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Donnerstag, 02.09.2010
Lungenkrebs durch „Raucher-Vitamin“
Verwirrspiel um das Beta-Carotin

Ob wir es wollen oder nicht – um Beta-Carotin kommen wir kaum herum. Die Vorstufe des Vitamin A ist in zahlreichen Gemüsen und Früchten wie Karotten, rotem Paprika, Spinat, Mangos oder Aprikosen von Natur aus enthalten. Varianten dieses Pflanzenfarbstoffs werden jedoch auch von der Lebensmittelindustrie gerne verwendet, denn er sorgt dafür, dass Butter und Margarine schön gelb aussehen und gibt bunten Limonaden ihre Farbe.

Möhren enthalten Beta-Carotin 
Möhren enthalten Beta-Carotin
© USDA  Möhren enthalten Beta-Carotin
Doch Beta-Carotin färbt nicht nur, es ist auch lebensnotwendig. Der Köper braucht dieses und andere Carotinoide für Haut und Augen, für Wachstum und Knochenentwicklung. Die Frage ist allerdings, wie viel davon brauchen wir wirklich? Lange Zeit wurde Beta-Carotin, oft gemeinsam mit Vitamin A und E, als „Raucher-Vitamin“ vermarktet. Bis zu 20 Milligramm des antioxidativen Wirkstoffs, täglich eingenommen, sollten vorbeugend gegen Bluthochdruck und vor allem gegen Lungenkrebs helfen.

Mehr Krebs bei Rauchern
Aber stimmt das auch? Genau das wollten in den 1990er Jahren gleich zwei große Erhebungen, die ATBC-Studie in Finnland und die CARET-Studie in den USA, herausfinden. Mehr als 29.000 männliche Raucher in Finnland und 18.000 männliche Raucher und Asbestarbeiter in den USA erhielten entweder ein Placebo oder aber Dosierungen von 15 bis 30 Milligramm Beta-Carotin pro Tag – teilweise in Kombination mit Vitamin E oder A. Die Wissenschaftler erwarteten in beiden Fällen eine positive Wirkung auf das Lungenkrebsrisiko bei diesen Hochrisikopatienten.

 Rauchen und die Folgen
Rauchen und die Folgen
© National Cancer Institute
Doch das Gegenteil geschah: In der ATBC-Studie stieg die Häufigkeit von Lungenkrebs in der mit Beta-Carotin behandelten Probandengruppe um 18 Prozent, in der CARET-Studie sogar um 28 Prozent. Bei letzterer erhöhten sich auch die Todesfälle durch Herz-Kreislauferkrankungen dramatisch um fast ein Viertel. Aufgeschreckt durch diese Ergebnisse brachen die Forscher die CARET-Studie 21 Monate vor ihrem geplanten Ende ab – einem solchen Gesundheitsrisiko wollten sie ihre Versuchsteilnehmer nicht länger aussetzen.

Obergrenzen uneinheitlich und ungeklärt
Die physiologischen Hintergründe für dieses erschreckende Ergebnis sind allerdings bis heute nur in Teilen verstanden. Warum das Beta-Carotin bei den Rauchern eine so fatale Wirkung entfaltet, ist noch unklar. Ebenso, ob bei extrem hohen Dosierungen auch Nichtraucher gefährdet sein könnten. Und auch die Frage, ob synthetisches Beta-Carotin vielleicht anders wirkt als natürliches, bleibt weitestgehend unbeantwortet.

Dennoch existieren inzwischen in vielen Ländern empfohlene oder sogar gesetzlich verordnete Höchstmengen für Beta-Carotin in Nahrungsergänzungsmitteln und -zusätzen. In der EU allerdings gibt es bisher keine einheitlichen Obergrenzen. Für Arzneimittel gilt in Deutschland seit dem 1. Mai 2006 eine Verordnung, nach der Medikamente mit mehr als 20 Milligramm Beta-Carotin einen Warnhinweis für Raucher tragen müssen.

Deutsche Grenzwerte für Nahrungszusätze existieren dagegen nicht - weil aus Tierversuchen oder klinische Studien bisher keine eindeutige Dosis-Wirkungs-Beziehung abgeleitet werden könne, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Stellungnahme erklärt. Das Institut empfiehlt jedoch, die Höchstmenge von zwei Milligramm pro Tagesverzehrdosis eines Nahrungsmittels nicht zu überschreiten. Angesichts der Tatsache, dass schon ein Glas ACE-Saft rund zwölf Milligramm Beta-Carotin enthält, kein besonders leicht umzusetzender Rat…

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