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Montag, 13.02.2012
Von moderaten Königen und Minirock ....
Die frühen Jahre des jungen Staates

Amanullah, der an der Ermordung seines Vaters, seinem Vorgänger auf dem afghanischen Thron, beteiligt war, machte sich Anfang des 20. Jahrhhunderts rasch an die Modernisierung Afghanistans. Er strebte eine Verfassung mit gleichen Rechten für Männer und Frauen nach dem Vorbild der Türkei unter Kemal Atatürk an, er schuf gemeinsame Schulen für Mädchen und Jungen und führte die Schulpflicht ein. Und er setzte auf die Trennung von Staat und Religion. Durch zahlreiche Reisen nach Europa inspiriert, verstärkte er den Handel zwischen Ost und West. Die afghanischen Frauen forderte er auf, den Schleier abzulegen.

König ohne Rückhalt
Seine fortschrittlichen Gedanken jedoch fanden keinen Rückhalt in der Bevölkerung, so dass sich politische und religiöse Eliten zunehmend gegen Amanullah wandten. Während einer Auslandsreise im Jahr 1927 kam es zum Volksaufstand gegen den König. 1929 schließlich wurde er gestürzt und floh ins Exil in die Schweiz.

Mohammad Zahir Shah, König im Frieden 
Mohammad Zahir Shah, König im Frieden
© GNU FDL
Sein Nachfolger wurde Habibullah, erstmals kein Paschtune. Doch seine Amtszeit währte deshalb nur kurz. Er wurde von Nader Schah aus einem Nebenzweig der alten Königsfamilie gestürzt. Nader Schah erhob die Scharia, das islamische Religionsgesetz, zum allgemeingültigen Rechtssystem in Afghanistan, als höchste politische und rechtliche Instanz galt die Loya Dschirga, das Parlament. Auch Nader Schah bevorzugte in seiner Amtszeit die Paschtunen. Als der König ermordet wurde, übernahm sein Sohn, Zahir Schah, das Amt.

Die längste Friedenszeit
Zahir Schah regierte schließlich ganze 40 Jahre – die längste Zeit in der jüngeren Vergangenheit, in der Afghanistan relative Stabilität und einen gemäßigten Regierungskurs erlebte. Dennoch hatte das Land mit erheblichen Problemen zu kämpfen. der Dürre in den Jahren 1969 bis 1972 und daraus folgenden Hungersnot stand die Elite machtlos gegenüber. Mehr als 100.000 Menschen, vor allem in ländlichen Gebieten, starben. Ein Großteil der Afghanen war nach wie vor Analphabeten, die Gleichberechtigung der Frauen hatte sich nicht durchsetzen können.

1973 gipfelten die neuen politischen Strömungen, die sich unter Zahir Schahs Regierung gebildet hatten, in einem Putsch. Die Republik Afghanistan wurde ausgerufen und sollte nach sozialistischem Modell aufgebaut werden.

 In den 70er Jahren gab es keine Burkas afghanischen Städten
In den 70er Jahren gab es keine Burkas afghanischen Städten
© Edda Schlager  In den 70er Jahren gab es keine Burkas afghanischen Städten
Schließlich standen sich die Regierungspartei Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVPA) und radikalislamische Strömungen gegenüber. Die kommunistische DVPA rieb sich selbst in innerparteilichen Machtkämpfen auf, Afghanistan erlebte eine „Zeit der Reformen, Repressalien und Rebellionen“, wie es die Afghanistan-Expertin Susanne Thiel, Beraterin der GTZ, sieht. Dennoch gelten die 70er Jahre heute als die verloren gegangene Moderne Afghanistans. Zumindest in Kabul trugen die Frauen damals auf offener Straße Miniröcke, sie studierten Jura, wurden Ärztinnen oder Ingenieurinnen und übten die Berufe auch aus.

Der Afghanistan-Krieg der Sowjetunion
Im Jahre 1978 wurde die Sowjetunion zu Hilfe gerufen, um die Herrschaft der Regierungspartei aufrecht zu erhalten. Ein Jahr später begann der Afghanistan-Krieg mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen.

Die militärische Intervention richtete sich gegen politische Strömungen, die sich gegen die Regierungspartei gewandt hatten. Doch sie endete in einem Widerstandskampf der Bevölkerung gegen die Invasoren, organisiert in Gruppen und Kampfverbänden mit regionalen, religiösen und politischen Führern an der Spitze, den Mudschaheddin. Die „Politik der verbrannten Erde“ trieb die Afghanen zu Hunderttausenden ins Ausland, vor allem nach Pakistan. Die Reaktion innerhalb Afghanistans – der Aufruf zum Dschihad, dem heiligen Krieg gegen die Feinde Afghanistans.

„In diesen Jahren,“ so Susanne Thiel, „entstand – ausgehend von den paschtunischen Flüchtlingen in Pakistan, die unter dem Einfluss radikaler Islamisten standen – ein ‚paschtunisierter Islam’, der Elemente der Stammesgesetze enthielt und zur Grundlage für die religiösen Vorstellungen der Taliban wurde.“

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