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Montag, 13.02.2012
Hören mit den Haaren
Die Sinnesorgane der Spinnentiere

Die Spinnen und ihre Verwandten sind größtenteils Jäger. Dabei sind sie überaus erfolgreich und haben sich einen festen Platz in der Nahrungskette ihrer jeweiligen Ökosysteme geschaffen. Welche Mittel stehen ihnen bei der Jagd zum Aufspüren der Beute zur Verfügung?

Viele Chelicerata sind nachtaktiv. Daher helfen ihnen ihre Augen nur bedingt bei der Jagd. Auch Radnetzspinnen, die ein klassisches Netz zum Beutefang benutzen, haben einen äußerst schwach ausgeprägten optischen Sinn. Obwohl sie acht Augen haben, können sie nur Hell-Dunkel-Unterschiede wahrnehmen. Im Vergleich mit Insektenaugen sind die Augen der Cheliceraten viel einfacher aufgebaut. Insekten besitzen sogenannte Komplexaugen, die aus vielen kleinen "Einzelaugen", den Ommatidien, aufgebaut sind. Die Punktaugen der Chelicerata sind zwar Linsenaugen, aber anders aufgebaut als die Augen bei höheren Tieren.

Pedipalpus 
Pedipalpus
© Bill Tietjen
Von anderen Spinnen, wie zum Beispiel Springspinnen, die ohne Fangnetz jagen und tagaktiv sind, ist bekannt, dass sie Umrisse, Formen und eventuell auch Farben erkennen können. Mit ihren großen Frontaugen fixieren sie die Beute und orientieren sich rein optisch. Zum Beweis haben Wissenschaftler Attrappenversuche durchgeführt und dabei festgestellt, dass eine Kreuzspinne sich auf alles stürzt, was man in ihr Netz schmeißt, und seien es nur Papierkügelchen. Erst wenn sie die vermeintliche Beute mit den Beinen betastet, merkt sie den "Betrug" und lässt davon ab. Eine Springspinne reagiert erst dann auf die Attrappe, wenn diese die Form eines typischen Beuteinsekts hat. In Versuchen zeigte sich auch, dass sie ihr eigenes Spiegelbild erkennen können und dieses angreifen oder anbalzen.

Trichobothrien (Sinneshaare) 
Trichobothrien (Sinneshaare)
© Bill Tietjen
In der Dunkelheit viel wichtiger sind Sinnesorgane, die der Wahrnehmung von Erschütterungen oder Schwingungen dienen. Die Wissenschaftler bezeichnen solche Organe als Mechanorezeptoren. Die Beine von Spinnen sind über und über von Haaren bedeckt, die allesamt Tastsinnesorgane sind. Hiermit können sie ihre Umgebung aktiv ertasten. Besonders die Kiefertaster der Spinnen und Skorpione sind mit sehr vielen Tasthaaren besetzt. Einige dieser Haare sind besonders lang und wachsen aus einer Grube heraus, die mit einer hauchdünnen Membran bespannt ist. Diese sogenannten Trichobothrien oder Becherhaare dienen als Fernsinnesorgane und können die feinsten Schwingungen wahrnehmen. So kann eine Spinne eine Fliege, die noch in mehreren Zentimetern Abstand vorbeifliegt, nur aufgrund ihres Flügelschlags orten. Durch die Luftschwingungen werden die Haare bewegt und schon winzigste Auslenkungen mit Hilfe der hauchdünnen Membran registriert und an die Nerven weitergeleitet. Die Tasthaare sind so empfindlich, dass schon die Berührung eines einzigen Haares eine Reaktion der Spinne auslöst.

Spinnen besitzen zur Wahrnehmung von Erschütterungen ein sogenanntes lyraförmiges Organ. Es befindet sich an den Beinen und kann feinste Vibrationen wahrnehmen. So signalisiert es den Radnetzspinnen durch die Erschütterungen des Netzes, wenn eine Beute in die Falle gegangen ist.

Zusätzlich haben Spinnen an den Beinen Chemorezeptoren, mit deren Hilfe sie auf chemische Reize reagieren können. Dass ein Geruchssinn vorhanden ist, haben Forscher dadurch nachgewiesen, dass manche Spinnen bei Annäherung einer stark riechenden Substanz fliehen. Dieser Geruchssinn dürfte beim Auffinden des Geschlechtspartners, aber auch beim Beuteerwerb eine Rolle spielen. Die Geruchsorgane bestehen aus kleinen Einstülpungen an den Beinenden, den sogenannten Tarsalorganen.

Experimente haben gezeigt, dass Spinnen deutlich zwischen bitteren und angenehm schmeckenden Stoffen unterscheiden. So wenden sie sich von einer Chininlösung ab, während normales Wasser sofort aufgesogen wird. Auch haben Spinnen in einem Versuch, bei dem sie die Wahl zwischen frisch getöteten und länger toten Futtertieren hatten, nach intensivem Betasten mit den Beinen die frisch getöteten bevorzugt. Dies zeigt, dass sie mit ihren chemosensitiven Haaren an den Beinen schmecken können.

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