Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 21.05.2012
PISA – kein Ende in Sicht
Eine internationale Vergleichsstudie und ihre Folgen

Bereits zwei Tage vor Nikolaus, am 4. Dezember, fand im Jahr 2001 in Deutschland eine verfrühte Bescherung statt. Doch dieses Mal gab es statt Schokolade, Apfelsinen und Spekulatius eine böse Überraschung: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) legte an diesem Tag eine internationale Vergleichsstudie über die schulischen Leistungen in 32 Ländern - darunter die USA, Japan und Großbritannien – vor.

Lernstand: Mangelhaft? 
Lernstand: Mangelhaft?
© SXC
Das für Deutschland fatale Ergebnis der PISA-Untersuchungen: In fast allen überprüften Bereichen lag das ermittelte Können der zum Zeitpunkt der Erhebung 15-jährigen deutschen Schüler deutlich unter dem Mittelwert der OECD-Staaten. Zu PISA-Siegern dagegen wurden Länder wie Finnland, Kanada oder Neuseeland, deren Schüler in nahezu allen Bereichen herausragende Leistungen brachten.

PISA steht für „Programme for International Student Assessment“. Dieses untersucht statt nur Faktenwissen abzufragen, so genannte Basiskompetenzen, die für eine Teilnahme am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Leben eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören die Lesekompetenz sowie die mathematischen und die naturwissenschaftliche Grundbildung der Schüler. PISA soll aber zudem mögliche soziale Unterschiede im Bildungserfolg aufspüren.

Und auch da zeigten sich in Deutschland eklatante Defizite: Von den Kindern aus den höchsten sozialen Schichten besuchte rund die Hälfte das Gymnasium, in den Arbeiterfamilien gelang dies nur jedem zehnten Sprössling.

Nach der Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse ging ein Aufschrei der Entrüstung durch das Land. Lehrer, Politiker und Bildungsforscher versuchten sich gegenseitig die Schuld für das katastrophale Abschneiden in die Schuhe zu schieben. Es begann aber auch eine hektische Suche nach Auswegen aus der Krise. Ausbau der Ganztagsschulen, mehr Unterrichtsstunden für Lehrer und detaillierte zentrale Lernstandserhebungen in den Schulen sollten dafür sorgen, dass die Leistungen der Schüler sich verbessern.

Kaum Verbesserungen bei Pisa 2003
Zunächst nur mit mäßigem Erfolg. Dies zeigte jedenfalls die Schülerstudie Pisa 2003, die im November 2005 von der Kultusministerkonferenz vorgestellt wurde. Zwar hat sich die Situation vor allem in Mathematik und den Naturwissenschaften in den meisten Bundesländern deutlich zum Positiven hin entwickelt. Dennoch liegt Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern bisher nur im Mittelfeld. Und nach wie vor entscheidet hierzulande die soziale Herkunft der Kinder stark über ihren Schulerfolg.

Zudem existieren bei der Leistungsfähigkeit der Schüler immer noch große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während Bayern in allen Bereich die Rangliste anführt, gehört Nordrhein-Westfalen zu den Verlierern des Ländervergleichs. In den getesteten Bereichen Mathematik, Lesen, Naturwissenschaften und Problemlösen gibt es dort einen Rückstand von rund einem Jahr Lernzeit gegenüber Bayern.

Endgültigen Aufschluss darüber, ob das deutsche Bildungssystem weiterhin kränkelt oder auf dem Weg der Besserung ist, könnte die dritte PISA-Erhebung geben. Sie wurde im Jahr 2006 durchgeführt. Die Ergebnisse sollen schon 2007 vorliegen.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Was Hänschen nicht lernt...
Streit um die frühkindliche Bildung
Spielen ade?
Auf die Kindergärten kommt es an
Letzte Chance mit 7
Frühförderung als Pflicht?
Experimente statt Abstraktionen
Neue Konzepte für die Schule
Viel mehr als nur bunte Bilder?
Gehirnforschung liefert neue Erkenntnisse über das Lernen
Lernen muss Spaß machen
Neuroimaging und seine Bedeutung für die Bildung
Frühförderung ja, aber wie?
Gehirnforscher und Bildungswissenschaftler im Disput
Revolution in Schulen und Kindergärten
Wege aus der Bildungsmisere
PISA – kein Ende in Sicht
Eine internationale Vergleichsstudie und ihre Folgen
Top-Diaschauen
Tiefseegräben
Bernstein
GAU in Fukushima
Das Geheimnis der Elemente
Weltraumschrott
Aktuelle Dossiers
Neutrinos
Den Geisterteilchen auf der Spur
Der unsichtbare Baumeister
Wind als Urheber von Staubstürmen, Singdünen und Felskulpturen
Der virtuelle Patient
"Gesundheit 2050" - Preisgekrönter Beitrag zum Essay-Wettbewerb
Informationsspeicher Gehirn
Den Mechanismen des Lernens auf der Spur
Titanic: Untergang eines Mythos
Spurensuche hundert Jahre nach der Katastrophe
Kräfte zwischen Kern und Kruste
Der Entstehung des Süddatlantik auf der Spur
Lego mit Lebensbausteinen
Was ist synthetische Biologie?
Bestens eingefügt
Anpassung an einen Lebensraum – die Schleiereule als Modelltier
Die zivilen Verwandten der Seekrieger
Ein echter Knochenjob
CeBIT 2012
Neues aus der Welt des digitalen Arbeitens und Lebens