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Sonntag, 12.02.2012
Allergene überkreuz
Warum der Apfel an der Apfelallergie unschuldig ist

Außerdem zeigen neuere Studien, dass das Allergenspektrum regional unterschiedlich ist, das heißt, dass bestimmte Allergenmoleküle in verschiedenen Regionen der Welt unterschiedlich häufig von IgE-Antikörpern der Allergiker erkannt werden und dass auch der Schweregrad der Symptome bei Allergien gegen ein bestimmtes Lebensmittel regional unterschiedlich sein kann.

 Birkenpollenallergen Bet v1
Birkenpollenallergen Bet v1
© GSF
Allergien gehen durch den Magen
Wissenschaftler gehen hier von der Hypothese aus, dass die Sensibilisierung gegen Lebensmittel über den Magen- Darmtrakt erfolgt. Um eine Immantwort in Form einer Allergie hervorrufen zu können, müssen die allergenen Proteine allerdings das zersetzende Milieu des Verdauungstrakts und seiner Enzyme heil überstehen. Nur wenn das intakte Allergen oder ein größeres Bruchstück davon das immunkompetente Gewebe der Darmschleimhaut erreicht, erfolgt auch eine Reaktion. Genau dies trifft aber wahrscheinlich für die „klassischen“ Lebensmittelallergene, wie zum Beispiel die Proteine der Erdnuss zu, die direkt eine allergische Sensibilisierung auslösen können.

Neben diesen primär wirksamen Allergenen gibt es jedoch noch eine große Gruppe von Lebensmittelallergenen, die Allergien nicht direkt auslösen, sondern auf die der Körper nur deshalb allergisch reagiert, weil er zuvor gegen strukturell ähnliche „kreuzreaktive“ Pollenallergene sensibilisiert worden ist.

Birke schuld an Apfelallergie
Die Apfelallergie in Zentraleuropa wird zum Beispiel selten durch Äpfel, sondern meist durch IgE-Antikörper gegen das Birkenpollenhauptallergen Bet v 1 verursacht. Die Sensibilisierung wird in diesem Fall nicht durch das Essen eines Apfels über den Verdauungstrakt, sondern durch direkten Kontakt der Birkenpollenproteine mit den Immunzellender Atemwege ausgelöst.

Diese Pollenallergene und ihre Gegenstücke in Lebensmitteln sind häufig nicht besonders stabil. Nach Ansicht der Wissenschaftler haben daher transgene Proteine, die mit solchen Pollenallergenen verwandt sind, vermutlich auch keine hohe Resistenz gegenüber Verdauungsenzymen. Für das Allergierisko bedeutet das, dass sie vermutlich ihenhin spätestens im Magen oder Darm zersetzt werden und daher ihre allergene Wirkung gar nicht ausüben können.

Interaktionen nicht erfasst
Mit anderen Worten: Diese Faktoren können in den gängigen Serumtest weder erfasst noch berücksichtigt werden, was die Aussagekraft der Methode ziemlich einschränkt. Und noch eine Einschränkung haben die GSF-Forscher entdeckt: Die Tests werden meist mit Reinsubstanzen durchgeführt, das heißt es wird gezielt nur das verdächtige transgene Protein gestestet, nicht aber ein Extrakt des gesamten gentechnisch veränderten Lebensmittels. Dadurch werden einerseits Interaktionen des Proteins mit anderen Lebensmittelinhaltsstoffen ignoriert, anderseits gibt es auch keine Möglichkeit, die individuellen Reaktionen des Verdauprozesses nachzubilden oder die Frage zu klären, ob im Laufe dieses Prozesses immunologisch aktive Fragmente gebildet werden.

Für die Tests, sowohl mit Blutseren als auch mit einzelnen Verdauuungsenzymen heißt dies - ähnlich wie auch für die Sequenzanalyse: Auch bei negativem Ergebnis kann ein mögliches Allergierisiko nicht ausgeschlossen werden.

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