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Montag, 13.02.2012
Orangerien, Orbitalräder und Kolonisten
Frühe Vorstellungen von Weltraumsiedlungen

"Es ist Teil der menschlichen Natur, mit einer Fantasie zu beginnen und sie Wirklichkeit werden zu lassen." Diese Einschätzung des Science-Fiction Autors Ray Bradbury trifft in besonderem Maße auf die Eroberung des Weltraums durch den Menschen zu. Wie wenige andere Gebiete der Technik oder Wissenschaft hat die Raumfahrt schon immer von Ideen und Impulsen aus dem Reich der Utopien profitiert.

Traumziel Mond 
Traumziel Mond
© NASA
Als Jules Verne 1865 seinen Roman "Von der Erde zum Mond" schrieb, glaubte niemand ernsthaft daran, dass eine Reise zum Mond irgendwann einmal möglich sein könnte. Sein Buch gab jedoch einigen späteren Raumfahrtpionieren, wie Herrmann Oberth oder Wernher von Braun, den Anstoß, sich mit den technischen Möglichkeiten einer solchen Reise zu beschäftigen. Und 1969, gut hundert Jahre später, wurde die Utopie Wirklichkeit: Neill Armstrong und "Buzz" Aldrin betraten den Erdtrabanten. Auch die Idee von Siedlungen im Orbit und auf anderen Planeten wurde als erstes von Zukunftsromanen und der Science-Fiction Literatur aufgegriffen.

Orangerien im Orbit
Anfang des Jahrhunderts befasste sich bereits Konstantin Ziolkowski, einer der geistigen Väter der Raumfahrt, mit der Idee künstlicher Welten in einer Erdumlaufbahn. Diese "Außenstationen", so postulierte der russische Mathematiker, würden zwar in der Anfangszeit noch von der Erde abhängig sein, aber schon bald autark werden, indem sie ihren Sauerstoff und Lebensmittel durch "Orangerien" im Orbit selbst produzieren. Auch die Idee, diese künstlichen Monde eines Tages als Weltraumbahnhöfe für Flüge zu anderen Planeten einzusetzen, tauchte bereits in seinen Aufsätzen auf. Sein Zeitgenosse Potocnik führte 1929 zum ersten Mal das Konzept einer radförmigen Station ein. In "Das Problem der Befahrung des Weltraums" schlug er vor, eine 30 Meter große "Wohnrad"- Station in eine geosynchrone Erdumlaufbahn zu bringen.

Von Brauns "Baby-Satellit"
In den fünfziger Jahren erschien im Magazin "Collier's" eine Serie zur Eroberung des Weltraums, an der auch Wernher von Braun mitwirkte. Nach dem zweiten Weltkrieg war der Mitentwickler der berüchtigten deutschen V2-Raketen mit einem Teil seiner Forschungsgruppe nach Amerika gewechselt und wurde dort Leiter des Raketen-Entwicklungsteams der amerikanischen Armee. Auch von Braun glaubte an eine Zukunft mit künstlichen Erdtrabanten. Den ersten Schritt sah er in einem kleinen "Baby-Satelliten" mit drei Affen an Bord. Später würde dann, so glaubte er, eine 75 Meter große, radförmige Raumstation im Orbit gebaut und von 80 Astronauten bewohnt werden. Neben der Erd- und Wetterbeobachtung sollte diese Raumstation vor allem als Stützpunkt für den Bau von interplanetaren Raumfahrzeugen dienen. Eine bemannte Mission zum Mars könnte dann von diesem Weltraumbahnhof aus starten.

 So könnte der Mars nach dem "Terraforming" aussehen
So könnte der Mars nach dem "Terraforming" aussehen
© NASA
Venus, Mars und Kolonisten
Die Fortschritte in Raketentechnik, Astronomie und Kernforschung sorgten in den fünfziger Jahren auch in der Science-Fiction Literatur für neue Impulse. Menschliche Siedlungen auf anderen Planeten wurden zu einem der zentralen Themen. 1951 beschreibt Arthur C. Clarke in seinem Roman "The Sands of Mars" (Projekt Morgenröte), wie Kolonisten auf dem Mars die Rohstoffe des Planeten und seines Mondes Phobos nutzen, um Energie für ihre Stationen zu gewinnen und dem Roten Planeten langsam irdische Eigenschaften zu geben. Unter anderem setzen sie dazu den im Marsregolith gebundenen Sauerstoff frei.

In Isaac Asimovs Buch "The Martian Way" (Wasser für den Mars) spielen ebenfalls die Methoden, mit deren Hilfe Kolonisten in der lebensfeindlichen Umgebung des Mars überleben können, eine entscheidende Rolle. Die fiktiven Marssiedler stehen vor dem nicht unrealistischen Problem, für ihr Überleben Wasser gewinnen zu müssen, ohne auf die Vorräte der Erde zurückgreifen zu können.

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