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Montag, 21.05.2012
Wehe wenn Nebel sauer wird
Weitere Auslöser für Baumerkrankungen

Auch saurer Nebel scheint für den Wald eine potentielle Gefahr darzustellen. Und zwar in einem viel größerem Umfang als bisher angenommen. Dies haben im Jahr 2001 Wissenschaftler der Universität Bern in einer neuen Studie belegt. Sie konnten nicht nur genau bestimmen, welche Wassermenge über den Nebel in einen Wald gelangt. Sie haben auch den pH-Wert und die genaue Konzentration der im Nebel enthaltenen Schadstoffe präzise bestimmen.

Als sie die neuen Ergebnisse mit Messungen aus den 1980er Jahren verglichen, ergaben sich überraschende Resultate: Die aktuellen Schwefel- und Stickstoffkonzentrationen im Nebel lagen deutlich über denen von vor 20 Jahren und hatten ihn noch saurer gemacht. Woher dieser Anstieg der Schadstoffe trotz verbesserter Filtertechnik in den Kraftwerken und Industriebetrieben stammt, ist noch nicht endgültig geklärt.

Für die höheren Stickstoffwerte könnte nach Ansicht der Berner Geografen aber eine starke Zunahme des Straßenverkehrs seit 1990 verantwortlich sein. Die enormen Schwefelkonzentrationen führen die Wissenschaftler dagegen auf die unmittelbare Nähe zum Großraum Zürich mit seinem gut ausgelasteten Flughafen zurück.

Sonnenlicht erzeugt brisantes Gas
Das so genannte bodennahe Ozon ist ein weiterer Faktor, der bei der Entstehung von Waldschäden eine wichtige Rolle spielt. Es entsteht immer dann in größeren Mengen, wenn Stickoxide mit Sauerstoff unter dem Einfluss des Sonnenlichts reagieren.

Der Rohstoff einer solchen photochemischen Reaktion ist das Stickstoffdioxid, der „Motor" des Prozesses ist die Sonne. Sie liefert die Energie, die gebraucht wird, damit von Stickstoffdioxid (NO2) zunächst ein Sauerstoffatom abgespalten werden kann. Dieses einzelne Atom ist sehr reaktiv, sobald es auf ein normales zweiatomiges Sauerstoffmolekül trifft, verbindet es sich mit ihm und es entsteht O3 - Ozon.

Das Ozon ist wie die Säuren an der Zerstörung der Wachsschicht der Blätter und Nadeln beteiligt. Es behindert mit ihnen zusammen aber auch die Funktionsfähigkeit der winzigen Spaltöffnungen. Diese sind in großen Mengen über das Blatt verteilt und bewerkstelligen den Sauerstoff- sowie CO2-Austausch zwischen Blatt und Atmosphäre. Dabei geben sie auch Wasserdampf in die Umgebungsluft ab.

Defekte Spaltöffnungen sind aber nicht mehr in der Lage sich je nach Bedarf zu öffnen und zu schließen und so den Wasserverbrauch regulieren. Ergebnis: Die Blätter verdunsten vor allem an heißen und trockenen Tagen viel zu viel Wasser. Reicht der Nachschub aus dem Boden nicht aus, droht die Austrocknung und die Blätter vertrocknen mit der Zeit.

Neues Projekt will Auswirkungen von Ozon klären
In den letzten Jahren ist die Konzentration des bodennahen Ozons in Deutschland und auch in Österreich immer weiter angestiegen. "Ozon ist ein schlafender Tiger. Die Belastung steigt kontinuierlich an, aber alle Auswirkungen auf den Stoffwechsel der Bäume und damit auf den Holzuwachs – die Verdickung des Stammes in Brusthöhe – sind noch immer nicht genau erfassbar; das wird sicher noch eine Wissenschaftergeneration dauern.", sagt der Pflanzenphysiologe Professor Harald Bolhar-Nordenkampf von der Universität Wien.

In einem neuen Forschungsprojekt will er deshalb zusammen mit Kollegen klären, wie Bäume und speziell die Fichte auf höhere Ozonbelastung im Detail reagieren. Ziel ist es aber auch zu klären, welche Baumschäden konkret aus der Ozonbelastung resultieren. "Es ist ein Trugschluss zu denken, dass trotz steigender Ozonbelastung Fichten einen geringeren Zuwachs zeigen. Bis jetzt haben wir herausgefunden, dass der Zuwachs etwa durch die erhöhte CO2-Konzentration und höhere Temperaturen, aber auch durch Blattdüngung über die Stickoxide der Luft nicht messbar verringert ist, obwohl viele Bäume aufgrund der permanenten Ozonbelastung eigentlich krank sind", so Bolhar-Nordenkampf.

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