Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 21.05.2012
In den freien Weltraum…
Die Superteleskope der übernächsten Generation

Der Mond ist aber nicht für jede Art von Teleskopen die beste aller Möglichkeiten. Der freie Weltraum ist für viele astronomische Zwecke einfach besser geeignet. Der Grund liegt auf der Hand: Der Mond bietet nicht nur freie Sicht, Vakuum und womöglich Ressourcen, er bringt auch Schmutz und Schwerkraft mit sich. Und beide sind für manche Gebiete der Astronomie nicht von sonderlichem Nutzen.

Radioteleskop-Anlage auf dem Mond 
Radioteleskop-Anlage auf dem Mond
© NASA
Die Ausrichtgenauigkeit für weltraumgestützte Teleskope ist heute schon sehr hoch. Man braucht nicht unbedingt schwere Montierungen, um ein Teleskop präzise auf den gewünschten Punkt auszurichten. Die Montierung der Zukunft (und auch schon der Gegenwart) besteht aus Kreiselsystemen und Lageregelungstriebwerken. Außerdem ist der Bau eines Teleskops in einem Mondkrater gewiss nicht einfacher als die Montage im freien Weltraum. Besonders dann, wenn sehr große Anlagen erforderlich sind. Es gibt keine physikalischen Gesetze, die dagegen sprechen, Spiegel mit 50 oder sogar 100 Metern Durchmesser zu bauen, sobald die Störungen durch die Schwerkraft verschwunden sind.

Dass man nicht unbedingt auf festen Boden, sei es auf der Erde oder auf dem Mond, angewiesen ist, hängt auch damit zusammen, dass die Fähigkeit, Strukturen im freien Weltraum zu errichten, in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen ist. Der freie Weltraum hat sich als recht guter Arbeitsplatz für Menschen herausgestellt. Die Errichtung der Internationalen Raumstation, aber auch die Wartungsflüge zum Hubble-Weltraumteleskop haben hier für Training und Erfahrung gesorgt.

Es ist langfristig nicht vorstellbar, die großen und komplexen Strukturen zukünftiger Weltraumteleskope allein durch von der Erde ferngesteuerte Operationen oder ausgefeilte automatische Entfalt-Mechanismen errichten zu lassen. Überwachung und Aufbauunterstützung vom Weltraum aus wird deshalb notwendig sein. Und sogar, wenn mit telerobotischen Mitteln gearbeitet wird, geschieht dies in Zukunft nicht ferngesteuert von der Erde, sondern wird von Astronauten direkt vor Ort gemacht. Für schnelles Eingreifen bei Problemen sind ansonsten die Signallaufzeiten einfach zu lange.

Ein wenig technische Vorarbeit ist allerdings noch notwendig, bis die Superteleskope der übernächsten Generation fernab der Erde ihre Bahnen durchs All ziehen werden. Zum einen geht es darum, Technologien für die Fabrikation von Spiegelelementen zu entwickeln. Speziell für Spiegel, die in infraroten oder noch kürzeren Wellenbereichen arbeiten, sind die Anforderungen an Oberflächengenauigkeit, Steifigkeit, eine geringe Masse und schnellere und weniger riskante Herstellungsverfahren enorm hoch. Und bei Teleskopen, die im ultravioletten Spektrum operieren, sind noch bedeutende Fortschritte in der Detektortechnologie erforderlich.

Der Weltraum bietet unbegrenzte Möglichkeiten. Teleskope, elektronisch zusammengeschaltet und in Formation durch den Raum fliegend, werden für Erkenntnisse sorgen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Vielleicht lernen die Schulkinder des Jahres 2050 die Namen von Kontinenten auf erdähnlichen Planeten im Orbit um benachbarte Sonnen, die mit diesen Teleskopen gefunden worden sind.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtgste in Kürze
Artikel zum Thema
Superteleskope im Weltraum
Beginn einer neuen Ära der Astronomie
Je höher desto besser?
Vorteile und Grenzen von Weltraumteleskopen
Die letzten Monolithen
Die nächste Generation der Weltraumteleskope
Laser, Spiegel und Hochtechnologie
Die nächste Generation, 2. Teil
Der Nachfolger steht bereit
Die nächste Generation, 3. Teil
Die übernächste Generation
Teleskope auf dem Mond
Flüssiger Spiegel am Südpol des Mondes
Das Deep Field Infrared Observatory
In den freien Weltraum…
Die Superteleskope der übernächsten Generation
Top-Diaschauen
Tiefseegräben
Bernstein
GAU in Fukushima
Das Geheimnis der Elemente
Weltraumschrott
Aktuelle Dossiers
Neutrinos
Den Geisterteilchen auf der Spur
Der unsichtbare Baumeister
Wind als Urheber von Staubstürmen, Singdünen und Felskulpturen
Der virtuelle Patient
"Gesundheit 2050" - Preisgekrönter Beitrag zum Essay-Wettbewerb
Informationsspeicher Gehirn
Den Mechanismen des Lernens auf der Spur
Titanic: Untergang eines Mythos
Spurensuche hundert Jahre nach der Katastrophe
Kräfte zwischen Kern und Kruste
Der Entstehung des Süddatlantik auf der Spur
Lego mit Lebensbausteinen
Was ist synthetische Biologie?
Bestens eingefügt
Anpassung an einen Lebensraum – die Schleiereule als Modelltier
Die zivilen Verwandten der Seekrieger
Ein echter Knochenjob
CeBIT 2012
Neues aus der Welt des digitalen Arbeitens und Lebens