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Donnerstag, 02.09.2010
Pi ist Kult
Von Pi-Clubs, Pi-Gedichten und anderen Kuriositäten

3,1415… - so weit können die meisten von uns die Dezimalstellen von Pi gerade noch rezitieren. Dann allerdings hört es meist auch schon auf. Für die Mitgliedschaft in einem der zahlreichen Pi-Clubs weltweit wären wir damit leider absolut unterqualifiziert. Denn hier sind mindestens 100 Stellen aus dem Kopf gefragt, bei einigen sogar 1.000 Stellen. Ihr Motto: „Pi fördern, feiern und verbreiten“.

Pi als Mosaik vor dem Forschungszentrum Matheon 
Pi als Mosaik vor dem Forschungszentrum Matheon
© GFDL  Pi als Mosaik vor dem Forschungszentrum Matheon
„Viele Leute fragen mich, warum ich so verrückt bin, in meiner Freizeit Pi zu memorieren“, erklärt der Amerikaner Benjamin Yang im Forum einer Internetseite für Pi-Enthusiasten. „Ich finde es einfach faszinierend, dass mit aller unserer fortgeschrittenen Mathematik wir noch nicht einmal etwas so Einfaches wie das genaue Verhältnis des Kreisumfangs zu seinem Durchmesser bestimmen können.“ Ein anderer antwortet auf die Frage nach dem Warum seiner Begeisterung für Pi: „Einfach weil es sie gibt.“

Pi als Gedicht
Wie aber merkt man sich diese Menge an völlig zufälligen Zahlen? Die meisten Gedächtniskünstler nutzen dafür spezielle Memotechniken. So bilden sie die Zahlen im Geiste als Wegstrecke mit Haltepunkten ab, oder assoziieren zu jeder Ziffer ein Bild, Wort oder eine Geschichte.

 Beginn des Gedichts
Beginn des Gedichts "Near a Raven"
© Mike Keith  Beginn des Gedichts
Sehr viel origineller ging Mike Keith zu Werke. Er produzierte das Gedicht „Near a Raven“, das die ersten 740 Stellen von Pi in Worte übersetzt – die Anzahl der Buchstaben jedes Wortes entspricht dabei der entsprechenden Ziffer. Dabei gelingt Keith das Kunststück, den Rhythmus und die Stimmung des als Vorbild dienenden Gedichts von Edgar Allen Poe weitgehend beizubehalten. Inzwischen hat er nach ähnlichem Muster eine Kurzgeschichte geschrieben, die sogar 3.835 Nachkommastellen von Pi kodiert.

Die  
Die "Lady in Pi"
© Mike Keith  Die
Lady in Pi
Richard Lawrence, ein weiterer Pi-Enthusiast, wandelte die Pi in Binärcode um und ordnete die resultierende Reihe aus Nullen und Einsen spiralförmig in einem sechseckigen Gitter an. Nachdem er alle Einsen dunkel gefärbt hatte, schienen die hellen Bereiche ein Gesicht zu ergeben. Er füllte die hellen Bereiche jeweils bis zu einer durchgezogenen „Grenze“ aus dunklen Pixeln mit drei verschiedenen Farben auf und enthüllte das leicht verzerrte, aber erkennbare Abbild einer Frau – die Lady in Pi.

Ein Tag zu Ehren von Pi
Ihren Höhepunkt erreichen die Pi-Aktivitäten alljährlich am 14. März genau eine Minute vor 14 Uhr. Warum? Auch hier ist wieder Zahlenspielerei am Werk: In amerikanischer Schreibweise entsprechen Datum und Uhrzeit der Abfolge 3/14 1:59.

Initiiert hat den Pi-Day der Physiker Larry Shaw im Jahr 1987 am Exploratorium in San Francisco, dem ersten wissenschaftlichen Mitmachmuseum weltweit. Aus seiner Faszination für Rotationsbewegungen aller Art entsprang die Idee, den Tag des Pi durch besondere Aktionen wie das feierliche Umkreisen einer Plakette mit den ersten hundert Ziffern von Pi und Vorleseaktionen zu begehen. Inzwischen ist die Idee so etabliert, dass sich weltweit Pi-Fans aber auch Institutionen daran beteiligen. Es gibt Pi-Memorier-Wettbewerbe, Kunstwerke mit Pi-Motiv, Vorleseaktionen an ungewöhnlichen Orten und natürlich auch Vorträge über die mathematischen Besonderheiten der Kreiszahl. Selbst in der virtuellen Welt von Second Life wird eine Pi-Day Feier stattfinden.

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