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Sonntag, 12.02.2012
Vernetzung entscheidend
Wie kommt es zu einer Allergie?

Die Zahl der unterschiedlichen Ausprägungen und Formen von allergischen Reaktionen ist fast unübersehbar. Neben „Allerweltsallergien" wie Heuschnupfen oder Asthma, existieren noch ungezählte „exotischere" Unverträglichkeiten wie Farmerlunge oder das Lyell-Syndrom. Schon in den sechziger Jahren veranlaßte diese Fülle die britischen Allergologen Robin Coombs und Philip Gell „Ordnung zu schaffen".

Kalottenmodell eines Immunglobulin-Moleküls 
Kalottenmodell eines Immunglobulin-Moleküls
© Ute Schneider / GSF
Sie entwickelten dazu die noch heute gebräuchliche Vier-Typen-Klassifikation: Die ersten drei Kategorien umfassen Allergien vom Soforttyp. Ihnen gemeinsam ist, daß sie schon innerhalb von wenigen Stunden nach Kontakt mit dem Allergen zu Symptomen führen. Im Extremfall kann schon Sekunden nach Allergenkontakt ein lebensbedrohlicher Schockzustand eintreten. Verantwortlich für diese Allergietypen sind in erster Linie IgE-Antikörper.

Die meisten Lebensmittelallergien wie beispielsweise die Erdnussallergie gehören zum Soforttyp und sind Typ-1 Allergien. Bei dieser richtet sich die fehlgeleitete Abwehrreaktion gegen ein harmloses Antigen – zum Beispiel ein Protein. Beim ersten Kontakt mit diesem Antigen kommt es zur so genannten Sensibilisierung: Das Immunsystem „merkt“ sich das Protein und „rüstet“ sich für einen weiteren Angriff. Bei erneutem Kontakt mit diesem nun als Allergen bezeichneten Antigen setzt der Körper Boten- und Wirkstoffe wie Histamin frei, die dann die allergischen Symptome auslösen.

Die Antigene der Typ-I-Allergie zeichnen sich durch ihre Fähigkeit aus, Antikörper der Klasse E (Immunglobulin E oder IgE) zu induzieren oder spezifisch zu binden. Diese IgE-Reaktivität ist für die allergene Wirkung eines Antigens eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Endgültig ausgelöst wird die Reaktion erst dann, wenn die Antigene sich mit auf spezialisierten Zellen des Immunsystems, den Basophilen und Mastzellen, festsitzenden IgE-Antikörpern verbinden und diese miteinander vernetzen. Als Reaktion darauf setzen die Immunzellen bestimmte, beispielsweise entzündugnsauslösende Stoffe, Mediatoren, aus.

Hieraus leitet sich ab, dass Allergene mindestens zwei Bindungsstellen für IgE-Antikörper besitzen müssen, da sonst keine Vernetzung stattfinden kann – für Forscher auf der Suche nach möglichen Allergierisiken eine wertvolle Information.

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