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Montag, 13.02.2012
Brauchen wir Menschen im All?
Raumstationen, irdische Probleme und Eskapismus

Den Befürwortern der bemannten Raumfahrt und erst recht einer "Kolonialisierung" des Alls weht heute ein kalter Wind entgegen: Abgesehen von dem politischen Prestige der beteiligten Staaten sei beispielsweise von der Internationalen Raumstation ISS nicht viel mehr zu erwarten als Geld für die Raumfahrtindustrie, bunte Bilder aus dem All und noch mehr Müll in der Umlaufbahn, kritisieren viele.

Internationale Raumstation ISS 
Internationale Raumstation ISS
© NASA
Interessanterweise scheinen in den letzten Jahren sowohl die Pro- als auch die Contra-Stimmen gleichermaßen lauter zu werden. Die Zahl der Raumfahrtenthusiasten sowie der privaten Initiativen und Organisationen, die für eine Förderung der bemannten Erschließung des Alls eintreten, steigt deutlich an. Erste Kooperationen von staatlichen Raumfahrtbehörden mit privaten Gruppierungen haben Weltraumprojekte wie das Asteroidenerkundungsprogramm NEAR erst ermöglicht.

Andererseits wächst jedoch der Druck, angesichts leerer Staatskassen und immer rigiderer Sparmaßnahmen, die nicht gerade geringen Ausgaben für bemannte Raumfahrtprojekte zu rechtfertigen. Statt die Gelder in die teure Raumfahrt zu stecken, solle man lieber direkt an die Lösung der irdischen Probleme gehen, so die verbreitete Kritik. Zwar soll die Arbeit auf der Raumstation ISS dem wissenschaftlichen Fortschritt und damit dem Wohl der Allgemeinheit dienen, aber ob tatsächlich brauchbare Ergebnisse geliefert werden, kann niemand garantieren.

Noch größer ist der Widerstand gegenüber den Ideen, dauerhafte Raumkolonien im All zu errichten. Die Ablehnung setzt dabei weniger an der finanziellen Seite an, als vielmehr im sozial-ethischen Bereich. Der von der NASA viel strapazierte Vergleich mit der Entdeckung und Eroberung Amerikas erweist sich tatsächlich als ein zweischneidiges Schwert: Mit wem genau sollen die ersten Kolonisten verglichen werden? Mit Columbus, Cortez und Pizarro, den Eroberern auf der Suche nach Reichtümern? Oder doch eher mit den ersten Pionieren, die als Flüchtlinge aus Europa in die neue Welt aufbrachen, weil sie zu Hause keine Möglichkeit zum Überleben sahen?
Der erste Fall widerspräche den so nachdrücklich proklamierten humanistischen Idealen der Raumfahrtkolonie-Enthusiasten. Träfe der zweite Vergleich zu, dürften die ersten Siedler nicht priviligierte Astronauten aus den reichen Industrienationen der Erde sein, sondern die sozial Benachteiligten der Entwicklungsländer.

Allerdings greift auch der Vorwurf des Elitären etwas zu kurz. Angesichts der engen und spartanischen Lebensumstände und der harten Arbeit, die die ersten Kolonisten erwarten würde, will das Szenario der reichen glücklichen Siedler auf geräumigen Raumkolonien, die die eine verarmte und verschmutzte Erde hinter sich lassen, einfach nicht passen...

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