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Montag, 21.05.2012
Daumen hoch für Offshore-Windergie?
Langzeitstudie findet nur geringe Auswirkungen auf Meeresökosysteme

Ein Windpark entsteht 
Ein Windpark entsteht
© Bundesverband WindEnergie  Ein Windpark entsteht
Windparks auf dem Meer haben kaum negative Folgen für Vögel, Fische und Meeressäuger und sind deshalb ökologisch vertretbar: Dies ist das wichtigste Fazit einer achtjährigen Studie, die im Gebiet der dänischen Offshore-Windparks Horns Rev und Nysted durchgeführt wurde. Die beiden Vorzeigeobjekte mit einer installierten Leistung von 160 und 165,6 Megawatt (MW) sind derzeit noch immer die weltweit größten Windparks überhaupt.

Die erste Langzeituntersuchung weltweit zu den Auswirkungen der Offshore-Windenergie auf die Meeresökosysteme im Auftrag der Danish Energy Authority (DEA), der Danish Forest & Nature Agency, Dong Energy und Vattenfall umfasste den Zeitraum von 1999 bis 2006.

Kurskorrekturen bei Vögeln
Die Ergebnisse, die die Wissenschaftler am 27. und 28. November 2006 auf einer internationalen Konferenz im dänischen Ellsinore vorstellten, sorgten für Rückenwind in Sachen Offshore-Windenergie. So kommt es beispielsweise nur ganz selten zu fatalen Zusammenstößen von Wasservögeln mit den Anlagen. Dies hätten Untersuchungen mithilfe eines thermischen Tierortungssystems und per Radar ergeben. Typisch war dabei die Unfallstatistik für die Eiderenten. Gerade mal 40 bis 50 Tiere wurden jährlich in Nysted von den Windrädern getötet. Zum Vergleich: 70.000 Eiderenten sterben im gleichen Zeitraum allein in Dänemark bei der Jagd.

 Zugvögel
Zugvögel
© IMSI MasterClips
Um sich vor möglichen Gefahren durch die drehenden Rotorblätter zu schützen, haben viele Wasservögel erstaunliche Anpassungen im Verhalten entwickelt. So umgehen manche Arten das Gebiet der Windfarmen nach Möglichkeit völlig. Dazu korrigieren sie die Flugrichtung bereits dann, wenn sie noch viele Kilometer von den Turbinen entfernt sind. Andere dagegen verringern ihre Flughöhe, wenn sie die Windparks passieren, um die tödlichen Kollisionen zu vermeiden.

Auch Fische und Robben bleiben treu
Ähnlich positive Ergebnisse brachte die Fischbeobachtung an beiden Windfarmen. Laut dem Report haben sich die Populationen durch den Bau der Anlagen kaum verändert. Die Fische zeigten allerdings Reaktionen auf die elektromagnetischen Felder, die von den Seekabeln ausgingen. Manche fühlten sich davon angezogen, andere vermieden es, zu nah an die Kabeltrasse heran zu schwimmen.

Auch die Studien bei Meeressäugern brachten kaum negative Auswirkungen zu Tage. So fanden die Wissenschaftler bei Kegelrobben „keine grundsätzlichen Veränderungen des Verhaltens an Land oder im Meer, die auf den Bau und den Betrieb der Windfarmen zurückgeführt werden konnten“.

Schweinswale ziehen sich zurück
Deutlich unterschiedlich waren dagegen die Reaktionen der Schweinswale auf die vielen Dutzend Windkraftanlagen an den beiden Standorten. Während die Meeresforscher in Horns Rev nur ein leichtes Sinken der Zahlen in der Bauphase registrierten, sah dies in Nysted anders aus. Hier gingen die Populationen während der Installation und danach zunächst spürbar zurück. Mittlerweile jedoch gibt es auch dort Hinweise auf ein leichtes Erholen der Bestände.

Keine Entwarnung in Sicht
Doch trotz dieser erstaunlich positiven Forschungsergebnisse, die einige Bedenken von Umweltschutzorganisationen zerstreut haben, geben Ökologen in Sachen Offshore-Windenergie noch keine Entwarnung. Unklar ist beispielsweise, ob die Ergebnisse aus Horns Rev und Nysted auf andere geplante Standorte einfach übertragen werden können.

Sorgen macht den Umweltschützern und Wissenschaftlern darüberhinaus, ob die sensiblen Meeresökosysteme nicht doch Schaden nehmen, wenn die Zahl der Offshore-Windparks in Zukunft sprunghaft ansteigt und sich die Störungen wie Lärm mit der Zeit summieren. Noch vorhandene Wissenslücken sollen deshalb in Zukunft durch weitere umfangreiche Forschungsprogramme geschlossen werden.

Fazit
 Windpark
Windpark
© DOE/NREL  Windpark
Bei allen Diskussionen um die Windräder auf dem Meer, scheint eines heute schon klar: An der Offshore-Windenergie geht letztlich kein Weg vorbei, wenn es darum gehen soll, die deutschen oder die internationalen Klimaschutzziele zu erreichen. Schon deshalb hat diese Art der Stromproduktion ihren Platz innerhalb des Energiemix der Zukunft wohl sicher. Denn so Greenpeace in einem Resümee: "Insgesamt stellt die Offshore-Windenergie eine Energieform dar, die im Rahmen einer zukünftigen nachhaltigen Energieversorgung nicht fehlen darf.“

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