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Montag, 13.02.2012
Wenn der Schlafmohn blüht
Afghanistans Reichtum und Achillesferse

Eines der Haupthindernisse für die Durchsetzung einer zentralen Staatsgewalt sieht Thomas Ruttig von der Stiftung Wissenschaft und Politik in alternativen Machtzentren, wie sie Warlords, ehemalige Mudschaheddin-Kommandeure oder lokale Machthaber darstellen. Diese finanzierten sich „aus einer Kriegsökonomie, aus illegalen Wirtschaftsaktivitäten und der privaten Aneignung staatlicher Ressourcen.“

Ein Beispiel für diese illegalen Aktivitäten ist die Drogenindustrie Afghanistans. Das Land am Hindukusch ist der weltweit größte Hersteller von Rohopium, aus dem wiederum Heroin gewonnen wird.

Bei der Ernte des Roh-Opiums 
Bei der Ernte des Roh-Opiums
© GNU FDL
2007 war gutes Opium-Jahr
In jährlichen Berichten trägt das United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC), das Büro der Vereinten Nationen zur Bekämpfung von Drogen und Kriminalität, Daten über den Mohnanbau in Afghanistan zusammen. So wurden laut UNODC im Jahr 2007 rund 8.200 Tonnen Opium geerntet. Das waren 93 Prozent der weltweiten Produktion und mehr als 3.000 Tonnen über dem bisherigen jährlichen weltweiten Verbrauch.

Auf rund 197.000 Hektar wurde Mohn angebaut, das sind 17 Prozent mehr als im Jahr 2006. Und das obwohl internationale Organisationen den Kampf gegen den Opiumanbau finanzieren und die afghanische Regierung ein Programm zur Drogenbekämpfung betreibt.

„Wenn man China im 19. Jahrhundert einmal beiseite lässt, das zu dieser Zeit eine 15 mal größere Bevölkerung hatte als Afghanistan heute, hat kein Land der Welt jemals Drogen in solch tödlichem Umfang produziert,“ so das Fazit der Studie UNODC für das Jahr 2007.

Opiumanbau spaltet das Land
Dabei haben die UN-Mitarbeiter festgestellt, dass Afghanistan in Sachen Opium zweigeteilt ist. Während im Norden der Opiumanbau drastisch zurückgegangen ist, hat sich die Produktion im Süden, vor allem in den Provinzen an der Grenze zu Pakistan um ein Vielfaches erhöht. Mehr als 50 Prozent des Opiums kamen aus einer einzigen Provinz, Helmand.

Erstaunlich sei, so die UN-Studie, dass der Opium-Anbau nicht länger mit Armut in Verbindung stehe. Ganz im Gegenteil: Helmand, Kandahar und drei weitere Provinzen im Süden seien die reichsten und fruchtbarsten Provinzen, die frühere Kornkammer Afghanistans. Möglich sei dies, weil genau diese Provinzen von den Taliban kontrolliert würden, internationale Organisationen oder die afghanischen Autoritäten hätten keinen Zugang zu diesen Regionen und könnten demzufolge auch nicht überprüft werden.

Absurd ist die Tatsache, dass die Taliban im Jahr 2000 den Opiumanbau unter Strafe verboten hatten – weil das mit dem Islam nicht vereinbar sei. Doch schon in den Jahren seit der Machtübernahme hatten sich die Taliban aus Opium-Produktion und -Export finanziert, so wie sie es heute auch wieder tun

 Rosen statt Mohn
Rosen statt Mohn
© Dt. Welthungerhilfe
Rosen statt Schlafmohn
Fast aussichtslos scheint unter diesen Bedingungen der Kampf gegen den Opiumanbau. Die Welthungerhilfe, die bereits seit 1980 in Afghanistan tätig ist, hat es dennoch probiert. In der Provinz Nangahar im Osten Afghanistans haben die deutschen Entwicklungshelfer den dortigen Bauern eine einkommensstarke Alternative geboten. Statt Schlafmohn bauen mehr als 300 Bauern in drei Distrikten Damaszener-Rosen an. Das Ziel: die Produktion von ökologisch erzeugtem Rosenöl, das unter anderem nach Deutschland verkauft wird.

„Der Rosenanbau ist eine lukrative Alternative zum Anbau von Opium“, so Renate Becker, die das Projekt koordiniert. „Rauschgift gilt als ‚unislamisch’, doch die Armut lässt vielen Bauern keine andere Wahl.“ Während das Projekt bescheiden anfing und in den ersten Jahren nur drei oder vier Liter des kostbaren Öls einbrachte, soll die Anbaufläche bis zum Ende dieses Jahres auf 65 Hektar ausgedehnt werden. Ein Hektar ergibt etwa einen Liter Rosenöl im Wert von rund 5.000 Euro.

Damit haben die Rosen-Bauern gegenüber den Opium-Produzenten eindeutig die Nase vorn. In einem guten Jahr wie 2007 bringt ein Hektar Opium etwa 5.200 US-Dollar ein, das sind nur etwa 3.500 Euro. Und die Nachfrage nach dem afghanischen Rosenöl übertrifft schon jetzt das Angebot.

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