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Sonntag, 12.02.2012
Mit Moby Dick auf Rekordjagd
Auch Säugetiere haben die Tiefsee erobert

Bei 3000 Meter steht der Säugetierrekord im Tieftauchen. Die Pottwale halten ihn und sind dabei ohne Konkurrenz. Allerdings ist es bisher noch nie einem Menschen gelungen, die riesigen Meeressäuger auf ihren ausgedehnten Tauchgängen zu verfolgen. Vielleicht kann Moby Dick in Wahrheit ja noch viel weiter in die Tiefsee hinab tauchen. Zwei Stunden ohne zu atmen können die mächtigen Kolosse auf der Jagd nach ihrer "Leibspeise", den Riesenkalmaren der Gattung Architeuthis, in den kalten, lichtlosen Tiefen der Meere bleiben.

Höchstleistungen im Tauchen
Geradezu armselig muten dagegen die menschlichen Höchstleistungen beim Tauchen an. Ein Mensch hält es maximal zwei Minuten ohne Luft zu holen unter Wasser aus. Und der menschliche Tieftauchrekord ohne Atemmaske liegt bei knapp über 90 Metern. Aber es sind ja nicht nur die Pottwale, die den Menschen mit ihren Bestleistungen klar übertreffen. Auch andere tauchende Säugetiere erreichen fantastische Ergebnisse. So können beispielsweise Weddell-Seehunde bis zu 600 m tief und 45 lang tauchen. Andere Robbenarten erreichen immerhin noch problemlos die 250 Metermarke.

Phänomenaler Moby Dick
Es gibt viele Fragen, die sich in diesem Zusammenhang förmlich aufdrängen: Warum kann ein Pottwal den enormen Druck von 300 Atmosphären - das entspricht einer Belastung von 300 Kilogramm pro Quadratzentimeter - in 3000 Meter Tiefe aushalten, wenn der Mensch schon bei 100 Metern und 10 Atmosphären Druck "schlapp" macht? Wie schützt sich der Pottwal vor der Kälte der Tiefsee? Auf welche Art und Weise versorgt er sich während der langen Tauchzeit mit Sauerstoff?

Auf viele dieser Probleme haben die Wissenschaftler heute eine Antwort parat. Die tauchenden Tiere haben im Laufe der Evolution eine gravierende Spezialisierung durchlaufen. Zum Beispiel können sie eine für den Menschen gefährliche hohe CO2-Konzentration im Blut problemlos ertragen. Weit mehr als 10 Prozent Kohlenstoffdioxid in der Ausatemluft nach dem Tauchen können bei Ihnen nachgewiesen werden. Werte, bei denen ein Mensch in Teilnahmslosigkeit verfallen oder sogar das das Bewußtsein verlieren würde.

Tauchende Säugetiere können sich darüberhinaus beim Vorstoß in größere Wassertiefen in reine Herz-Lungen-Gehirn-Maschinen verwandeln und dabei den nur in geringen Mengen mitgeführten Sauerstoff für die lebenswichtigen Körperorgane reservieren. Große Teile der Muskeln und der Haut werden kaum mehr durchblutet und so fast vollständig von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten. Würde man diese Muskelbereiche anstechen, käme kein Tropfen Blut zum Vorschein. Um Sauerstoff zu sparen, senken die Tiere zudem die Schlagfrequenz des Herzens stark und reduzieren damit den Blutstrom.

Die notwendige Begrenzung des mitgeführten Sauerstoffs hat für die Pottwale einen riesigen Vorteil: die Stickstoffanreicherung in den Geweben bleibt während des Tauchvorgangs gering. Die Tiere entgehen damit der tödlichen Gefahr der Bläschenbildung beim schnellen Auftauchen. Tauchkrankheiten wie sie beim Menschen häufig auftreten, wenn sie unkontrolliert aus großen Tiefen aufsteigen sind somit ausgeschlossen.

Kollabierende Lungen und Sauerstoffvorrat
Auch das Problem der hohen Druckbelastung haben die tiefenangepassten Tiere auf erstaunlich einfache und elegante Weise gelöst. Da sowohl Körperflüssigkeiten als auch Knochen und Gewebe kaum komprimierbar sind, bedroht der hohe Druck normalerweise vor allem die Körperhohlräume. Während der Mensch mit seinem starren Brustkorb und den Körperhohlräumen im Kopf ab einer gewissen Wassertiefe vom Drucktrauma bedroht ist, besteht diese Gefahr bei den Tieren nicht. Die Lungen können bei steigendem Druck vollständig kollabieren, da die Vorderseite des Brustkorbs nicht von Rippen eingeschlossen ist. Die verbleibenden Hohlräume sind enorm stabil gebaut und können teilweise sogar beim Abtauchen vollständig abgeschlossen werden.

Der mitgeführte, lebensnotwendige Sauerstoff wird deshalb auch nur zu einem Drittel im Luftvorrat der Lunge gespeichert. Den Rest können Pottwale in verschiedene andere Körperpartien auf Vorrat einlagern. Vor allem das Blut und die Muskulatur werden reichlich mit Sauerstoff beladen. Ein deutlich höheres Blutvolumen als bei vergleichbaren Landtieren und die Fähigkeit des Wal-Hämoglobins und -myoglobins erheblich mehr Sauerstoff zu binden als sonst üblich, sind die Hauptgründe dafür.

Fett hält warm...
Eine Frage ist jetzt aber noch immer nicht beantwortet: Wie schützen sich die Tiefseegiganten gegen die Gefahr des Auskühlens in dem maximal 3,5 ° Celsius kalten Wasser der Ozeane? Auch dafür gibt es eine praktikable Lösung. Der Leib der Pottwale ist von einer isolierenden Fettschicht umhüllt. Leicht kann dieser Kälteschutz eine Dicke von 20 Zentimeter oder mehr erreichen. Dies reicht selbst für Tauchtiefen von 3000 Metern und mehr locker aus.

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