalters an und werden daher als schön empfunden.

Ein möglichst durchschnittliches, ebenmäßiges und symmetrisches Gesicht mit kindlichen Merkmalen muss demnach nicht automatisch für eine Karriere als internationales Topmodel prädestiniert sein. Schönheit wird durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt, die nur schwer in klare Regeln einzugrenzen sind. Es gibt aber eine Reihe von Merkmalen, die in einer Vielzahl von Fällen ein schönes Gesicht von einem eher unattraktiven Gesicht unterscheiden.

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