Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 21.05.2012
Waldsterben überlebt…
…aber der Stress bleibt

Mischwald am Rursee 
Mischwald am Rursee
© Andreas Heitkamp  Mischwald am Rursee
Trotz aller Unkenrufe vor allem in den 1980er und 1990er Jahren hat der deutsche Wald das prognostizierte Waldsterben bis heute nicht nur problemlos überlebt, sondern ist dabei in den letzten Jahren sogar noch erheblich weiter gewachsen.

Unumstritten jedoch ist, dass die Bäume trotz aller Anstrengungen im Umweltschutz noch immer Stress haben, der zu schwerwiegenden Schäden führt. „Die durch Luftverschmutzung verursachten Stoffeinträge, insbesondere die Stickstoffeinträge und die Ozonbelastung, sind trotz Erfolgen in der Luftreinhaltung immer noch zu hoch. Nach wie vor werden auf nahezu allen Messflächen im Wald die kritischen Werte (Critical loads) für Stickstoff- und Säureeinträge überschritten.“, resümierte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Peter Paziorek, bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2005 am 24. Januar 2006.

Doch das ist noch längst nicht alles: „Auch die kritische Ozon-Konzentration, bei deren Überschreitung nach aktuellem Kenntnisstand mit direkten negativen Auswirkungen auf Waldbäume zu rechnen ist (Critical level), wird großräumig überschritten. Zudem stellen die in den Waldböden bereits über Jahrzehnte akkumulierten Stoffeinträge eine latente Gefahr für die Qualität der Waldböden und des Grundwassers dar“, so Paziorek weiter.

Nicht ganz gesund und nicht gänzlich krank
Doch wie krank oder gesund ist der Wald nun tatsächlich? Hat er mittlerweile das Schlimmste überstanden? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander. „Wenn die Bundesregierung nicht schnell die gesetzlichen Weichen in Richtung einer stabilisierenden Waldbehandlung stellt, werden sich die negativen Waldzustandsberichte in einigen Jahren mangels Wald von selbst erledigt haben“, behauptete beispielsweise NABU-Präsident Olaf Tschimpke noch am 24.01.2006.

 Bergwald
Bergwald
© Harald Frater  Bergwald
Professor Ernst Hildebrand vom Institut für Bodenkunde und Waldernährung der Universität Freiburg hält solchen Unkenrufen in einem Beitrag für den Deutschlandfunk im Jahr 2004 entgegen: „Die Zeit des Waldsterbens ist in der Tat vorbei, die ist auch Gott sei Dank nicht in Sicht. Dennoch würde ich sagen, haben wir den Patient Wald nach wie vor.“

Und weiter: „Ich will es mal in einen Vergleich kleiden: Wenn wir es an der Ressource messen, dann ist der Wald gesund, wenn wir es an den Funktionen messen, dann ist er krank. Das ist genau so wie ein Mensch, der sich gesund fühlen kann, krank ist, oder zumindest einen Defekt hat, wenn er seinen Blutdruck misst, und feststellt, der ist zu hoch. Dann wird der Arzt sagen: Du hast da einen gewissen Defekt, und da muss man was tun. Ich denke: In einer ähnlichen Situation sind wir mit unseren Wäldern: Gewisse Funktionen sind nicht so, wie sie sein sollten.“

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Übersicht
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Waldsterben - das Update
Wie aussagekräftig ist der Waldzustandsbericht?
Dicke Luft über Deutschland
Wie das Waldsterben begann
Waldzustand: besorgniserregend
Die neuesten Zahlen
Wertvolles Instrument oder unbrauchbare Methode?
Pro und Contra Waldzustandsbericht
Waldzustandsbericht ade
Streit um den jährlichen Report
Dünger aus der Luft
Warum Schadstoffe auch nutzen können
Waldsterben überlebt…
…aber der Stress bleibt
Neuer Feind in Sicht
Klimawandel bedroht Bäume
Klimawandel baut Wälder um
Erste Maßnahmen zur Anpassung an Trockenheit und Hitze
Saurer Regen als Baumkiller?
Ursachen von Waldschäden
Wehe wenn Nebel sauer wird
Weitere Auslöser für Baumerkrankungen
Top-Diaschauen
Tiefseegräben
Bernstein
GAU in Fukushima
Das Geheimnis der Elemente
Weltraumschrott
Aktuelle Dossiers
Neutrinos
Den Geisterteilchen auf der Spur
Der unsichtbare Baumeister
Wind als Urheber von Staubstürmen, Singdünen und Felskulpturen
Der virtuelle Patient
"Gesundheit 2050" - Preisgekrönter Beitrag zum Essay-Wettbewerb
Informationsspeicher Gehirn
Den Mechanismen des Lernens auf der Spur
Titanic: Untergang eines Mythos
Spurensuche hundert Jahre nach der Katastrophe
Kräfte zwischen Kern und Kruste
Der Entstehung des Süddatlantik auf der Spur
Lego mit Lebensbausteinen
Was ist synthetische Biologie?
Bestens eingefügt
Anpassung an einen Lebensraum – die Schleiereule als Modelltier
Die zivilen Verwandten der Seekrieger
Ein echter Knochenjob
CeBIT 2012
Neues aus der Welt des digitalen Arbeitens und Lebens