Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 19.03.2010
Mit Scheren und Stachel
Die Skorpione

Behende, gepanzerte Jäger mit gefährlichen Werkzeugen und einer tödlichen Waffe: Die Skorpione sind aufgrund ihres Giftstachels weithin bekannt. Sie besiedeln die Tropen und Subtropen aller Erdteile und dringen teilweise auch in die gemäßigten Zonen vor. Gut an Trockenheit angepasst, stehen der großen Zahl von Wüsten- und Steppenbewohnern nur wenige Skorpione gegenüber, die eine feuchte Umgebung wie Wälder bevorzugen. Aber fast überall sind sie ausgesprochene Nachttiere, die sich am Tag verbergen.

Fluoreszierender Skorpion 
Fluoreszierender Skorpion
© Luis Acosta  Fluoreszierender Skorpion
Skorpione setzen ihre Giftwaffe viel seltener ein, als es scheint. Beim Beutefang versuchen sie stets zuerst, ihre Opfer mit den Scheren zu überwältigen. Sie sind ihre Hauptwerkzeuge bei der Jagd. Erst wenn diese Versuche fehlschlagen, nehmen die Skorpione den Stachel zur Hilfe. Dabei stechen die Tiere nicht blind drauflos, sondern führen ihn behutsam am Opfer entlang, das sie mit den Scheren festhalten. Skorpione zielen auf eine weiche Gelenkhaut, in die sie für einige Sekunden einstechen können. Selbst große und wehrhafte Insekten sind danach augenblicklich gelähmt. Ein Grund für den sparsamen Einsatz des Stachels könnte die Tatsache sein, dass nach einem Stich einige Zeit vergeht, bis der Skorpion seinen Giftvorrat wieder aufgefüllt hat.

Von Skorpionen ist eine merkwürdige Verhaltensweise bekannt: Setzt man sie in einen Feuerkreis aus glühenden Kohlen oder brennendem Holz, so richten sie nach vergeblichen Ausbruchversuchen, bei denen sie wild um sich stechen, den Stachel gegen sich selbst und begehen anscheinend "Selbstmord". Untersuchungen an diesen vermeintlich toten Skorpionen haben ergeben, dass sie gar keine Stichwunde aufweisen und nur in eine Art Hitzestarre gefallen sind. Nach einiger Zeit erholen sie sich von dem Hitzeschock und erwachen wieder zum Leben. Zudem sind Skorpione gegen ihr eigenes Gift erstaunlich immun. So sind 0,25 bis 0,5 Milligramm des eigenen Giftes nötig, um einen Skorpion damit umzubringen. Diese Menge würde ausreichen, um 100 bis 200 Meerschweinchen zu töten.

Wie andere Cheliceraten auch, sind Skorpione ausgesprochene Tasttiere mit schlecht entwickelten Augen. Besonders die Pedipalpen mit den Scheren sind dicht mit langen Tasthaaren besetzt, daher tragen die Tiere sie beim Laufen anmutig vor sich her, um so die Umgebung zu erkunden.

Wenn die Zeit der Fortpflanzung gekommen ist, üben die Skorpione ein eigentümliches Hochzeitsritual aus. Dabei tanzen sie in artspezifischer Weise, wobei das Männchen das Weibchen an den Scheren packt und es hin und her schiebt. Dieser Hochzeitstanz kann nach einer Stunde beeendet sein, er kann sich aber auch über Wochen Nacht für Nacht wiederholen. Hat die Besamung stattgefunden, entwickeln sich die Eier im Körper der Mutter. Nach der Geburt klettern die Jungtiere auf den Rücken des Weibchens und bleiben dort sitzen, bis die erste Häutung eintritt. Danach sind sie lebhafter und krabbeln auf dem Rücken umher. Kurze Zeit später verlassen sie die bis dahin fürsorgliche Mutter und machen sich selbständig.

 Skorpion Pandinus imperator
Skorpion Pandinus imperator
© Stephen Bullington  Skorpion Pandinus imperator
Skorpione können erstaunlicher Weise eine Vielzahl von Lauten von sich geben. Manche Arten reiben hierzu Teile der Pedipalpen und des ersten Beinpaares aneinander. Andere Vertreter erzeugen die Geräusche, indem sie Chelicerenborsten am Rand ihres Vorderkörpers entlangstreifen. Dabei erzeugen sie stets ein lautes, fauchendes Zischen. Den Vorgang bezeichnen Wissenschaftler ähnlich wie bei Grillen und Heuschrecken als stridulieren. Warum die Skorpione stridulieren, ist unklar. Entweder dienen die Geräusche zum Auffinden des Partners zur Paarung oder es könnte sich hierbei auch um ein Drohverhalten gegenüber Feinden halten.

Der Panzer der Skorpione enthält fluoreszierende Substanzen, die die Tiere unter ultraviolettem Licht grünlich leuchten lassen. Diese Tatsache machen sich viele Sammler auf der Jagd nach ihnen zunutze.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Leben auf acht Beinen
Spinnen und ihre Verwandten
Von winzig klein bis tellergroß
Die Vielfalt der Spinnen
Kunstwerke aus Proteinen
Spinnennetze
Wenn Spinnen stoned sind
Toxizitätsuntersuchungen von Drogen an Radnetzspinnen
Acht Beine, Kieferklauen und Giftdrüsen
Die Merkmale der Chelicerata
Hören mit den Haaren
Die Sinnesorgane der Spinnentiere
Die Giftmischer
Sind Spinnen und Skorpione gefährlich?
Mit Scheren und Stachel
Die Skorpione
Lichtscheue Gesellen
Walzenspinnen - weit verbreitet und gefürchtet
Spinnen und Skorpione mit Geißeln
Uropygi und Amblypygi
Schmarotzer und Krankheitserreger
Milben und Zecken
Meeresspinnen ohne Körper
Die Pantopoden
Ein lebendes Fossil
Die Schwertschwänze
Top-Diaschauen
Hypatia von Alexandria
2012 und die Maya
Erdbeben
Schatzkammer Ozean
Verlierer Mensch?
Aktuelle Dossiers
Hypatia: Tod für die Wissenschaft
Die berühmteste Gelehrte des antiken Alexandria wird wiederentdeckt
Die Wetter-Zurücksage
Wie die Vergangenheit hilft, die zukünftige Reaktion des Klimasystems vorherzusagen
Wunderwelt Ozean
Zehn Jahre Volkszählung im Meer - „Census of Marine Life“
Strom aus der Salzkraft
Osmose-Kraftwerke: von der Vision zur Wirklichkeit
Vancouver 2010
Wie sauber sind die Winterspiele?
Honigbienen: Superhirn im Überlebenskampf
Wie Parasiten, Krankheit und Gift die Fähigkeiten der sozialen Insekten beeinträchtigen
Apophis: Asteroid auf Erdkurs
Einschlag oder knapp daneben? 2029 entscheidet
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
Smarte Etiketten
Auf dem Weg zum “Internet der Dinge”
Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen