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Sonntag, 12.02.2012
Eine Mücke bringt den Tod
Malaria - noch immer kein Heilmittel

Anopheles-Mücke beim Stich 
Anopheles-Mücke beim Stich
© CDC
Mit einem hellen Summen landet die Mücke auf der Schulter des Schlafenden. Ihre zu einem Stechrohr geformten Mundwerkzeuge bohren sich tief in die Haut - bis sie auf Blut stößt. Während sie saugt, gelangt - von Mücke und Mensch unbemerkt - ein Malaria-Erreger aus ihrer Speicheldrüse in die Blutbahn. Kurz darauf ist die Anophelesmücke gesättigt und fliegt davon. Die Sporozoiten bleiben im Blut des Menschen.

Hier werden sie innerhalb der nächsten Stunden in die Leber gelangen, sich ungeschlechtlich vermehren und dann - sechs bis zehn Tage später - erneut ins Blut ausschwärmen. Die Parasiten werden rote Blutkörperchen besiedeln, sich dort explosionsartig vermehren und die Zellen zum Platzen bringen. Der menschliche Wirt plagt sich zu dieser Zeit mit Fieberanfällen. Lebt er in Afrika, wird er mit relativ großer Wahrscheinlichkeit sterben. An Malaria.

Die tödlichen Folgen eines Mückenstichs
Obwohl diese Krankheit schon seit Tausenden von Jahren auftritt, sterben trotzdem jährlich noch eine Million Menschen daran. Oder anders ausgedrückt: Alle 15 Sekunden stirbt weltweit ein Mensch an den Folgen eines Mückenstichs. Rein statistisch gesehen gab es also schon einen Todesfall, während Sie diesen Text hier lesen. Und das in einem Zeitalter der Marsmissionen, Genomentschlüsselung und der künstlichen Herzklappen. Wie kann das sein?

Sicher gibt es mehrere Gründe. Einerseits sind die Malariaerreger sehr schwer zu bekämpfen. Da es sich um Protozoen (Plasmodien) handelt, kommt eine Bekämpfung mit Antibiotika nicht in Frage. Erschwerend kommt hinzu, dass sie ständig ihre Oberfläche verändern können. Das Immunsystem erkennt dann die neuen Formen nicht mehr. Durch diese Tarnungsmanöver schafft es der Erreger immer wieder, die Körperabwehr zu unterlaufen und hundert Jahre Malariaforschung unbeschadet zu überstehen.

Um diese Probleme zu umgehen, startete die WHO in den 60er und 70er Jahren ein Programm, um zumindest den Zwischenwirt des Erregers, die Anophelesmücke, zu eliminieren. Aber einige trockengelegte Sümpfe und etliche Kubikliter Insektenvernichtungsmittel später musste man sich eingestehen, dass das Insekt nicht tot zu kriegen war. Dabei hatte man sogar Bergsteiger engagiert, um auch entlegene Bergspitzen mit dem Gift einzunebeln. Keine Mücke sollte entkommen. Doch einige der Insekten überlebten, weil sie ein Enzym besaßen, das das Gift abbaute. Schnell bildeten sie resistente Kolonien und vermehrten sich wieder.

Ein weiteres Problem stellt sicherlich die Tatsache dar, dass Malaria vor allem in armen Ländern grassiert. 1997 hat Hoffmann-LaRoche als letzte der großen Firmen die gesamte Tropenforschung eingestellt. Kein Wunder, denn westliche Pharma-Unternehmen versprechen sich keine allzu hohen Gewinne, wenn es ihnen nach jahrelanger Forschungsarbeit tatsächlich gelingen sollte, ein Medikament herzustellen. Wieviele der Betroffenen könnten sich das schon leisten?

Diese Rechnung geht jetzt möglicherweise nicht auf. Im Zuge der globalen Erwärmung verschwindet zunehmend der einzige Grund, warum es Malaria in Deutschland nicht gibt - das kühle Klima. Bei Temperaturen unter 15 Grad können sich die Sporozoiten in der Mücke nicht vermehren. Zwischenwirte gäbe es auch hier genug, denn jede zweite Stechmücke weltweit gehört zu der Gattung Anopheles. Wäre es in Deutschland also ein paar Grad wärmer, würden einige rückkehrende Tropenurlauber mit Malaria genügen und die Seuche könnte sich blitzschnell ausbreiten.

Malaria im Reisegepäck
Schon jetzt reist in jedem zweiten rückkehrenden Flugzeug schätzungsweise ein infizierter Urlauber mit. Vor allem Last-Minute-Reisende, die keine Zeit oder Lust haben, sich vor dem Flug ausreichend zu impfen, laufen Gefahr, die Krankheit als unfreiwilliges Souvenir mitzunehmen. Jährlich werden etwa 1.000 Malariafälle in Deutschland registriert, 20 bis 30 Menschen sterben daran - in unseren gut ausgerüsteten Krankenhäusern unter der Aufsicht von medizinischem Fachpersonal.

Grund genug, einen wirksamen Impfstoff zu finden. Aber in dieser Richtung gibt es kaum neue Entwicklungen. Fast alle verwendeten Malaria-Medikamente sind schon so alt, dass sie in Rente gehen könnten. Chinin etwa, den Klassiker, gibt es schon seit 1820, Chloroguin stammt aus dem Jahr 1934. Gegen viele der eingesetzten Medikamente sind die Erreger inzwischen immun, etwa gegen Resochin. Neue Hoffnung wurde immer wieder geschürt, neue Medikamente - etwa ein neuartiger Impfstoff des kolumbianischen Forschers Manuel Patarroyo - wurden getestet. Bisher zeigte allerdings noch keines die gewünschte Wirkung.

Also keine neuen Medikamente in Sicht. Statt dessen plant die WHO, in den nächsten fünf Jahren ein Anti-Malaria-Programm der ganz anderen Art. Mit Insektenschutzmitteln behandelte Moskitonetze sollen in den am stärksten betroffenen Regionen verteilt werden. Eine Methode, die im Zeitalter der Gentechnik eher antiquiert erscheint und die Hilflosigkeit deutlich macht, mit der die Menschheit noch immer dieser Seuche gegenübersteht.

Einen Hoffnungsschimmer immerhin gibt es: In einer Anopheles-Gattung, Anopheles gambiae, können sich die Parasiten nicht fortpflanzen. Wissenschafter fanden heraus, dass die Plasmodien im Darm von einer dunkelbraunen, melaninreichen Substanz umhüllt werden und absterben. Diese Resistenz will sich die Gentechnik nun zunutze machen. Forscher rechnen allerdings frühestens in zehn Jahren mit ersten Erfolgen. Bis dahin hilft wohl doch am ehesten das gute alte Moskitonetz.

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