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Sonntag, 12.02.2012
Nordsee ist Mordsee
Küste meldet "Land unter"

Deichbruch 
Deichbruch
© THW
Nur selten hat der "Blanke Hans" die Menschen im 20. Jahrhundert so in Panik versetzt wie im Jahr 1962. Mehr als 100 Jahre relative Ruhe seit der Überschwemmungskatastrophe von 1825 ließen damals Nordseeanrainer und Behörden unvorsichtig und träge werden. Zudem hatte man nach der "Hollandflut" im Jahr 1953, die große Teile der niederländischen Küste verwüstete, in Deutschland noch die Deiche und andere Küstenschutzsysteme modernisiert und verbessert. Was sollte also passieren??

Es kam, wie es kommen musste. Ein Sturmtief, das einige Tage zuvor bei Neufundland entstanden war, zog im Februar 1962 über Island Richtung Skandinavien. Schließlich drehte der Wind auf Nordwest und wurde zum Orkan. Mit Windgeschwindigkeit von mehr als 150 Kilometern pro Stunde fegte er am 16./17.Februar 1962 über die Nordsee und trieb gewaltige Wassermassen auf die Nordseeinseln und die Küste zu. Die Wellen erreichten Rekordhöhen, an den Pegeln wurden in vielen Orten Wasserstände wie nie zuvor gemessen.

Überall brachen die Deiche - allein in Niedersachsen an 61 Stellen - oder wurden auf Kilometerlänge beschädigt, die Wassermassen überfluteten Orte wie Itzehoe, Elmshorn und Uetersen, Hafenmauern und Strandpromenaden gingen zu Bruch, Wellenbrecher rissen sich los und wurden zu gefährlichen Geschossen, Schiffe wurden auf den Strand gesetzt: Die Folgen dieser Orkanflut waren verheerend. In vielen Küstenregionen und auf den Nordseeinseln mussten sich die Menschen vor den Wassermassen in höher gelegene Gebiete retten. Wie durch ein Wunder gab es trotzdem kaum Todesopfer zu beklagen. Der Sachschaden jedoch lag in Milliardenhöhe.

Nordsee ist Mordsee
Noch schlimmer als an der restlichen Küste sah es in der freien Hansestadt Hamburg aus. Hier hatten die Wassermassen am heftigsten getobt. Der Nordweststurm trieb das Nordseewasser mit enormer Kraft in die Elbmündung hinein und staute den Fluss immer weiter auf. Das von der Quelle nachströmende Flusswasser konnte nicht abfließen und verschlimmerte das Hochwasser noch weiter.

Die Pegel im ganzen Stadtgebiet stiegen in kürzester Zeit immer höher. Bei 3,25 Meter über dem mittleren Tidehochwasser blieben sie letztlich stehen. Werte wie sie nie zuvor gemessen wurden. Die meisten Hamburger wurden von der Sturmflut überrascht und aus dem Schlaf geholt. Die Warnung über Rundfunk und Fernsehen war einfach zu spät gekommen.

Schließlich brachen an vielen Stellen auch hier die Deiche - insgesamt wurden schließlich 60 Fälle gemeldet - und 200 Millionen Kubikmeter Wasser strömten in die Marschen des Alten Landes oder bei Hamburg-Veddel und in das Stadtgebiet selber. Mehr als 15 Prozent von Hamburg meldeten am Ende "Landunter", 100.000 Menschen hatten mit den Folgen der Flut direkt zu kämpfen, 30.000 hatten ihre Wohnungen verloren.

Am Ende waren 317 Toten beklagen. Die meisten davon auf der Elbinsel Wilhelmsburg, die nach einem Dammbruch von den Wassermassen völlig überflutet worden war. Die Sachschäden lagen bei einer Milliarde Euro.

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