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Montag, 13.02.2012
Gentechnik gegen Allergene?
Neue Ansätze zur Diagnostik und Therapie von Lebensmittelallergien

Doch die grüne Gentechnik birgt nicht nur Risiken für mehr und neue Allergien, sie könnte sie bekämpfen helfen, indem sie zur Verbesserung der Diagnostik und Therapie von Lebensmittelallergien eingesetzt wird. In der biomedizinischen Forschung werden Allergene seit mehr als zehn Jahren gentechnisch im Darmbakterium Escherischia coli und anderen Organismen hergestellt. In Zukunft werden sie möglicherweise die rohen natürlichen Allergenextrakte, die unvermeidlich auch nicht allergene Proteine und andere Begleitstoffe enthalten, in der Diagnostik und der Immuntherapie der Typ-1-Allergie weitgehend ersetzen können.

Escherichia coli 
Escherichia coli
© G. Wanner
In Studien zur Verbessung der in vitro Diagnostik werden bereits zunehmend gentechnisch hergestellte Einzelallergene zur Beurteilung des individuellen Sensibilisierungsmusters eingesetzt. Dieses als „Component-resolved Diagnosis“ bezeichnete Verfahren ist gegenüber der Verwendung von Allergenextrakten deutlich sensitiver und spezifischer. Der Einsatz rekombinanter Allergene bietet beispielsweise die Möglichkeit, Patienten mit einem maßgeschneiderten und exakt standardisierten „Allergencocktail“ zu desensibilisieren und so die Allergie effizienter zu behandeln, als das mit natürlichen Allergenextrakten möglich ist.

Gentechnisch können die Forscher schon heute Allergene mit reduzierter Allergenität und gleichzeitig erhaltener therapeutischer Aktivität herstellen. Ihr Ziel dabei ist es, eine effizientere Immuntherapie ohne Nebenwirkungen zu entwickeln. Dies wäre ihrer Ansicht nach insbesondere bei der Lebensmittelallergie wichtig, für die es bislang noch keine an den Krankheitsursachen angreifende Therapiemethode gibt.

Allergene unterdrücken…
Inzwischen gibt es Ansätze, die „natürliche“ Allergenität von Pflanzen beziehungsweise Pflanzenbestandteilen mit gentechnischen Methoden zu reduzieren. Mit der so genannten „Antisense-Strategie“, bei der ein Gen in umgekehrter Anordnung in den Wirtsorganismus kloniert wird, oder durch RNA-Interferenz-Technik kann die Biosynthese von Proteinen – zumindest zum Teil – unterdrückt werden. Die Expression eines Allergens in transgenem Reis konnte so auf 15 Prozent der ursprünglichen Menge reduziert werden.

…aber um einen Preis
Allerdings treten bei der Unterdrückung von Allergenen in gentechnisch veränderten Pflanzen zahlreiche Probleme auf. So ist es zum Beispiel kaum möglich, die Expression eines Proteins vollständig zu unterdrücken. Unklar ist auch, wieviel „Rest-Allergen“ für einen Allergiker noch verträglich oder schon gefährlich ist. Ferner enthalten viele Lebensmittel mehrere oder sogar zahlreiche Allergene, die – wenn überhaupt – nur mit immensem Aufwand gleichzeitig unterdrückt werden könnten.

Und dann ist noch zu berücksichtigen, dass das oder die Allergene in der Pflanze eine physiologische Funktion haben. Fehlen sie oder sind sie nur in ganz geringem Maße vorhanden, kann dies Probleme bei der Lebenstüchtigkeit dieser „hypoallergenen“ Pflanze nach sich ziehen. Zur Erhaltung der vollen biologischen Funktion solcher Pflanzen müssten die Allergene dann durch homologe, nicht allergene Proteine ersetzt werden. Allerdings besteht dann aber wieder das Risiko einer Neusensibilisierung gegen diese Proteine – neue Allergien wären die Folge.

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