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Sonntag, 12.02.2012
Weltraumräder und Zylindersiedlungen...
Wie könnte eine Weltraumkolonie aussehen?

Unter der Bedingung, möglichst viele Leute und funktionierende biologische Systeme unterzubringen und das ganze so einfach wie möglich zu halten, kamen die Teilnehmer des Workshops auf drei Grundformen für die Kolonie:

 "Bernal Sphere" im Anschnitt
"Bernal Sphere" im Anschnitt
© NASA/Ames  "Bernal Sphere" im Anschnitt
Die "Bernal Sphere"
Das einfachste System ist ein fast kugelförmiges Habitat mit außenliegenden Ringen. Diese sogenannte "Bernal Sphere" mit einem Durchmesser von einem Kilometer ist so angelegt, dass sie eine Bevölkerung von 10.000 Menschen auf Dauer erhalten könnte. Ein spezielles Kreislaufsystem ermöglicht es den Kolonisten, aus Sonnenlicht und mithilfe der Pflanzen der äußeren Gewächshäuser nicht nur Nahrung, sondern auch Wasser und Atemluft zu gewinnen.

Die gesamte Kugel rotiert um die zentrale Achse, so dass an den Innseiten der Wände irdische Schwerkraft erzeugt wird, während in der Nähe der Mittelachse Schwerelosigkeit herrscht. Große Solarsegel an den Enden der Achse und Spiegelringe um die Kugel herum fangen das Sonnenlicht auf, damit es zur Beleuchtung des Kugelinneren und zur Energiegewinnung genutzt werden kann.

 "Island Three"
"Island Three"
© NASA/Ames  "Island Three"
"Island Three"
Eine Weiterentwicklung stellte "Island Three" dar, ein riesiger Zylinder von mehr als sechs Kilometern Breite und 30 Kilometern Länge. Die 400 Quadratkilometer Innenfläche bieten mehreren Millionen Menschen und ausgedehnten Plantagenanlagen Platz. Auch hier ist der Lebensraum der Kolonisten die Innenseite der Außenwände, der gesamte Komples rotiert um seinen Längsachse und erzeugt dadurch Schwerkraft.

Drei große Fenster über die gesamte Länge des Zylinders lassen genug Licht einfallen, um fast irdische Lichtverhältnisse zu schaffen. Die Spiegel an den Außenringen lenken in jeder Position die optimale Lichtmenge ins Innere. Die Ausmaße des "Innenhimmels" ließen sogar "natürliche" Wetterveränderungen wie Regen oder Sturm und einen blauen Himmel entstehen.

 "Stanford-Torus" im Anschnitt
"Stanford-Torus" im Anschnitt
© NASA/Ames  "Stanford-Torus" im Anschnitt
Der "Stanford-Torus"
Das dritte Modell greift auf die klassische Form des "Weltraumrades" zurück. Habitat dieses "Stanford-Torus" war ein durch sechs Speichen verbundener Ring, in dem 10.000 Menschen arbeiten, wohnen und leben könnten. Um eine erdähnliche Schwerkraft zu erzeugen, dreht sich der gesamte äußere Ring mit einer Geschwindigkeit von einer Umdrehung pro Minute um die innere Nabe. Im schwerelosen Zentrumsbereich der Station liegen Andockstationen für Raumfahrzeuge.

Der Ring ist auf seiner Außenseite mit einer dicken Schicht aus Mondmaterial bedeckt, um die Bewohner vor der Raumstrahlung zu schützen. Ein riesiger Spiegel, der in einem Winkel von 45 Grad gegenüber der Drehachse der Station angebracht ist, lenkt das Sonnenlicht über ein weiteres Spiegelsystem in das Innere der Kolonieröhre. Das so umgelenkte Licht reicht aus, um den Torus zu beleuchten, die Pflanzen im Inneren des Rings wachsen zu lassen und die Station mit Energie zu versorgen.

Keine reine Fanasie...
So fantastisch diese Zukunftsentwürfe auch klingen mögen, ein Teil der technischen Details, die die Sommerworkshop-Teilnehmer erarbeiteten, bilden auch heute noch die Basis für Raumfahrtentwürfe der Zukunft. Die Idee, Rohstoffe des Mondes und der Asteroiden als Baumaterialien zu nutzen, findet ihren Nachklang in Initiativen wie dem Artemis-Projekt, in dem private Unternehmen und Organisationen eine kommerzielle Nutzung des Mondes vorantreiben und unterstützen wollen. Die NASA selbst bezieht den Mond als Rohstofflieferanten und Stützpunkt für eine eventuelle Marskolonie mit ein und auch das Prinzip der Baustelle im All wird momentan bei der internationalen Raumstation ISS realisiert.

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